Mein Herz schlägt links

Initiative linker SozialdemokratenInnen in der SPD

  • Schrift vergrößern
  • Standard-Schriftgröße
  • Schriftgröße verkleinern
Start

Mein Leben war keine Wundertüte

E-Mail Drucken PDF

 

 

 

Von wegen das Leben ist eine Wundertüte, wundern kann man sich stets über das Verhalten von Anderen.

Es gibt nämlich im Leben Epochen und Situationen die einen prägten, wo es um mehr ging als überleben, wo man andere Richtungen einschlug und wo das eigene Leben begann interessant zu werden.

Ich erinnere mich immer noch an das Jahr 1965, das war ein Jahr bevor Willy Brandt Vizekanzler der Bundesrepublik Deutschland wurde.

Im Jahr 1965 bekam ich durch Zufall eine Einladung zu einem Sommercamp der evangl. Jugendgemeinde ins österreichische Maria Stein im Inntal zum Thema. „ Europa in 10 Jahren“, genau zu der Zeit wo die deutsch/französische Freundschaft an Kraft gewann.

Maria Stein sollte uns eine Perspektive bieten, doch die ersten Tage verliefen ganz anders.

Es war einfach noch normal, dass sich auf solchen Tagungen Dozenten von ihrer Vergangenheit befreien wollten.

Mancher war belastet von der NS Zeit und wieder andere verarbeiteten ihre Kriegserlebnisse, zunächst waren wir die braven Zuhörer, denn all diese Themen waren uns nicht unbekannt- mind. 3 bis 4 x pro Jahr drehten das unsere Verwandten an den berühmten Festtagen im Jahr regelmäßig durch.

In Maria Stein war ich einer von denen die nach 4 oder 5 Tagen aufbegehrten und manchen Dozenten an die Pflicht zum Thema den Weg wies.

Das war etwas Neues, aufbegehren und fordern und das bereits zeigte uns die Grenzen der Anderen sehr schnell auf.

Diese einseitig vollzogene NS Vergangenheitsaufarbeitung wurde für uns zum nationalen Einheitsbrei, den wir leid wurden zu konsumieren.

Wir fanden die Kraft zu einer eigenen Tagesordnung und entwarfen das alternative Programm, denn uns interessierte die Meinung der anderen jungen Menschen in Europa mehr als das Geschwätz unserer Eltern.

Wir wollten diese junge Bundesrepublik im Spiegel von jungen Europäern sehen und das machte uns neugierig.

Dem Anliegen konnte man sich nicht entziehen, so nahmen die Tage von Maria Stein einen ganz anderen Kurs und das war gut so.

Maria Stein hatte mich also zunächst geprägt und gab mir die Kraft den Widerspruch zu wagen, das setzte sich in der Schule allerdings fort und es fand Freunde.

Wir beschritten den Weg zur Exilliteratur, was wiederum für einige Deutschlehrer eine Herausforderung war und für einige sicherlich auch Neuland.

Natürlich lief niemand uns im Leben voraus mit einem Kompass und öffnete uns Türen, eigentlich standen wir mitunter vor mehr verschlossenen Türen als vor geöffneten.

Stets war ein Warten angesagt, auf manche Fragen fühlte man sich wie in einem Wartesaal, denn es folgten nicht die Antworten sondern meistens waren es Rechtfertigungen.

Erst vor wenigen Wochen tauschte ich mich mit einem Schulfreund von damals gedanklich aus und er kam direkt zum Thema, „ ich war damals einfach blöd“, der bemerkte es allerdings zeitig und ging 4 Jahre zur Bundeswehr und begann danach sein Studium an der Uni.

Das ist derjenige der heute von sich sagt, im Studium war ich zu sehr am ASTA arrangiert und verlor dabei Zeit.

Ich hatte ähnliche Probleme, bis ich den richtigen Mann mit der wegweisenden Meinung fand, das war der Werkstattleiter der Ingenieurschule der mir sagte, dir fehlt das vorbereitende Werkstattpraktikum.

Es ging um den Produktionsweg und dazu fand ich den Weg in die Knüppelmechanik einer Maschinenbaufabrik.

So verbrachte ich das Jahr 1968 und zuvor verstarb meine Mutter, eigentlich stand ich auf eigenen Beinen und war wiederum noch gar nichts, bloß ich hatte etwas Glück meine um 4 Jahre ältere Cousine erinnerte sich an mich.

Zehn Jahre zuvor meinte sie immer, ich sei ihr kleiner Bruder und nun entdeckte sie mich wieder und führte mich an das Studentenleben heran.

Im September 1970 fuhren wir mit ihrer knallroten Ente über die Fehmarn Sundbrücke zum Festival bei Wallau am Strand.

