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Teil 83 "Eine Zwischenbilanz"

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Was mir in Erinnerung blieb war welche Lawine wir ungewollt lostraten, dabei war die andere Gruppe die sich mit dem Europakanal zwischen der Donau und dem Main beschäftigte die eigentlich aktivere geworden.

Man besetzte hier das Feld der politischen Ökonomie und rechnete einiges gegen, ob sich eine Wasserstraße dieser Größe überhaupt lohnen würde für eine Region ohne eigene Schwerlasten und woher überhaupt die Binnenschiffe kommen würden, die Nürnberg oder Erlangen anlaufen ?

Was dieser Strich in der Landschaft, der auch einer Breite bis zu 400 Meter sich vom Main zur Donau zog, dieses überhaupt wert, dass man Teile der Landschaft billigend industrialisierte?

Es vollzog sich der Grundgedanke der Bayrischen Konservativen, ein Flächenland bleiben und die Verstädterung weiter zu betreiben ohne dabei überhaupt Alternativen zu beachten.

Die Verstädterung der Region riss Orte auseinander, man ringt erst später um die Teile der Infrastruktur, eigentlich das Kennzeichen einer CSU Landespolitik, man verlagert das Problem auf die Kommunen.

Man machte in München im Jahre 1972 den Anrainer- Kommunen dieses Mamut Bauwerkes Hoffnung auf bessere Tage, dazu benutzte man die EU Mittel und nahm den Bund als ökonomische Geißel.

Wobei eigentlich auch diese Kanalplanung bereits vor mehr als 100 Jahren der Traum der Bayern Könige war, der erste Kanal der den Main mit der Donau verband war ein reiner Treidelkanal und trug den Namen des Königs.

Allerdings zu einer Zeit in der sich die Donau- Monarchie fast bis ans Donaudelta ausgebreitet hatte.

Danach wurde es ruhiger unter den Planer, denn dieser König Luitpold Kanal schlief vor sich hin, man hatte andere Pläne und ein tollkühner war der Kanal von Oberschlesien zur Moldau und bei Linz in die Donau zu münden, der weitere Bauabschnitt war der Rhein- Main- Donau Kanal.

Der erste Teil dieser Planung ging nach 1945 politisch nicht mehr, wobei man technisch das Riesengebirge untertunneln wollte.

Der Unsinn blieb den Menschen erspart, das andere Projekt allerdings setzte man um.

Eine entscheidende Frage stand nach wie vor im Raum, wieweit ist flussaufwärts die Donau schiffbar und was zerstört man mit einer Ausbaggerung?

Flussaufwärts musste man, sonst wäre dieser Kanal nur die Rangierstrecke der Donauschiffe geworden, die Passau anliefen. Andererseits wäre Regensburg der Umschlagplatz geworden, dann wäre man mit Logik an das Projekt gegangen.

Diese Logik fehlte aber, Regensburg der Umschlagplatz von der Schiene und Straße auf die Binnenschiffe. Welche Ziele hätten diese Binnenschiffe?

Ein Teil ging in Richtung Norden, das Zwischenziel wäre der Großraum Frankfurt gewesen, tatsächlich gingen aber Güter von Regensburg überwiegend in Richtung Westen.

Die Achse, Ingolstadt, München, Augsburg und Stuttgart und diese bediente die Wasserstraße nicht.

Welche Güter gingen flussabwärts, welche Lastschiffe passieren die Donau in Richtung Linz?

Das war ein Bruchteil von den Gütern die über die Straße in den Westen geht und zudem welche Ladungen erreichte Regensburg von der Mündung der Donau?

Gab es dort eine Vielzahl von Frachtschiffen, die die Donau aufwärts fuhren und durch den Kanal zum Rhein wollten oder Binnenschiffe aus den Niederlanden die Belgrad als Zielhafen hatten?

Es war ein gewaltiges ABM Projekt der Bayrischen Staatsregierung um damit etwas zu bewegen was sich nicht rechnen ließ.

Mit solchen Argumenten macht man sich keine Freunde und erst gar nicht im verkrustetem Bayern, somit wurde unser Verhältnis hart aber herzlich- denn der Freistaat musste das Projekt ja irgendwann einmal wirtschaftlich betreiben und träumte weiterhin vom Panama- Kanal.

Was uns betraf, war die reine und durchaus flache Massenproduktion die nur funktioniert mit dem Wind in den Segeln.

Diese in Bayerns Regionen damals so typische Art, war für etliche Zeitgenossen eigentlich der Zweitjob, das betraf nicht nur die Montage von Fernsehgeräten sondern zog sich wie ein roter Faden von Süd nach Nord entlang des Bayrischen Waldes.

Dort sammelte man Arbeitskräfte bei Bedarf ein, um das einmal zu erläutern fuhren wir kurz nach 16 Uhr den Zubringer von Fürth in Richtung Erlangen und weiter auf der Autobahn in Richtung Würzburg, noch vor Hammelburg überholten wir die letzten Werksbusse von Schickedanz und Grundig.

Andersherum müssen diese Arbeitnehmer des Morgens um 4 Uhr 30 im Bus Platz genommen haben um gegen 6 Uhr 30 im Werk gewesen zu sein, dann konnten sie am Abend wieder gegen 19 Uhr Daheim gewesen sein.

Das bezeichnet man als den Missklang im Ablauf, eine Folge der Zentralisierung durch die Massenproduktion.

Ein Teil der Arbeitnehmer im östlichen Bayern wurde zu einer Feierabendgesellschaft im Werksbusverkehr um am Wohlstand teilnehmen zu können, den Preis den man dafür zahlte verringerte die eigene Lebensqualität.

Auch das schlug ein, denn in dieser Form hatte es noch keiner zuvor beschrieben.

 

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