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Teil 52 "Fotos zeigen mehr als Worte"

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Einfach so weiter machen wie geplant, wäre sinnlos gewesen.

Wer dieses einmal erlebt hat, der kennt die Schwelle welche man überwinden muss das Erlebnis zu verarbeiten und Ypern war das Erlebnis.

Nach einigen Tagen hingen fast 50 Fotos an der Leine geheftet im dem Drittel des Zimmers herum, was mein Zuhause war.

Unter den Fotos saß Jemand dem die Worte fehlten, ich hatte etwas fotografiert und gespeichert und konnte es nicht verarbeiten.

Alle Planungen und Strategien gelten dann nicht mehr, das sollten sich nun jene merken, die immer nach einen Plan B rufen.

Es machen sich nämlich auch noch heute viele Menschen zu einfach, die dann von der Alternative rufen.

Rufen kann Jeder und das wiederum ist vielfach spontaner Unsinn, denn das Thema bleibt bestehen.

Das Thema hieß nun einmal: „Ypern vor und nach dem Frühjahr 1915“, innerhalb diesem Thema hatte die Gruppe von Studenten eine Aufgabe zu bewältigen und meine war es die Fotos zu dokumentieren.

Das ist nicht nur Datum, Blende, Belichtungszeit und Kamera sondern das sind unter den Fotos die zwei markanten Sätze, die mir nicht dazu einfielen.

Eigentlich war ich mit solch einen Elan an die Arbeit gegangen und wollte mich dieser Herausforderung stellen, doch bereits in Ypern bemerkte ich, das ist eine Nummer zu groß für mich, diese Apokalypse kann man nicht in Worte fassen.

Menschen die den Nobelpreis bekamen und die dann den Menschen die Menschheit vernichteten, das war das Schlüsselerlebnis.

Spontan lässt sich damit kaum etwas Brauchbares erzielen, es sollte nämlich keine Anklageschrift werden, es sollte auch keine Kriegserklärung gegen die Unmenschlichkeit werden sondern es sollte eine Dokumentation über die Restaurierung einer flämischen Stadt werden.

Darüber hatte man in Belgien in jenen Jahren bereits sehr viel geschrieben, in allen Aufsätzen kam man auf den wahren Grund zu sprechen und hielt damit die Erinnerung hoch.

Ein Narr der dieses hätte kopieren wollen, denn in dem Teil Deutschlands der sich die Bundesrepublik nannte gab es die Reflektion nicht.

Zwar startete man dort in eine neue Epoche mit einem Kanzler Willy Brandt, doch wie gespalten war diese Republik?

Sahen nicht eine Vielzahl der Kleinbürger diese Politik als ein Versöhnungsintermezzo an?

Der eigentliche Geist dieses unter Adenauer und Erhard installierten Kleinbürgertums prägte eine Generation, die wiederum ihre Nachbarn von oben nach unten ansah und welches Interesse sollte da vorliegen, wenn es nun in einer Dokumentation über Ypern geht?

Gegen den Zeitgeist einer Epoche kommt man nicht an, nur kann man ihn kritisch verfolgen und manchen herausfordern, nur wie reagieren dann Spießer?

Es wäre also schade um eine Arbeit, wenn man nur Zündstoff liefern würde.

Diese Erkenntnis kam bei mir eigentlich schnell, dem Ergebnis Rechnung tragen und das Interesse von anderen wecken.

Mit dieser Erkenntnis überzeugte ich die Institutsleitung und gewann Zeit, die wiederum ist in solchen oder ähnlichen Situationen kostbar.

Ich traf einen Abend mal einen Musikwissenschaftler der ähnliches gemacht hatte, der eine hervorragende Arbeit abgeliefert hatte für die sich allerdings kaum Jemand interessierte.

Er hatte sich mit der aus Ägypten stammenden Sängerin Dalida in einem Aufsatz beschäftigt.

Ich musste mich an die Arbeit machen, wählte aus dem Plenum des Hauses 5 Mitstreiter aus, die 15 von 65 vorhanden Fotos auswählen sollten, die in meine Mappe zur weiteren Bearbeitung kommen sollten.

Die sollten sich damit beschäftigen bis weißer Rauch aufsteigen würde, ich ging an diesem Nachmittag mit anderen auf die Wiese zum Fußballspielen.

15 von 65 hatte ich zum Preis von 3 Flaschen Bocksbeutel, die klebte ich noch auf eine DINA 4 Seite und vertagte alles Weitere.

Irgendwann hatte ich die Reihenfolge, an Ypern heranführen.

Das wurde die Einleitung, das heutige Ypern, die restaurierte und historisch wieder aufgebaute Stadt.

Dann das Modell des Herzens, das Zeughaus der Stadt und von dort zum Zapfenstreich.

Warum und weshalb?

Das war der Grund, die Fotos von den Fotos der Zerstörung zu zeigen, danach die Bilder der Schlachtfelder.

Zum Schluss das historische und für immer zerstörte Ypern.

Den Faden hatte ich, zunächst gelang es mir den zu folgen, nur welche 2 Sätze schreibt man unter Fotografien die eine Unmenschlichkeit zeigen?

„ ohne Worte“ wäre zu einfach und ich schrieb „ das Foto zeigt mehr als Worte beschreiben können“.

Das war mein Beitrag, alles andere machten andere aus der Gruppe, ich warf die Mappe mit meinen Absender in den wohlbekannten grauen großen Blechbriefkasten vor dem Institut termingerecht in den Schlitz.

Danach erfährt man zunächst gar nichts, es liegt die bekannte Spannung in der Luft, entweder wissen manche mehr oder es wirren Gerüchte durch die Gegend, störte mich nicht- denn ich war mir meiner Sache sicher.

Nur die restlichen Fotos die wollte man noch sichten, davon verabschiedete ich mich auch gerne.

Für mich hatte sich etwas erfüllt, ich wollte dabei sein, mich entsprechend einbringen, ein Teil der Reflektion Schleife sein und an eigener Darstellung gewinnen. Mehr und nicht weniger, das Ausschlachten von Erfolgen war außerhalb meiner Regie.

Den Erfolg fuhren wiederum andere ein, denen sollte man das auch neidlos gönnen, es gibt sie nämlich die Menschen auf der Erfolgsspur und die benötigen den Applaus wie andere das Geld zum Leben.

 

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