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Teil 107 " Es war nur einfach anders"

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Es wäre dann der Zeit, dass ich mich einmal an die heute 20 bis 30.jährigen zu wende und denen sage, damals zu meinen Zeiten als ich so jung war „viel besser war es auch nicht“.

Nur es war anderes und mitunter härter, wir mussten uns auch beweisen und was man heute nebenbei erledigt bereitete uns Probleme.

Allerdings scheuten wir uns nicht vor den Problemen und wichen auch Auseinandersetzungen mit wem auch immer, nicht aus.

Wir waren auch auf der Suche nach Vorbildern und genau das war mitunter vergeblich, doch wir hatten einen Willen.

Unser Wille basierte auf der Erkenntnis, dass Wissen Macht bedeutet. Wir wollten mehr wissen und unser Wissen einsetzen, dazu mussten wir vielmehr Lesen.

Für uns galt „lesen bildet“ und das taten wir- dabei wussten wir zu unterscheiden.

Nur wer über ein Wissen verfügt kann manches früher erkennen, wir kannten auch unsere Lage und die unterscheidet sich ganz gewaltig von der Lage in der heute die jüngere Generation sich befindet.

Ökonomisch verglich man uns immer mit dem Teil des Bürgertums was in jungen Jahren einen Beruf erlernt hatte und dabei schnitten wir schlecht ab.

Das hielt uns aber nicht davon ab, ein anderes und konstruktiveres Leben zu erlernen.

Unser Leben unterschied sich gewaltig vom Leben was unsere Eltern in jenen Jahren führten.

Wir hatten durchaus keine Sicherheiten, denn nur wenige von uns hatten reiche Eltern.

Für uns galt die eigene Zufriedenheit mehr als der Anspruch einmal zur Elite zu gehören.

Wir waren durchaus nach unserer Ausbildung verschuldet, nur damit konnte man überhaupt etwas erreichen, wir waren uns aber nicht einer Schuld bewusst.

Wir wussten damals schon, den Traumjob werden wir auf Anhieb nie finden, wir wussten vom Tal der Tränen was wir nach dem Abschluss durchqueren mussten und wagten trotzdem Europa mit der Bahn und Rucksack für 28 DM zu erkunden.

Es gab in jenen Zeiten wenige unter uns, die sich mittels eines Praktikums ins Berufsleben einschleusten.

Ein jeder von uns hat sicherlich 30 Bewerbungen geschrieben, fein säuberlich von Hand, unsere Handschrift war unsere Visitenkarte und auf viele von diesen Bewerbungen kam nie eine Antwort.

Von 30 Bewerbungen antworteten uns nach 3 Wochen max. 6 Partner und schon damals stellten wir fest, für 50% von denen waren wir entweder über- oder unterqualifiziert.

Nur schafften wir es mit einigen ins Gespräch zu kommen, ohne jene Arbeitsbeschaffungstests der Jetztzeit mit Fragen, wie sich die Sonne um die Erde dreht.

Damals gab es auch schon Weisheits- Apostel unter den Arbeitgebern, ebenso Scheinheilige und die sog. Oberammergauner, wir wussten auch nicht alles zuvor.

Man ging auch damals mitunter manchen auf den Leim, deshalb wechselten auch einige nach mehr als 1 Jahr nicht nur ihr Aufgabengebiet sondern auch den Arbeitgeber.

Wir wussten Gehalt, Freizeit und Vergütungen zu unterscheiden und hatten keine Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes, es galten Regeln die zu unserem Vorteil waren.

Wir wussten ebenso unsere Hausbank zu schätzen, uns räumte man einen Dispokredit auf das Gehaltskonto ein.

Wir vertrauten unseren Banker, unser Ziel war es nach wenigen Jahren mittels des Kaufs von Bundesschatzbriefen in eine ganz andere Welt eintauchen zu wollen, denn die Banken gewährten uns noch Zinsen.

Wir machten mit in Deutschlands Lieblingsanlagen, schon früh schlossen wir eine Kapitallebensversicherung ab.

Wir machten uns keine Sorgen um unsere Renten, für uns galt die Formel- das werden ca. 70% des letzten Nettogehaltes sein.

Unser Nettogehalt war monatlich fast gleich, erst langsam kam das zusätzliche Urlaubsgeld.

Mit dem zusätzlichen Urlaubsgeld veränderten wir nicht unsere Gewohnheiten, denn wir lebten am Ort und unsere Wohnungen waren anders, wir hatten mehr Bücher und Schallplatten als Schränke.

Wir schufen und konnten etwas schaffen, wollten zunächst andere Städte sehen und dann erst den Strand von Magaluf.

Unsere Arbeitsplätze waren auch nicht immer sicher, nur fanden einen Anschluss- wir konnten uns sogar gehaltsmäßig steigern und wir konnten uns weiterbilden.

 

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