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Teil 59 "Es wird niemals zu heiß gegessen wie es gekocht wird."

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So hart wie das wiederum klingen mag, auch diese duale Zeit war nur eine Episode, es war der berühmte Flaschenhals durch den man gehen musste.

Manches hört sich immer schlimmer an als es in der Praxis ist und manche Module die vorgegeben werden, sollte man tunlichst nacheinander abarbeiten.

Wer Module ausklammert, der reagiert später einmal nicht praxiskonform, demzufolge ist das sich auf Module bezogene Praktikum ein unersetzbarer Maßstab für alle weitere Handlungen.

Für mich gliederten sich diese zunächst auf 25 Stunden in der Woche festgesetzten Module in der Realität ganz anders.

Erstens betrat ich kein Neuland in dem Betrieb und zudem hat fast jede Firma ihr Eigenleben.

Sekundär ging es mir dabei auch um das Eigenleben innerhalb eines Betriebes kennenzulernen, die Welt der Menschen am Arbeitsplatz.

Primär galt es Betriebsabläufe kennenzulernen und den Produktionsprozess zu erleben, doch auch dabei hat man es immer wieder mit Menschen zu tun.

Es gibt die Welt der eigenen Hierarchie in jedem Betrieb und zu der Zeit in der ich diese Welt erlebte, tobte sich die Generation Hitler Jugend gerade im mittleren Management aus, sie waren vom Moped abgestiegen und fuhren nun VW.

Ihre Heimatorte waren eigentlich ganz woanders, es war die Generation auf der Suche nach ihrer Heimat, in solchen Betrieben fand man mehr als 40% von Flüchtlingen und Vertrieben.

In den oberen Etagen saßen jene Jahrgänge, die den Krieg vom ersten bis zum letzten Tag erlebten, auch dort lag eine gewisse Spannung zu der kommenden Generation im Raum.

Wahrhaftig hatten die andere Interessen und auch Themen, mit Gleichaltrigen fand ich zunächst fast keinen Kontakt.

Die ersten Wochen empfand ich fast grausam, denn mir fehlte die aufgelockerten Stunden im Plenum des Studentenhauses, die Themen die Gleichaltrige in den Betrieben hatten, waren nicht meine.

Man glaubte einerseits an sich was man tat, gab sich aber dem Konsum hin.

Etwas anders war für mich mein Mentor, erstens zeigte der sein Interesse und zudem bereitete er mich vor auf das mich erwartete.

Ich musste zunächst eine vorhandene Spannung auflösen und dann um das Vertrauen werben mittels der Mitarbeit.

Innerhalb des Betriebes sich in den Ablauf einbringen, mitunter entwickelt sich dabei ein neuer Rhythmus, der wiederum Freiräume bietet.

Nach einiger Zeit hatte ich diese Freiräume für mich erkannt, ich nutzte sie und damit war ich eigentlich über den Berg, man schätzte mich plötzlich.

Das hatte Folgen, denn ich war nicht mehr so behaftet von einem Praktikum was mir zunächst fremd war.

Zudem hatte ich ein Zeitkonto und belegte im Studium Seminare und ging sogar einmal in Klausur.

Es tat sich etwas am Horizont auf, was mir bisher auch verborgen war, es waren die Gastarbeiter.

Darüber sprach man zuvor kaum im Studium und nun sah ich sie in der Welt der Arbeit.

Mit ihnen ins Gespräch kommen war für etliche eigentlich noch ein Tabu, man sah in ihnen einen Arbeiter im Durchgangsexpress.

Ich versuchte es und eine ganz andere Welt wurde mir geöffnet, verstanden habe ich zwar nicht allzu viel von ihren Problemen nur mich interessierten diese Menschen.

Andererseits gab es dort Lehrlinge von Spätaussiedlern, denen musste ich bei der Führung ihrer Wochenberichtshefte helfen.

Das ging so weit, dass ich diese wiederum im Namen der Firma unterschreiben sollte.

Das tat ich zunächst gerne, stellte mir dann aber die Frage, nach der hochgelobten dualen Ausbildung, gab es hier die entsprechende Weiterbildung und welche Chancen hatte eigentlich wer?

Den ersten Gastarbeitern gab man überhaupt keine Chance, man übernahm zwar fast alle Lehrlinge nur beschäftigte man die dann meistens mit Nebenarbeiten.

