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Teil 86 "Projekte im Jahr 1972"

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Je tiefer wir uns mit dem Thema der projektbezogenen Arbeit beschäftigten kamen auch wir zum Punkt der Abhängigkeit.

Eigentlich gab es die klassische projektbezogene Arbeit immer schon, die Brücke über die Drina wäre nicht gebaut worden, wenn der Sultan nicht dieses Projekt als sein Mittel für die Macht sah.

Damals bereits war das Projekt das Ziel, koste was es wolle und mancher Baumeister erlebte nicht sein Bauwerk.

Ein Projekt innerhalb der Arbeitswissenschaft ist stets die Sammlung von Detail, die in sich wiederum ein Projekt sind.

Die dehnen sich auf der Zeitachse aus und können sich überlappen, binden zudem Tätigkeiten.

Diese Tätigkeiten sind unmittelbar mit dem Faktor menschlicher Arbeit verbunden, allerdings nicht mehr am Unternehmen bindend sondern am Projekt.

Um das einmal zu erläutern muss man folgendes heraus stellen, ab dem Jahre 1960 entwickelte sich eine andere Arbeitskultur in Deutschland, die sich nicht mehr einbinden ließ und sich innerhalb von einem Jahrzehnt von der konstanten Beziehung zum Arbeitgeber entfernte.

Bereits früh zu den Kirchentagen wurden Projektträger installiert, Deutschland im Jahre 1972 erlebte die Blütezeit von Projekten.

Was mehr oder minder mit den Olympischen Spielen zusammenhing, was sich hier im Vorfeld als nützlich herausstellte verselbstständigte sich und brachte bis dahin unbekannte Arbeitsverhältnisse an den Tag.

Man sollte eins wissen, für einen Projektträger spielt die Entscheidungsphase die wesentliche Rolle.

Mittlerweile wissen wir alle, in dieser Phase bedient man sich der vorhandenen Lobby.

Projektträger präsentieren sich und dabei spielt wiederum Geld keine Rolle, in Fachkreisen nennt man das „investieren in die Zukunft“.

Natürlich lässt sich vieles in diesem Staat ohne Projekte in der Hand eines Trägers wesentlich konkreter und wirksamer machen als wenn man manche starre und willkürlich agierende Stelle oder Behörde mit einbeziehen muss.

Der Berliner Großflughafen ist hierbei das Negativbeispiel, zum Thema „wenn sich das Projekt mit dem Träger verselbstständigt."

Das Ding in der Form und mit dem Ausschlag war uns allen allerdings 1972 kaum eingefallen, wir setzen immer eine unabhängige Kontrolle voraus.

Dass so etwas sich allerdings andeuten kann, erlebt man bereits nach dem Zuschlag innerhalb der Vorlaufphase.

Schon im Jahre 1972 waren nicht wenige der Meinung, in dieser Phase wirbt man irgendwo anderes erfahrene Manager brutal ab um sie temporär einzubringen.

Mit etwas Sachkenntnis und konstruktivem Geschick lässt sich aus dem Gesamtprojekt die Form einer Glocke skizzieren, die jeweiligen Tätigkeiten sind auf der Zeitachse X vermerkt, die Y Achse stellt das Arbeitsvolumen heraus.

Die erste Erkenntnis ist, jedes Projekt hat kein gleiches Arbeitsvolumen innerhalb des Verlaufes der Glockenkurve und damit wird die Arbeit zu einer dispositiven Größe. Innerhalb der Glocke entstehen die Parabeln, die sich durchaus zeitlich überlappen können.

Dafür gilt gleiches, aus den Planer wird kaum ein Konstrukteur und in der Prototypenphase sind Worker gefragt, erst beim Test- entfällt die Parabel- denn jeder Test wird ausgewertet.

Erst mit der Dokumentationspflicht werden Details und Kosten sichtbar, was danach folgt sind bekannte Operationen allerdings auf einer temporären Schiene.

1972 gab es eine Vielzahl von Großprojekten, nur hatte jedes Projekt nur eine geringe Kernmannschaft und genau hier setzten bereits die freien Mitarbeiter Akzente.

Innerhalb von Projekten gibt es die temporär wechselnde Belegschaft, dazu ein Beispiel- nimmt man den Wildwasser- Kanal von Augsburg und nimmt die Zahl der Beschäftigten von 1000 Mitarbeitern am Projekt, so waren das allerdings im Schnitt nur 750.

Die Frage, die sich für uns stellte: „Gibt es Perspektiven für projektbezogene Mitarbeiter, innerhalb des Projektes oder beim Projektträger?“

Damals gab es darauf zwei Antworten, werden Projekte innerhalb von Behörden und Großunternehmen durchgeführt, kann über das Projekt bis zu 15% der Mitarbeiter den Weg in eine Planstelle finden.

Gleichzeitig allerdings erfuhren wir, dass Großprojektträger kaum mehrere dieser Art betrieben, zwischen dem Projektende und dem Einstieg in ein neues Projekt vergingen mitunter Monate.

Das heißt, hier wird sicherlich nicht mit Geld gespart doch jeder der durch solch ein Projekt ging ist stets bemüht Anschluss zu finden.

Etwas was 1972 bereits in manchen Branchen normal war, hielt Einzug in ein produktives Neuland und brachte die Arbeitsbiografien von einigen kräftig durcheinander.

Was in der Film- und Fernsehproduktion mittlerweile Standard war, sich stets neu aufzustellen und im Projekt sich einbringen, bekam nun geöffnete Türen in fast allen Branchen.

 

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