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Neues aus der Zukunftsforschung

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Heute habe ich gelernt, dass Ereignisse, wenn sie sich häufen, zu Trends werden und dann Muster ergeben, die auf die Zukunft hinweisen. 

Unter den Mustern liegt weniger sichtbar eine Struktur, die das alles hervorbringt, nennen wir sie Kapitalismus und dazu gehört auch ein Ethos, den ich an dieser Stelle nicht zu benennen vermag.

Ich bin heute von zwei 12 jährigen Mädchen aus einer türkischen Herkunftsfamilie ohne besonderen Grund beleidigt und provoziert worden.

Mit Ethos hat das nix zu tun, aber vielleicht mit Struktur?

Unser Sohn hat vor kurzem eine kriminelle Gang gegründet, im zarten Alter von 15 Jahren.

Wir hatten den Eindruck gar keine anderen Bekannten mehr zu haben, als die Polizei.

Auch hier stimmt wohl was an der Struktur nicht, entweder in unserer Familie, oder in unserer Schule, oder einfach gesellschaftlich.

Ach ja, ich studiere Zukunftsforschung in Berlin und die Kommilitonen, die meist zwanzig Jahre jünger sind, als ich, saugen den Lehrstoff begierig und etwas unkritisch auf.

Für Diskussionen ist in heutigen Masterstudiengängen nicht viel Zeit.

Man wird mit Lernstoff quantitativ unter Druck gesetzt, so dass man lieber ein bisschen Unsinn schluckt, als zu widersprechen.

Auch hier geht es um eine Struktur, über die man sich Gedanken machen könnte.

Wenn man mal inne hält und überlegt, merkt man, dass viel, zu viel auf einen einströmt und zuwenig Struktur da ist, das eingetroffene sinnvoll zu verarbeiten.

Es wird zuviel aufgenommen und zu wenig aussortiert.

Die Mädchen heute Nachmittag erschienen mir nicht nur entgrenzt, sondern auch überreizt.

Unser Sohn hat offensichtlich äußere Grenzen nicht mehr eingesehen und fand unser Ehrlichkeitsethos wohl unzeitgemäß, und die Studenten an der Uni, waren erkennbar überladen, worunter ihre Kritikfähigkeit erheblich gelitten hat.

Die Presse bewegt sich in letzter Zeit immer deutlicher von Kampagne zu Kampagne und die freien Journalisten bieten den Zeitungen Pressemitteilungen von Unternehmen und Verbänden im Originaltext als Artikel feil, weil das Zeilengeld so niedrig geworden ist.

Viele von denen verdienen nicht mehr als tausend Euro im Monat, was also soll man machen?

Der Kapitalismus ist so.

Angebot und Nachfrage.

Journalisten werden so zu verbalen Flaschensammlern.

Wir bewegen uns in einer kombinierten Banken und Fiskalkrise direkt auf den Abgrund zu, ohne ein Rezept gegen die Struktur zu haben, die uns unaufhörlich in den Ruin treibt.

Löcher werden gestopft, mit gedrucktem Geld und Sparmaßnahmen verordnet.

Das ist alles.

Eine echte Gegenbewegung sieht anders aus.

Diese gesellschaftliche Tendenz des so laufen lassens macht mir Angst.

Ich sehe immer dieselbe Entstrukturiereung, ob bei den Zwölfjährigen oder am Finanzmarkt.

Es gibt keine Konzepte, die konsequent gefahren werden.

Von der Erziehung bis zur Finanzmarktregulierung lässt sich eigentlich nichts mehr durchsetzen.

Wir treiben so dahin und reden viel, schreiben einiges und lesen noch mehr.

Die Struktur, die uns treibt, mit ihren Akteuren, schafft derweil Tatsachen.

Eine in sich verfeindete Gesellschaft zum Beispiel mit zunehmender Tendenz zur Schichtseparierung.

In der ungelösten Integrationsfrage holen wir uns Ratschläge von Psychopathen und selbst der Verfassungsschutz merkt nicht, wenn seit Jahren braune Mörder unterwegs sind.

Wir rüsten Israel mit Atom-U-Booten auf, schenken ihnen sogar zwei davon und freuen uns, anlässlich der Übergabe, dass unser Bundespräsident dort herzlich willkommen geheißen wird.

Merkel wolle anlässlich der EM eigentlich die politische Gefangene Timoschenko aus der Ukraine frei bekommen, hat aber nichts erreicht und jetzt spielen wir dort fröhlich Fussball und hängen unsere deutschen Fahnen in den Wind.

Eine eigentümliche Widerstandslosigkeit und fehlende Konsequenz in allen Bereichen des politischen Lebens.

Bis zur Unkenntlichkeit exekutieren wir unsere Sachzwänge ohne Kraft zur Veränderung.

Diesen Prozess zu beobachten verursacht mir eine Schwäche.

In meinem Studium sollte ich mich eigentlich damit beschäftigen, Zukünfte zu explorieren.

Mögliche Zukünfte, vielleicht auch Utopien.

Mir fallen aber nur Dystopien ein und wenn ich mir die Zukunft vorstelle kommen mir grauenvolle Bilder, einer zusammenhangslosen Gesellschaft, die auf nichts mehr so richtig achtet, der die Demokratie gleichgültiger wird und der die Lust am Streiten um die gute Sache vergangen ist.

Ich schätze, wir müssen uns alle mächtig zusammenreißen und überlegen, wo wir überhaupt hin wollen.

Derzeit kämpfen wir um Moratorien gegen sich anbahnende destruktive Entwicklungen, die uns alles kosten können.

But nobody cares.

Gehen wir lieber etwas härter zur Sache und ziehen Konsequenzen.

Wir müssen uns endlich positionieren, um nicht von unserer eigenen kapitalistischen Struktur aufgelöst zu werden.

 

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