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Teil 91 "Willy wählen"

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Dem vorgezogenen Bundestagswahlkampf unter dem Motto“ Willy wählen“ ging das konstruktive Mißtrauensvotum im Bundestag vom damaligen recht glücklosen Unionsfraktionsvorsitzenden Rainer Barzel voraus.

Barzel wiederum beerbte einige Jahre zuvor eine sich in der Gesellschaft dieser Republik teilweise ablehnenden CDU, die Mehrheitsverhältnisse im Bundestag lagen zunächst eindeutig auf eine sozialliberale Ausrichtung, im Land galten mittlerweile die linksliberalen Werte mehr als die nationalkonservativen, allerdings trugen einige FDP Abgeordnete diese neue Politik unter Willy Brandt nicht mit.

In dieser Phase gestärkt durch die nationalliberalen Überläufer sah sich Rainer Barzel veranlasst, den gewählten Kanzler zu stürzen, was bekanntlich für Barzel in die Hose ging.

Willy Brandt fasste danach den Entschluss mittels der Vertrauensfrage Neuwahlen zum Deutschen Bundestag vorzuziehen.

Dieser Wahlkampf verlief ganz anders, er lief in einer Atmosphäre die aus der Gesellschaft kam. In Nürnberg bedeutete das wiederum für uns, fast jeder von den Teilnehmern die ein Jahr zuvor zur Plakatgruppe von Klaus Staeck zählten fand sich wieder in der ESPEDE Wähler Initiative.

Es war schon einmalig, wenn man erlebt wie von außen Impulse in die Partei gegeben wird- das war damals ganz anders als heute, der Initiative hörten die Politiker zu.

Heute erzählen die Politiker von oben nach unten etwas, mitunter sogar mehr als man hören möchte und das Motto von heute bestimmen die gesetzten Methusalems, indem sie von sich geben „ man fällt Genossen nicht in den Rücken.“

Diese und andere durchaus negative Parteimaßnahmen und Delegiertenstrukturen waren in der Wähler- Initiative unbekannte Fremdwörter und trotzdem bildet sich hier eine Meinung.

Man nahm die Demokratie ernster als manche Parteifürsten es meinten und forderte damit einiges heraus.

Es ist nämlich ein demokratisches Recht, sich als Wähler außerhalb der Parteien zu formieren und somit Schnittstellen festzulegen.

Diese Schnittstellen lagen eindeutig im linksliberalen Lager und damit hatte man den Spalt in der Tür zum aufgeschlossenen Bürgertum geöffnet, Brandt hatte das verstanden- anderen in der Partei fehlte es allerdings noch an Überzeugung.

Ebenso eine interessante Feststellung, im Jahre 2015 will ein SPD Vorsitzender die Partei von seinen Ansichten überzeugen.

Das ist genau das politische Gegenteil von dem was im vorgezogenen Bundestagswahlkampf den Sieg bescherte.

Um das allerdings in einen Wahlkampf in die Tat umzusetzen benötigt man Themen, Zeit, Geduld und Mitstreiter.

Es waren Themen die die Gesellschaft berührten, Themen der Bildung, des Volksvermögens, der Teilnahme am Leben und der Ausbau der Demokratie in der Phase wo die Mitbestimmung am Arbeitsplatz zum Thema wurde.

Man ging hier bereits über die Ostpolitik hinaus und damit berührte man andere politische Sektoren.

Es waren nicht nur Gewerkschaftler, Schriftsteller und Künstler die sich um Günther Grass stellten, es war eigentlich der gesellschaftliche Durchschnitt der etwas zu sagen hatte.

Allein das machte diese Mitarbeit interessant, zuhören was andere zu sagen haben und sich nicht immer von anderen von oben herab etwas sagen lassen.

Daraus entstanden die ersten Flugblätter, Bürger aus einem Stadtteil trauten sich ihre Meinung zu verfassen, das war mitunter nicht immer pro aber auf ihre Fragen kamen Antworten.

In Nürnberg hatte damals Egon Lutz seinen Bundestagswahlkreis und er sah es als seine Pflicht an darauf öffentlich zu antworten.

Daraus ergab sich das weitere Flugblatt, diese muss man allerdings gezielt verteilen.

Der Wahlkampf mit der Streubüchse, den man heute Infostand in der Fußgängerzone nennt hatte damals einen anderen politischen Mehrwert.

An den wenigen Infoständen der ESPEDE an der Lorenzkirche in Nürnberg wurden von Bürgern gezielte Fragen gestellt nach den Flugblättern mit den Antworten.

Es war ein gesellschaftlicher Transformationsprozess entstanden, den wiederum Egon Lutz bestens verstand auszunutzen.

Es gab in diesem Wahlkampf kaum diese Politiker auf dem sog. hohen Ross, man wurde zwar stets von rechts angefeindet, meistens mit Themen von Gestern doch überwogen die Impulse die man setzte.

Mit Theorien von Gestern aus einer Politik von Vorgestern lassen sich keine gesellschaftlichen Mehrheiten erzielen, Demokratie heißt ein Gleicher unter Gleichen sein und mit den Menschen ins Gespräch finden.

Das war die Erkenntnis aus dem ESPEDE Wahlkampf im Jahr 1972, Günther Grass war bei uns in Nürnberg, Werner Liebrich der Fußballweltmeister von 1954 war ebenso dabei wie viele andere mehr.

 

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