All das verfasste ich in den Bericht für den Fachbereich, Teile davon die weniger kritisch waren besprach ich zuvor mit dem Mentor der Firma.

Der allerdings wusste genau, worüber ich mir meine Gedanken machte, hier fehlte der Blick über den Gartenzaun, in der Welt der Steuerungstechnik die sich am Horizont bereits offenbarte war Englisch als die Arbeitssprache erforderlich.

In der Studentenbude hatte das Plenum ein Rezept entwickelt, jeder der dazu gehörte hatte eine Vertrauensperson, die in Abwesenheit die Post öffnete und zu einem Zeitpunkt das telefonisch durchgab.

Es war auch so bei mir, die Vertrauensperson konnte man sich auswählen.

Die Belegung der Zimmer allerdings nicht, da gab es nur Benutzerverträge und das sind wiederum keine Mietsverträge.

In der Regel kam ein Erstsemester in ein Zimmer mit einem höheren Semester, man wollte damit erreichen dass Erstsemester sich im Wald vor lauter Bäume sich nicht verwirrten.

An einem Donnerstagsmittag wollten mich Mitglieder des Fachbereichs beehren, das ist allgemein positiv.

Das Gegenteil davon ist, man wird einbestellt und das kann stets negative Folgen haben.

Ich war mir also sicher, hier liegt ein Interesse vor und täuschte mich nicht.

Damals führten wir in der Regel noch Studienbücher, wahrhaftig hatte ich mit meinen Manuskripten das erreicht was mir zuvor wie eine steile Wand vorkam.

Ich war im Besitz von abgestempelten Modul- Leistungsnachweisen, besser hätte der Tag nicht laufen können.

Der eigentlich für mich schwierige Teil war erledigt, den Rest der Module wollte ich so schnell wie möglich hinter mich bringen.

Dabei fiel mir auf, welches Glück ich eigentlich hatte, der Benutzervertrag für die Studentenunterkunft lief eigentlich nur über 2 Jahre, daher ich aber vor einem Jahr in den kleineren Teil des Zimmers zog, verlängerte der sich wiederum.

Im Gegensatz zu mir hatte meine ältere Cousine einen Schlafplatz für Teamarbeit in den höheren Semestern, das waren jene Wohnräume im Dachgeschoss wo eigentlich stets ein Kommen und Gehen war.

Die erschien auch noch an dem Nachmittag und quartierte sich bei mir ein, war hoch erfreut und müsste die in Reinschrift verfasste Arbeit binden.

Beschlagnahmte zuvor mein Bett und schlief ein, es galt die Hausregel in einem Zweibettzimmer ist das Bett deines Zimmerbewohners tabu.

In den oberen Geschossen war das etwas anders, hier hatte man die Geschlechtertrennung grundsätzlich aufgehoben.

Dafür gab es einen treffenden Grund, die jungen Frauen waren Respektpersonen – denn zuvor waren in einigen Männern Wohnräume der Alkohol mehr geflossen als genossen.

Das Problem hatte man fein gelöst, denn welcher junge Mann möchte betrunken einer jungen Frau gegenüber stehen?

Ich hatte nun ein anderes Problem, das Bett war besetzt.

Die Nacht verbrachte ich im Schlafsack vor dem Bett, um 4 Uhr früh hielt ich ihre Hand und wir redeten.

Das waren die Stunden zur Aufbereitung unserer eigenen Vergangenheit und sie war fast am Ziel.

ch hatte wieder mal eine neue Erkenntnis gewonnen, eigentlich kannte ich meine eigene Verwandtschaft nicht – nur was das nicht das Thema.

Das Thema sollte meine weitere Zukunft sein und ich sollte wohlgemerkt die anstehenden Semesterferien für den Rest des Praktikums nutzen und mich danach konzentrieren.

Im September hätte sie dann noch etwas mit mir vor, das war der September des Jahres 1970.

Zunächst aber galt es hier Abschied zu nehmen, 10 Wochen weg und dann die Kontakte knüpfen wie es weiter geht. Im Betrieb sagen, geschafft und mein Ende einläuten.

Das Ende war wiederum ganz anders als ich dachte, mir gegenüber saßen die beiden Prokuristen und neben mir der Mentor.

An einen Satz kann ich mich noch erinnern, die fragten mich „ wann ich dort wieder anfangen möchte?“

Das traf mich allerdings unvorbereitet, denn am Abend wollte ich mich noch bei der AWO bewerben.

 

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