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Initiative linker SozialdemokratenInnen in der SPD

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Willkommen in Absurdia

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Kontinent - im Ozean der Gleichmütigkeit aufgewühlt von Stürmen des neoliberalen Wahnsinns.

Land - der Heißluft betriebenen Seelenmühlen, Stadt der monumentalen Spiegelglaspaläste, Ameisen bevölkerte Asphaltadern und sanierungsbedürftige Mietskasernen verhökert als Schrottimmobilien.

Dorf - der überquellenden Jauchegruben, an deren Rändern das Zuchtvieh um die Wette blökt, grunzt und schreit, während in der Legebatterie das Federvieh gequält aus wund gescheuerten Hälsen gackert.

Willkommen an Bord der Absurdia!

Diesem halb voll gelaufenen Schrottdampfer mit seinem stinkenden Dieselantrieb, seinen rauchenden, luftverpestenden Schloten, der schweren sich fortwährend tiefer neigenden Schlagseite, seiner strahlenden Fracht gelber Fässer, der Computer gesteuerten High-Tech Brücke, seiner unbeirrt Kurs haltenden, goldene Eier ausbrütenden Vogel-Strauß Besatzung und seinen nach Decks kategorisierten Passagieren, von denen die unteren sich an die Tür zum Maschinenraum drängeln, um die Maschine am Laufen zu halten, obwohl ihnen das Wasser bis zum Hals steht.

Viel Fahrspaß im Absurdia-Mobil, diesem elektronisch aufgemotzten Karren mit eiernden Rädern und abgewetzten Reifen, verdreckten und zerbeulten Kotflügeln, dessen Schrauben und Muttern so locker sitzen, das er damit eine Spur legt, dessen Motor dauernd aussetzt, doch den sie immer wieder anschieben, damit er es noch vor die Wand schafft, am besten durch sie hindurch, und wenn sie ihm den Weg dafür frei sprengen, frei schießen müssen.

Tja das ist Absurdia:

  • Industrieller Moloch mit voll automatisiertem Räderwerk, das seinen Rädern keine Ruhe gönnt, sondern sie so lange unter so viel Druck bewegt, das immer mehr zerspringen oder durch drehen, bis man sie austauscht.
  • Produktionsstätte des Überflusses und der knappen Not, des Prunks, der Pracht und der unermesslichen Müllhalden.
  • Kerkerverlies, dessen Gefangene sich selbst einschließen und selbst an die Kette legen aus Angst vor zu viel Freiheit.
  • Bauernhof, dessen Ochsen unterm Joch Schutz suchen, dessen Kühe ohne Melkmaschine wertlos fühlen und dessen Schweine unglücklich sind, wenn man sie nicht zur Schlachtbank führt.
  • Königreich der smarten Abzocker, die sich als Leistungsträger verkaufen, jedoch Leistungsgetragene sind.
  • Paradies der Verwaltungsbürokraten, die sich überflüssige Vorschriften ausdenken, um selbst nicht überflüssig zu werden.
  • Massenbetrieb der störrisch nickenden, dumpf wiederkäuenden, vollständig verkabelten und restlos zu gedröhnten Schafsköpfe.
  • Gesellschaft der egoistischen Einzelwesen, die unterm Strich sich an Phrasen, Weingläser, Bierflaschen und Glimmstängel klammern, um Halt in der Gruppe zu finden. Sie will freundlich umworben werden, begrüßt und empfangen, egal wohin sie kommt. Was schert es die Gesellschaft, dass die Empfangsdame unterbezahlt ist. Ich will versorgt, ich will im Alter abgesichert und behütet sein. Ich will nicht, dass mein schwer erarbeitetes Geld im Staatsrachen landet, ich möchte mein Geld behalten, ich möchte es privat anlegen, denn ich möchte hohe Renditen erwirtschaften. Solidarität ist ein tolles Wort, ich bin dafür - aber nicht auf meine Kosten. Ich sehe das gar nicht ein. Was habe ich denn davon, wenn man Fremde von meinem Geld durchfüttert? Es ist nur gerecht, wenn ich mein Geld für mich behalte, um es dann für Sozialprojekte auszugeben, die ich bevorzuge. Am sozialsten ist es immer noch, Arbeit zu schaffen, ist es immer noch, wenn ich mein Geld in Discounter trage, damit mein Geld dort Arbeitsplätze sichert.
  • Kultur der individuellen Brillanz wie der kollektiven Einfalt, der höchsten Entfaltung wie der niedrigsten Knechtung, der feinsten Geschmäcker wie der gröbsten Biederkeit, der hehren Ansprüche wie der leeren Versprechen, des ausgeglichenen Lächelns zur allgemeinen Schieflage.
  • Laufsteg der alten und neuen Moden auf wohl geformten wie unförmigen Leibern.
  • Salon der gestylten, gegeelten, geföhnten Frisuren über ausdruckslosen, geschminkten, erkalteten, verbiesterten, verdorrten, starren Gesichtern, die zum Lächeln im Keller verschwinden.
  • Arena für die Parade der stampfenden Elefantenschritte und rotierenden Ellbogen.

Absurdia ist ein Auslaufmodell, das jeden Tag abgewickelt wird, eine parfümierte Leiche, die sich eine Zukunft wünscht, damit ihr Verwesungsprozess bis in alle Ewigkeit dauert.

Utopia ist fern, unerreichbar sagen sie, doch jeden Tag rückt es ein unbeachtetes Schrittchen näher, Mausklick für Mausklick.

 

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