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Stellen wir uns einmal unserer Vergangenheit

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Jeder von uns hat eine Vergangenheit und der sollte man sich stellen, im Jahr 1973 stieg ich ins Berufsleben ein.

Ich meine vielleicht hatte ich Glück, weniger in der Bezahlung mehr im Einstieg, denn da waren 3 ältere Kollegen mit einer Vergangenheit von der sie mir erzählten.

Sie kümmerten sich fast redlich um mich, alle drei waren vom Krieg gezeichnet, zwei waren schwerversehrt und der Dritte stammte eigentlich aus dem Ostteil der Stadt.

Alle waren jedoch untereinander anders, sie waren lebensfroh und vermittelten gerne ihr Wissen, förderten mich und warnten.

Nach und nach gingen sie in Rente, den ersten holte ich noch am letzten Arbeitstag persönlich von Zuhause ab und es entwickelte sich eine Freundschaft über Jahre hinweg.

Die beiden anderen Kollegen blieben noch ein paar Jahre und erlebten meine ersten tollkühnen Maßnahmen, sie sagten stets ich sollte mir meine Hörner abstoßen.

Beide trugen Kriegsverletzungen, dem einen fehlte der rechte Oberschenkel und dem anderen der rechte Gehörgang.

Anfang der 80. Jahre hatten wir in Berlin diesen strengen Winter, da stürzte jener der mit den Gehhilfen lief.

Das wurde zu seinem beruflichen Ausstieg, zunächst besuchten wir ihn ab und zu, danach zog der andere Kollege in sein Anwesen in der Lüneburger Heide und ich hielt mich an diese Besuche.

Irgendwann gewann ich das Vertrauen von allen dreien und ich erzählte ihnen auch mehr von mir.

In geselliger Runde erfuhren wir dann, Schlesien Feb. 45 kurz vor Schluss erwischte es seinen Oberschenkel, über Prag kam er zu den Amerikanern, der andere Kollege flog mal eine Fieseler Storch.

Bekam Besuch vom Gegner, langsam fliegen und runter- dabei rammte er einen Alleebaum, der Dritte flüchtete von Ost nach West 1958 und brachte seinen Stuhl mit, Chefs hatten immer welche mit Armlehne.

Nun gut, in diese Zeit fielen meine Radtour durch die Vogesen und der erste Kontakt zu der Frau mit der ich bald 40 Jahre verheiratet bin.

Na ja, irgendwann entschließt man sich zur Heirat, zwischen Berlin/West und Poznan in Polen lag allerdings noch die DDR und wer fährt schon freiwillig mit?

Mein alter CDU Kollege meinte, er wäre es und besitze noch einen westdeutschen Reisepass, den Ort der Ausstellung kenne er noch, bloß die Straße nicht mehr.

Wir einigten uns für das Visum auf Bahnhofstraße 5 und fuhren los.

Kamen auch an, ich erlebte meine Trauung und bekam einen Dolmetscher, für dem ich eigentlich einen Dolmetscher benötigte, der sprach nämlich sächsisch.

Ich lernte also die Freundinnen meiner Frau kennen und davon war eine die Medizinerin, eine praktizierende Ärztin.

Die praktizierten alle in einer Poliklinik und zudem waren das Reserveoffiziere der Armee.

Die war nett und ihr Mann war gerade auf einer Weiterbildung in Paris, sie selbst sollte mal nach Ostberlin fahren.

Das und etwas mehr erzählte ich dem Kollegen, dem der Oberschenkel fehlte.

„Sofort her mit der“, meinte der, sein Arzt verschriebe ihm zu wenige Pillen gegen den Phantomschmerz.

Ich musste die also von Ost nach West locken, das funktionierte dann der erklären ein Notfall wartet auf dich.

Klappte auch, nur sagte sie mir „ von den Pillen kann man süchtig werden, die Phantomschmerze sind bekannt“ zog den Rezeptblock und verordnete eine wesentlich kleinere Packung mit der Begründung „in Kürze sofort zum Hausarzt gehen“.

Der nickte nur und fragte, „ was muss ich bezahlen?“- Beide waren zufrieden und man ging auseinander, man sieht sich wieder.

Ich allerdings war mal ein paar Wochen vor Weihnachten bei dem alten Kollegen zu Gast und da packte er gerade Weihnachtspakete für Alle Lieben im Osten, wahrhaftig hatte er eins für die Ärztin bereits auch verpackt.

Die Adresse hatte er vom Rezept abgeschrieben, du meine Güte das war die Adresse des Militärspittals.

Da konnte ich noch einmal eingreifen, ich glaube die hätten sich wirklich gewundert, das Militärspittal des Warschauer Pakts versorgt nun Westpatienten und bekommt Weihnachtspakete?

 

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