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Teil 9 "Die 3 Epochen eines Flüchtlings"

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Die Bezeichnung „Flüchtling“ für Menschen, die so waren wie ich und du und dessen Kinder man als Flüchtlingskinder bezeichnet, war allgegenwärtig und nimmt in unserer Zeit rasant zu.

Damals wusste ich nicht ein Bruchteil vom dem, was eigentlich heute selbstverständlich sein sollte, sich nämlich des Menschen annehmen.

Eigentlich will man Flüchtlingen immer helfen, doch sind sie meistens nicht willkommen und das wiederum hat seine Gründe.

Wir alle kennen den berühmtesten Flüchtling Deutschlands und genau der wiederum machte diese 3 Epochen, die jeder Flüchtling durchmacht konzentriert fast innerhalb von weniger als 2 Wochen durch.

Die 3 Epochen bezeichnet man als die Vorflucht, die Flucht und die Nachflucht.

Am 31. Oktober 1918 in Spa sah das noch ganz anders aus, noch am Morgen des 9. November sah der Plan eine Abdankung als Kaiser vor aber nicht als König von Preußen, erst in den späten Nachmittagsstunden kam der Plan mit dem Exil.

Das nennt man die typische Vorfluchtgeschichte, hier in halbwegs geregelter Art und Weise, man weiß aber auch wie es schwierig ist eine geordnete Flucht anzutreten.

Es gibt keinen geordneten Fluchtplan, der des Kaisers funktionierte erst als das „ja“ aus den Niederlanden kam, danach folgte die Fahrt ins Exil nach Doorn.

Jede Flucht, von wen auch immer unterliegt Regeln, auch der von Gottes Gnaden kam nicht direkt in Doorn an.

Man testete auch hier die Stimmung am Ort, es dauerte eine Weile bis man dieses Anwesen für ihn etwas abseits des Ortes fand.

Die Phase der Nachflucht begann als die in Berlin verbliebende Kaiserin das Schloss Bellevue fast ausräumen ließ, es waren 26 Eisenbahnwaggons voll Gepäck und Möbel die in Doorn entladen wurden.

Mit der Nachflucht beschäftigte sich auch die neue Republik in Deutschland, denn der im Exil befindliche Kaiser sah seinen Aufenthalt dort nur als vorübergehend an und schickte den Kronprinzen quer durch das Reich, bis man ihm die Einreise verweigerte.

Das muss man wissen jeder Flüchtling ist ein Mensch der 3 Epochen durchgemacht hat, die Vorflucht war der Auslöser zur Flucht.

Was passierte wann und wo, was gab den Ausschlag und dabei wollen die meisten Flüchtlinge erst viel zu spät weg, denn innerhalb der Epoche namens Vorflucht werden bereits viele mittellos und verlieren Freunde und Angehörige.

Eine Flucht ist keine geplante Ausreise und wenn es eine Gruppe ist, die sich zur Flucht entschlossen hat, erreicht die 1. Etappe auf der Flucht meistens nur 60% von denen die aufbrachen.

Das war so im Jahre 1945 bei uns auch, die 1. Etappe war das Ziel eines Trecks, das Erreichen der 1. Etappe bedeutet für niemanden Sicherheit sondern dient nur dem Verschnaufen.

Eigentlich sollten wir das alles noch wissen, ab dieser Etappe gilt eine neue Hackordnung, wer bezahlen kann wird mitgenommen und wer kaum etwas hat wird überrollt.

Das sterben Menschen, es kümmert sich kaum jemand um Alte und Kranke, man verliert die Kinder und Familien werden auseinander gerissen.

Das zweite Etappenziel liegt etwas weiter weg und hier beginnt bereits das Suchen nach Angehörigen, in dieser Epoche spielt aber bereits einer den anderen mitunter aus, es geht nämlich über das Überleben.

Die dritte Etappe beginnt mit der Passage, das kann man nachlesen bei Michael Blumenthal als sie sich auf den Weg nach Schanghai befanden.

Die Epoche der Nachflucht beginnt mit dem Erreichen eines sicheren Lagers, was aber in den meisten Fällen das Notaufnahmelager ist.

Da geht es nicht nur die erste Not zu verbessern sondern auch um zu erfassen, wie so etwas abläuft und mit welchen Situationen Menschen hier fertig werden müssen, auch das kann man nachlesen in den Erlebnissen des alten großen und katholischen DDR Schriftstellers Günther de Bryn.

Da sterben Menschen die haben alle Not auf sich genommen, bis hierher gekommen und verstarben, da werden Kinder geboren und geheiratet.

Ein Notaufnahmelager ist meistens in Grenznähe und eigentlich für den Flüchtling nur ein temporäres, es dient die erste Not zu mildern und Menschen zu erfassen.

Das nächste Lager dient der Zusammenführung und der Verteilung, bis zur Erreichung der Verteilung hat ein Flüchtling bereits mehrere Wochen bzw. mitunter Monate im Lager verbracht und jedes Lager hatte seine eigenen Gesetzes.

Man verteilte also Menschen auf Landkreise und das wiederum in Sammelunterkünften, wer diese Adresse für mehr als 12 Monate hatte war gebrandmarkt auch das muss man wissen, etliche planten hier eine Weiterreise.

Für viele war das nur ein Transitlager, wie viele wanderten aus- damals waren Canada, Australien und Südafrika das Ziel von vielen und weshalb soll das heute anders sein?

Ein Großteil allerdings von denen nahm jede Chance war die sich ihnen bot, damit machten wieder andere ihre Geschäfte und das war legal, zwar nicht human und auch keine Hilfe zur Selbsthilfe.

Wie das nun funktionierte, schrieb ich in dem Artikel zuvor, um den Lagerkoller zu umgehen spielten etliche mit.

Da wurden aus Behausungen Wohnungen und die hatten eine andere Adresse, manche wohnten darin Jahre und fassten erst langsam Fuß und wiederum andere wurden anfällig für die Parolen der Ewiggestrigen.

Etliche Flüchtlinge nehmen Arbeiten unter ihrem Wert an, das liegt an der Kälte unserer Gesellschaft, manche wohnten in ehem. Schweineställen, es dauerte und es dauert meistens mit der Eingliederung.

Wenn ich mich recht erinnere, hatten damals manche von ihnen bessere Gartenlauben als Wohnungen.

Wie viele wohnten denn in jenen Jahren in ihren Gärten und wer besaß davon fließendes Wasser?

Die Not macht erfinderisch, das erlebten wir und das gilt noch heute.

 

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