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Nur ein Vierteljahrhundert her

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In diesem Herbst sind es bereits 25 Jahre her, dass wir an der Innerdeutschen Grenze auch im Sommer die graublauen Männer in ihren Reitstiefeln erleben durften, die uns immer nach Funkgeräten und Schusswaffen fragten.

Was hatten wir eigentlich für ein Gefühl, wenn man am frühen Morgen über die Avus den Grunewald hinaus fuhr und der Kontrollpunkt Dreilinden immer näher kam?

Hatte man alle Papiere, die man in der DDR Reisedokumente nannte, war das Auto betankt und wie lange dauerte die Kontrolle, erwischte man zufällig einen Esel oder beschäftigten sich die intensiv mit unserem Vordermann, eigentlich wollte man denen nur „Guten Morgen“ sagen und „Transit Marienborn“, anhalten in der DDR und den Intershop besuchen war ein mal.

Einmal und nie wieder, in der Raststätte an der Elbe bei Magdeburg frühstücken.

Jeder der öfter fuhr, fuhr nun nonstop durch, immer annähernd 100 km in der Stunde und min. 5 Trabbis das Vergnügen gönnen von ihnen überholt zu werden.

War des Montags in Westberlin dann „in“ mich überholte ein Trabbi, der hing hinter dem Steuerrad und dann der Konter, „ meiner trug sogar Hut“, meistens waren die Pappen aus Zwickau so einheitlich bunt namens grau, man war stets auf der Suche nach den himmelblauen von dem Chris Doerk sang.

Transit war die eine Sache, in Drittländern eigentlich eine ganz andere, der Reihe nach zunächst fuhr ich Transit in die BRD und das war stets eine Herausforderung.

Einmal fühlte ich mich richtig herausgefordert, kam aus Bad Kissingen zurück und befand mich bereits auf dem Zubringer zur Avus, sagte meiner Frau „ wir benötigen gleich alle Zettel- der erste nennt uns die Spur.“

Nur meine Frau antwortete: „ das war ein Hammel, auf meinem Transitzettel steht: Staatsbürgerschaft CSSR.“.

Ich dachte, Volltreffer, das kann nicht wahr sein, es wird Stunden dauern.

Der erste DDR Uniformierte meinte, Spur 3 und ich stand auf der Spur 3 und wartete, verfluchte den Tag und wartete auf Godot.

Dann winkte mich eine Hand aus dem Kabuff herbei, verlangte die Reisedokumente und ich sagte ihm den Fehler, „fahren sie weiter“, irgendwann kam der letzte und meinte „Gute Fahrt“.

Transit in Drittländern war ganz anders, zunächst benötigte man ein Visum für das Drittland, im Falle von Polen hieß das nicht Volksrepublik sondern Republik und diese Republik hatte dazu eine VISA Abteilung in Berlin West, praktischerweise Militärmission genannt.

Mir war es recht, ich brauchte nicht nach Köln zur Botschaft, denn diese Militärmission war im Grunewald direkt neben einen britischen Offiziersclub.

War man einmal da, ging es los- entweder fuhr man als Westberliner oder als Bundesbürger mit dem Reisepass, dann benötigte man eine Bestätigung des Innensenators, irgendwie alles irre.

Bekam man das okay ging es ins poln. Reisebüro drei Häuser weiter, gleicher Irrsinn, Umtausch in Tage x DM plus Benzingutscheine plus Visumgebühr, abholen in 5 Tagen.

Grüne Versicherungskarte plus internationaler Führerschein usw. und es ging los, endete meistens am DDR Kontrollpunkt Drewitz.

Das ging nur alles darüber, man war auf der Spur „Transit Drittstaaten“, musste also einen Umweg machen um nach Polen zu kommen.

Das Transitvisum war schon etwas Besonderes, “Devisendeklaration“ im Zeitalter der Scheckkarten – zudem Straßenbenutzungsgebühr entrichten und dann irgendwann „ Gute Fahrt“.

Wer dann fuhr, der erlebte wie groß eigentlich Berlin war, man fuhr nämlich südlich um die Stadt herum, ab dem Abzweig Stettin fuhr man fast alleine in Richtung Fürstenwalde.

Rechts in Richtung Frankfurt vor Fürstenwalde gab es dieses Unikum, die Minol- Tankstelle in Richtung Berlin, tatsächlich konnte man hier auf der Autobahn wenden um zu tanken.

Sah man den Wasserturm von Frankfurt, erreichte man in Kürze die Oder, da wurde es wieder jedem anders.

Ob da 6 oder 8 Autos vor einem standen war Wurst, es dauerte, stiefeltragende Uniformierte liefen von links nach rechts und noch wichtigere sprachen irgendetwas mit wohlweißlich unwichtigeren.

Warum und weshalb bloß nicht fragen, sonst dauerte es noch länger, man fuhr allerdings nur eine Stunde von Grenze zu Grenze, das sahen die auch auf dem Transit- Visum.

Hatte man den ersten poln. Uniformierten konnte man aufatmen, der interessierte sich mehr für die Ladung.

Welche Gesetze es da gab war einem Conchita, man suchte nur einen Parkplatz.

Den benötigte man um seine Zettel umzutauschen, endlich hatte man Zlotys aber noch keine Benzingutscheine, die gab es eine Etage tiefer.

Fuhr man dann weiter immer geradeaus auf der E5 kam man an eine internationale Raststätte, tankte man und trank einen Kaffee kam die Frage „ wie möchten sie bezahlen, mit Kreditkarte oder in Zloty?“.

Da fragte sich Jeder, hier sind die weiter als das System?

Das System hatte es in sich, irgendwann fuhr ich mal zurück alleine, meine Frau bestand darauf eine Handvoll Zlotys mitzunehmen, denn ich könnte ja noch nicht einmal von unterwegs telefonieren.

Gegen solche Einwände ist man machtlos, ich fuhr an einem Sonntagmorgen und unterwegs ging halb Polen gerade zur Kirche.

An meine Zlotys dachte ich wahrhaftig nicht mehr, war ja auch nichts auf wo man die ausgeben konnte.

Unter mir lag an der Oder der Grenzkontrollpunkt und vor mir waren drei Autos mit Westkennzeichen, das ging flott bis ich an der Reihe war und es kam die Frage nach den Zlotys.

Die hatte ich ja und packte die auf den Tisch, „das geht nicht“, ging aber bis hierher und wo sollte ich sie ausgeben?.

Ich wusste nicht weiter und der polnische Zöllner auch nicht, bis ein weiterer Uniformierter kam und meinte, ich müsste das Geld sofort ausgeben.

Da gab es nur einen Kunstgewerbeshop und ich kaufte eine Holzfigur, zeigte die dem Zoll und die Rechnung, das war es- dachte ich.

Die Frau vor mir, in dem VW Käfer mit dem Westberliner Kennzeichen meinte zu mir, sie wurden von einem DDR Mann gesucht.

„Nur gut, dann suche ich ihn, u.a. was wollte er von mir?“.

Es ging um die Straßenbenutzungsgebühr, das erfuhr ich, nur dieser offizielle Staatskassierer lief nur vorwärts und dachte nicht daran mich rückwärts zu bedienen.

Die rettende Frage stellte ich „ kontrolliert das einer in Drewitz?“.

Als ich das klare „nein“ vernahm dachte ich mir auf und davon.

In Drewitz fragte keine Sau danach, noch nie kam ich so schnell durch die Grenze.

 

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