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Teil 51 "Ypern eine Stadt in Flandern"

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Um sein Leben in eigene Regie nehmen zu wollen, darf man sich nicht abhängig machen von anderen.

Das hatte ich ziemlich schnell erkannt, denn Ypern sollte für mich ein Projekt werden, erstens als Mensch, dann wollte ich mich in der Gruppe beweisen und schließlich einiges Neues sehen und das mit ganz anderen Augen.

Wissen muss man allerdings auch damals gab es mehr Interessierte als Aktive, ziemlich schnell lichteten sich unsere Reihen als es konkret wurde. Wir hatten uns um die Hälfte bereits reduziert als die Einladung zum Empfang kam.

Für mich war es mein erster dieser Art und etwas Lampenfieber hatte ich bereits, je näher der Termin rückte. Es muss nämlich dazu alles passen, die Absprache mit dem Institut, die Kleidung und die Zurückhaltung sowie die Bereitschaft zum Dialog.

Das war eine ganz andere Situation in der ich steckte als damals beim ol man river, tollkühn ging gar nichts.

Zuvor erfuhr ich etwas mehr über diese Art der unteren diplomatischen Ebene, die zur Achse werden sollte, wir standen also unter Beobachtung.

Das wurde mir ziemlich schnell klar, denn zu dieser Einladung kamen von der Landesseite Vertreter der Kulturbehörde und für die rannten wir vielleicht ein Stück zu schnell vor.

Wir waren uns aber sicher, all das passierte in Ypern im Namen Deutschlands und wir sind in einer Verantwortung, die Frage stellte sich nur, wie gehen wir damit um?

Genau dieser Frage war die Generation unserer Eltern ausgewichen und jetzt gestaltete man in Europa die EWG, eine reine ökonomische Institution- die weder eine soziale noch kulturelle Schiene hatte.

Den ersten Schritt machten allerdings die Flamen, indem sie auf unser Interesse an ihren Projekten eingingen, sie reichten uns ihre Hand.

Das wiederum interessierte weder eine Heimatzeitung noch konnte man das einem Leser vermitteln, die Tageszeitungen trugen andere Titel.

Wir operierten allerdings auch nicht in einer Grauzone, sondern taten eigentlich etwas ganz normales.

Nur ist einiges was aus der Denkweise der Kleinbürger Deutschlands fällt nicht immer vermittelbar.

Das war die Erkenntnis beim Empfang, ein Beamter wies in seiner Eröffnungsansprache mit wohl überlegten Worten genau daraufhin.

Lag nun ein Desinteresse in der westdeutschen Bevölkerung vor und starten wir ein Projekt was kaum auf Interesse stieß?

Auf diese Art und Weise, jedoch mit sehr ausgewählten Worten wies der belgische Gastgeber hin, man kannte bisher nur Einkaufstouristen aus Deutschland und wir öffneten nun Türen und ganz nebenbei erwähnte er auch das Interesse der deutschsprachigen Minderheit in Belgien.

Bei denen lag das Interesse vor an unserer Arbeit, was wir in Westdeutschland wiederum gar nicht beachteten.

Allzu viel Zeit hatten wir allerdings in Belgien nicht und Ypern liegt nicht unmittelbar hinter der Grenze, was uns erwartete war der historische Ablauf vom August 1914 bis zum Sommer 1915 aus Sicht der Flamen.

Der wiederum ganz anders als wir ihn aus unseren Geschichtsbüchern kannte, des Kaisers Armee war nicht nur die Frontarmee sondern sie führte einen Krieg hinter der Front gegen die Zivilbevölkerung.

Dann sahen wir Ypern, die mittelalterliche Stadt die über Jahrzehnte nach dem 1. Weltkrieg wieder so geschaffen wurde nach historischen Vorlagen und man zeigte uns Aufnahme des zerstörten Yperns.

Leider waren wir nicht der Querschnitt der Deutschen sondern nur 12, die sich dafür interessieren, unsere Transformation konnte wohlweißlich auch nicht erfolgen, denn kein Pressevertreter aus Deutschland folgte unserer Einladung.

Yperns Glanz ist das mittelalterliche Zeughaus, wir sahen auf alten Fotos und Gemälden welche Pracht und welchen Glanz es hatte, wir sahen die Dokumente der Zerstörung und das Modell was dem Wiederaufbau gelten sollte.

Am Zeughaus baute man damals noch, wir konnten vor Ort sein, eine Zerstörung die von Otto Hahn verfolgt wurde.

Des Abends waren wir zu Gast beim Zapfenstreich, den spielt man immer noch in Ypern und gedenkt der Zerstörung der Stadt.

Wer hatte da noch Appetit der Einladung zum Abendessen zu folgen, wir waren schweigsam.

Der Tag galt dem Besuch auf den Schlachtfeldern, - auf der Rückfahrt fragte ich mich stets „was sollst du unter diesen Fotos schreiben?"

 

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