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Teil 99 " Das Leben ging seinen Gang"

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Das Leben ging seinen Gang, ich mochte das Zimmer in dieser WG nicht mehr, kannte meine finanziell angespannte Lage und wollte doch so viel erreichen.

Zudem plante Balka ihren Abschied, sie wollte mit der Manufaktur auf Sommer Tournee gehen und hatte einen Vertrag von einer Landesbühne in Württemberg bereits unterschrieben.

Für mich ging das alles irgendwie zu langsam, eigentlich lag ich hervorragend im Zeitplan nur lief ich meistens einigen Dozenten hinterher um in das Gespräch zu kommen.

Was mich etwas quälte war die Teilnahme an einem kostenpflichtigen Seminar, denn eigentlich wollte ich das Geld nicht unnötig ausgeben, mir redete man aber gut zu- dieses zu machen.

Für mich war das eine Investition über den Tellerrand hinaus, denn das eigentliche Thema war vielleicht damals gerade in Mode-aber ebenso abstrakt. „Kybernetik und Management“

Da redeten mittlerweile fast alle von, nur wusste fast keiner was sich dahinter verbarg.

Einerseits war West- Berlin zu einem ökonomisch isolierten Experimentierfeld geworden, was man hier ausprobierte setzte man bei Erfolg im restlichen Bundesgebiet um.

Es sprudelten hier Ideen an der sog. Macherbörse und die nutzten fast alle Freiräume, innerhalb von Instituten und Organisationen wagte man etwas.

Man sah Teile der immer noch zentralisierten EDV als das Mittel zum Zweck an, womit ich wieder innerhalb der Projekte bin und da war der Berliner Senat in einer Vorreiterreihe.

Ein Projekt strahlte über Berlin hinaus und das war der neue und modernste Flughafen Europas in Tegel.

Mit dem Projekt Tegel beschäftigte man sich auf diesem Seminar, denn was hier modern war-entsprach der Kybernetik.

Das sechseckige Flughafengebäude, mit den Zubringerschläuchen wo die Fluggäste den kurzen Weg vom Fahrzeug bis zum Flugzeug hatten.

Es war der autogerechte Flughafen, zudem standen die Flugzeuge in Tegel nicht lange, meistens flogen hier Maschinen ab im innerdeutschen Flugverkehr.

Das funktionierte allerdings nicht so glatt wie geplant, denn zunächst dachten weder die Briten noch die Amerikaner an einen Umzug mit ihrer Flotte von Tempelhof nach Tegel.

Eine ganze Weile flogen ab Tegel die Franzosen alleine, es ging hier den Luftfahrtunternehmen um Lade- und Startgebühren.

Erst der Kompromiss mit Klaus Schütz ermöglichte den Umzug, nur welche Berliner flogen von Tegel?

Überwiegend jene in den frühen Morgenstunden, die den Flug nicht selber bezahlten und die landeten auch am Abend wieder in Tegel.

Mittlerweile gab es aber auch hier schon den Charter- Verkehr, nur die Luftfahrtkontrolle unterstand den 4 Mächten.

Im Schatten dessen hatte sich etwas entwickelt, die DDR hatte außerhalb der Stadtgrenze bei Schönefeld einen internationalen Flughafen eröffnet und unterbreitete westlichen Reiseveranstaltern Angebote über Flüge in Ferienregionen.

Man fand in Westkatalogen nicht nur Angebote nach Bulgarien und Rumänien ab SXF sondern auch anderen Mittelmeer- Anrainerstaaten.

Davon machten etliche Berliner Gebrauch, denn die Abfertigungshalle von Schönefeld lag noch nicht einmal 10 Minuten Busfahrt vom Grenzkontrollpunkt Rudow entfernt.

Es war also eine Situation entstanden, die eigentlich unerklärbar war, sicherlich reagierten Westberliner stets cooler wenn DDR Grenzangehörige sie kontrollierten und andererseits dachte man mitunter in Berlin noch gesamtdeutsch- nur fand man all das was sich im Ostteil der Stadt zutrug nicht gerade angenehm, doch diesen ökonomischen Pakt gönnte man sich.

Das waren nicht nur Gastarbeiter sondern das war der Durchschnitt, auch solche die nicht auf die Idee kamen mit den Reichsbahnzügen ab Bahnhof Zoo in den Wilden Westen zu fahren.

Die Antwort ließ nicht lange auf sich warten, damit waren wir im 2. Teil der Veranstaltung.

Die 3 Westmächte entdeckten den Charterverkehr, nicht nur zu den Urlaubsgebieten sondern boten auch Gastarbeiterflüge an und damit war Tegel aus dem Schneider.

Fazit: Mitunter bekommt ein Projekt ein Kontra.

Mir wurde das wiederum verständlich, es ging aber in Details- eine These steht über Allem, „wenn das Unternehmen keine Baustelle mehr ist- hat man es abgeschrieben.“

Was nichts anderes bedeutet, die Bewegung ist alles und innerhalb der Bewegung gibt es im Management keine Statik.

Das heißt, innerhalb von 5 bis 6 Jahren geht es in jedem Unternehmen an das Eingemachte, man krempelt den Laden um.

Mittels Beispiele konnte man das in Berlin beweisen, denn Berlin war anders strukturiert- die großen Unternehmen hatten hier nicht mehr ihre Hauptsitze.

Das bedeutete aber auch eine Flotation von projektorientierten oder leitenden Angestellten, das Spiel von Ebbe und Flut – in Berlin spülte man einige an Land und der Begriff „Abfindung“ war in gewissen Kreisen schon damals hier modern.

Was das mittlere und untere Management betraf, auch da war man sich einig- zwei sog. Erdbeben bestehen die immer aber bereits nach dem 3. wird die Luft dünn.

Demzufolge operierte man mit dem Begriff eines Dauerarbeitsplatzes mittlerweile hier vorsichtiger, unterschwellig erfuhr man – 10 bis 15 Jahre sind eine verdammt lange Zeit.

Ich greife mal dem Ablauf etwas vor, zunächst gelang es mir unmittelbar nach einem dieser Seminare eine zeitlich begrenzte Halbtagsstelle zu bekommen.

Was ich aber sagen wollte, diese Insellage Berlins wurde im Frühsommer des Jahres 1975 über Nacht eine ganz andere.

Zu dieser Zeit einige Tage vor der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus wurde der Berliner CDU Vorsitzende Peter Lorenz entführt.

All das danach unmittelbar passierte, wurde nicht im Schöneberger Rathaus entschieden sondern im Kanzleramt unter Helmut Schmidt in Bonn.

Bei der Lorenz- Entführung formierte sich die Bundesrepublik, in Berlin teste man- was sich dann ereignete- war der Austausch- wir erinnern uns alle noch an Heinrich Albertz den die Entführer als Sicherheitsgarantie mit an Bord haben wollten, glücklicherweise fand man Peter Lorenz unversehrt.

Nur aus diesen Vorgängen zog man in Bonn Lehren, der Staat lässt sich nicht erpressen, das war eine dieser Lehren.

Eine andere war, man konnte Berlin nicht mehr isoliert betrachten- das dauerte aber noch bis das auch der letzte Hinterbänkler kapierte.

 

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