Sie kannte all die welche ich noch nicht kannte, verfluchte die als Ordner eingesetzten halbbetrunkenen Rocker und bejubelte Brötzmann auf der Bühne zu.

Zuvor eröffnete Beate Uhse das Festival und ich hielt dazu das Flugblatt in der Hand unter dem stand u.a. auch der Name meiner Cousine.

Man setzte sich erstmalig mit der NS Vergangenheit der Beate Uhse auseinander, das war Neuland für mich- die 4 NS Flieger Emanzen beschrieben zu bekommen.

Trotzdem fand Beate Uhse den Mut auf dieses Flugblatt einzugehen und sie machte den Unterschied deutlich zu der Nähe der Anderen zu Hitler und ihrer Haltung gegenüber Hitler.

Das prägte den ersten Abend, da gab es allerdings die ersten Absagen der Regen nahm auf der Sonneninsel zu. Jimmi Hendrix war fast 6 Minuten dort, länger hielt er wohlweißlich nicht im Regen aus- aber er kam gegenüber den anderen die kommen wollten und nicht kamen, hielt er Wort.

Dann folgte Rio Reiser, zuvor sickerte durch das der Veranstalter die Flucht nach vorne angetreten hatte, Rio fand den Widerhall mit dem Song „macht das kaputt- was euch kaputt macht“, Claudia Roth war damals noch nicht seine Managerin, denn es ging zur Sache- was waren betrunkene Rocker gegen den Song von Rio Reiser wert?

Sie nahmen Reißaus und den Rest erledigten die mutwilligen Feuerwehren aus Ost- Holstein.

Damals verstand ich, wie man etwas verändern könnte, dann kam das Jahr 1971.

Ich weilte bereits in Nürnberg, plante die ersten Hürden im Studium so zu nehmen wie Eppelein von Geilingen den Sprung über den Burggraben nahm.

Pendelte stets und hörte bereits den jungen Elmar Altvater zu, das vertieften wir alle mindestens einmal in der Woche in der Kneipe zum Mausloch.

Da tat sich aber mehr unterschwellig wurden wir politischer, denn in Nürnberg feierte man das Dürerjahr. Wir wollten Dürers Hasen endlich in Freiheit füttern, uns überraschte allerdings Klaus Staeck.

Er traf mit seiner Grafik den Nagel auf den Kopf, „Dürers Bild seiner Mutter“ und dazu die Wohnungsnot in Nürnberg und rein zufällig tagte der Bund Deutscher Makler in der Meistersinger Halle.

Klaus Staeck passte genau in diese Stadt zu dieser Zeit und man konnte ihn nicht übersehen.

Nur verschwanden stets einige Plakate, da gingen wir des Nachts Staeck bewachen, seine Plakate bekamen Beine zw. Dem Hauptmarkt und der Kaiserstraße.

Es waren Besucher in Nürnberg zum Dürerjahr die sich auf dem nächtlichen Heimweg den Original Staeck gönnten, eigentlich war das der Durchbruch des Klaus Staecks der einige Jahre zuvor von Bitterfeld nach Düsseldorf fand und mittlerweile in Heidelberg wohnte.

Was ich allerdings nicht wusste, das wir uns 12 Monate später gegen Rainer Barzel und seine Vasallen wehren mussten.

1972 war mein erster Bundestagswahlkampf mit dem Roten Hahn und der Zeitschrift „ dafür“ in der ESPEDE, auf zum trink ein Bier mit Günter Grass- was gehen mich die anderen an ich wähle wie Gustav Heinemann.

Wir haben noch am Wahlabend gezittert und wollten eigentlich soviel noch erreichen, wir wollten mit Böll demonstrieren uns bei Klaus Staeck unterhaken.

Was machten wir, wir entdeckten den Wagenbach- Verlag und lasen nicht nur Schnurre, sondern die Amerikaner und die frechen Franzosen- erfuhren wieder mehr über Wolfgang Abendroth und Sebastian Haffner und interessierten uns für die Welt.

Sahen die klassischen Filme und fanden zum Jazz.

Das war einmal in der Meistersinger Halle das Ost/West Festival und die Jazztage in der Berliner Philharmonie, das besagte Mitternachtskonzert mit Woody Herman und im alten Friedrichstadt- Palast Chris Barber.

Dann öffnete sich Ost- Berlin 2 Wochen im August des Jahres 1973, danach wieder biedere Provinz so als würde man einer alten Frau unter den Rock sehen.

 

Wahlkampf

Erneuerbare Energien

Statistiken

Benutzer : 339
Beiträge : 5734
Weblinks : 145
Seitenaufrufe : 14087776

Verwandte Beiträge