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Teil 30 "Das Echo"

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Die von mir in einigen Artikeln zuvor geschriebene Urlaubsaktion der Straßenbahner fand ein positives Echo, man konnte dazu sogar in der Heimatzeitung etwas lesen.

Es waren also einige vorgeprellt, mit sog. Selbsthilfe und halfen dadurch andere denen es nicht so gut ging.

Genau dem wiederum wollten andere nacheifern, der Impuls zur Tat kam eindeutig in diesen Jahren von unten.

Ich erlebte im Herbst des gleichen Jahres wie der Personalrat der Post das Postler Heim wiederentdeckte, nun war mein Vater nicht der Mann im Personalrat aber trotzdem gehörte er zu denen die sich dieses Thema annahmen.

Man traf sich am Abend in unserem Wohnzimmer und erläuterte die Situation.

Das Haus und das Grundstück am Wald gab es noch, es gab allerdings unter den Kollegen meines Vaters kaum noch jemand der vor 1933 im Dienst war und mehr dazu sagen konnte.

Zudem fand man im Amt kaum Unterlagen darüber, was man hatte waren ein paar Fotos aus dem Jahre 1938.

Da allerdings hatte das Haus bereits die Arbeitsfront der braunen Garde, im Grundbuch stand noch immer der Eintrag des Jahres 1927, also ein Erholungsheim der Gewerkschaft.

Wir wanderten also folgerichtig an einem Sonntag dorthin, fast 90 Minuten durch Wälder und Felder, vor uns lag ein unzerstörtes Waldhaus am Hang.

Den Schlüssel besaß der Gemeindevorsteher des Ortes und den hatte man zuvor informiert, der ahnte zwar von den Altbesitzern wusste aber auch nicht wer es war und ging dieser Angelegenheit mehrere Jahre auch nicht nach.

Was er berichtete war eigentlich einleuchtend, während des Krieges war er der Jugendliche in dieser Gemeinde und erinnerte sich.

Zu Ende des Krieges wurde dieses Haus zu einem Genesungsheim der Feldpost, ab Mitte April 1945 war es geräumt und lag soweit abseits dass man zunächst keine weitere Verwendung dafür fand.

Erst ein paar Jahre danach machte die Gemeinde daraus ihr Möbeldepot für ankommende Flüchtlinge und das war es eigentlich noch immer.

Nun sollte man allerdings wissen, in der damaligen Zeit informierte man immer die Amtsleitung.

Man war es gewohnt keine Alleingänge zu unternehmen, allerdings zeigte die Obrigkeit keinerlei Interesse an dem Problem des Personalrates.

Man trennte das ganz einfach, was nicht amtlich war fiel nicht in den Amtsbereich, was wiederum einige zu Recht erzürnte.

Ebenso bedeckt hielt sich die Gewerkschaftsleitung vor Ort, was von unten kam galt demzufolge oben nicht.

Offenkundig war man in einer Grauzone unterwegs, ich glaube es vergingen einige Monate bis sich ein paar Kollegen auf den Weg zur Direktion machten.

Dort war man also ohne Rückendeckung traf aber auf offene Ohren, denn es galt der Grundbucheintrag und der Personalrat war der Rechtsnachfolger.

Was wiederum zu Diskussionen führte, die Gemeinde räumte zwar und überließ einige Einrichtungsgegenstände recht gern, nur mancher sah wiederum einen Klotz am Bein.

Die wiederum gar nicht so Unrecht hatten, denn zunächst musste es renoviert werden und dann auf Verwertbarkeit geprüft werden.

An die allwöchentlichen Renovierungsarbeiten kann ich mich erinnern, man sah förmlich den Fortschritt und ich entdeckte die Luftmatratzen.

Was folgte war der Automatismus das Haus war gefragt, 1955 kamen die Spätheimkehrer zurück und man feierte das Wiedersehen.

Das war der Start, dass Haus unter den Kollegen und deren Familien für Feiern welcher Art auch immer zu vermieten.

Das funktionierte irgendwie und deckte mehr als die Kosten und zudem fanden hier die Kinderfeste im Herbst statt.

Mit diesem Haus wollte man also mehr machen und es den Straßenbahnern zeigen, allerdings konnte man nur stets eine Familie unterbringen.

Im Frühjahr des Folgejahres hatte man bereits eine Interessenliste, zunächst jene Kollegen jeweils für 2 Wochen die noch zur Untermiete wohnten usw. bis in den September hinein, wo man die Kriegsinvaliden mit der Familie 2 Wochen gönnen wollte.

Das war wohlweißlich der Plan, wiederum saßen dazu ein paar Kollegen meines Vaters um unseren Wohnzimmertisch, der Plan gut und schön nur wer trägt die Kosten?

Jene die man dahin schicken wollte konnte man unmöglich noch an den Kosten beteiligen, noch viel schlimmer- die wollte man auch noch ab und an beköstigen.

Mehr oder minder errechneten die min. 500 DM für diese Aktion, das war wiederum mehr als das Nettogehalt eines Durchschnittsangestellten, die bewährte Praxis zweimal mit dem Hut um den Tisch laufen funktionierte nicht.

Man telefonierte also, zunächst mit dem Betriebsrat der Straßenbahner und der hatte den entscheidenden Tipp, der Personalrat der Polizei habe so etwas ähnliches Mal gehabt.

Der nächste Anruf und der war vielversprechend, die Polizei hatte dazu auf den Polizei- Sportverein zurückgegriffen und ein Sportfest gemacht.

Dann kam der Tipp, man sollte es mal mit einem Fußball- Turnier versuchen.

Da war eine Idee entstanden „das Kleinfeld- Fußball- Turnier“ zu einem guten Zweck.

Tatsächlich funktionierte das und 8 Mannschaften zu jeweils 7 Spielern traten an, in der Halbzeitpause ging stets der Hut zum Sammeln herum.

Daher die Heimatzeitung auch mit zog, waren die paar Hundert Mark zusammen.

Allerdings spielte der Zeitgeist eine entscheidende Rolle, diese Art der Fußball- Turniere machte man einige Jahre länger als die Ferienfahrten.

Ich meine diese Art der Turniere war die Geburtsstunde der Betriebssportgemeinschaften.

Mit Gründung der Fußball- Bundesliga im Jahre 1963 war das kein Thema mehr, ähnlich wehte der Zeitgeist über diese Art der Ferien.

Von Jahr zu Jahr wollten auf diese Art und Weise immer weniger so Urlaub machen, ab 1958/59 kam die Campingwelle.

Das Heim wurde nachher verpachtet, zunächst war es ein Landschulheim und danach verkaufte man es.

 

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