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Teil 121 "Die Ellenbogengesellschaft entsteht"

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Diesen Aufbruch in die Ellenbogengesellschaft erlebte ich unmittelbar vor Ort und auch anderswo.

In dieser Zeit ging ich meiner Beschäftigung im Berliner Bezirk Kreuzberg nach und regelmäßig fanden hier Demonstrationen zu gewissen Anlässen statt.

Mir fiel sofort auf, damals auf den Demos zu Ostern und gegen die Fahrpreiserhöhungen der Nahverkehrsunternehmen waren wir nicht nur lockerer, sondern wir versuchten in einen Dialog mit anderen zu kommen.

Hier herrschte genau das Gegenteil dessen, fragte man die Demonstranten um was es gehen würde, war man bereits ihr Feind.

Kreuzbergs Demonstranten entwickelten ihre Art der Ellenbogengesellschaft und grenzten sich ab, das steigerte sich, denn die in der Stadt allgegenwärtige Springerpresse schürte andererseits nahezu das Feindbild.

Man war mitunter von Feinden umgeben, das mussten jene erst lernen, die stets mit einem Anliegen zur Demonstration gingen.

Welches Anliegen hatte eigentlich wer und wer vermittelte es wen?

Mitunter wurde es einem zu viel, fand irgendwo eine Demo statt, machte man um diese einen großen Bogen, was durchaus manchmal nicht richtig war.

Es gab wahrhaftig den andere, die sich des Problems annahmen und zum Dialog bereit waren.

Es gab sie, diese Veranstaltungen unter dem Dach der Kirche und federführend wurde dabei die Kirche zum Heiligen Kreuz.

Dort stellte man sich sogar der eigenen Vergangenheit, denn auch die Kirche unter dem Hakenkreuz knechtete Fremdarbeiter aus und das waren jene die nach den Bombennächten Gräber für die Opfer auf den Friedhöfen entlang der Hermannstraße ausgraben mussten.

Jahre danach ist es dieser Kirchengemeinde gelungen einen Fremdarbeiter von damals eine Entschädigung zu zahlen.

Es war ein junger Russe und der hatte zu dieser Zeit sogar Tagebuch geführt.

Ansonsten schwieg man, dort wo die Demos der K-Gruppen militant waren, unweit des alten Görlitzer Bahnhofs vor dem Spreewaldplatz stand noch als Ruine der Eingangsbereich des alten Bahnhofs.

Keiner von diesen aufgebrachten Demonstranten wusste, das war der Bahnhof an dem die Schanghai Juden zurück kehrten im Jahre 1946.

Natürlich war diese Ellenbogengesellschaft nicht nur unter diesen Kreuzberger Demonstranten zu erkennen, der Zug dorthin machte keinen Halt auch zu den Freunden von Gestern.

Welche Rolle in dem Leben von morgen spielen die Freunde von gestern?

Manchmal ist der Wandel der Menschen seltsam und nicht immer erklärbar, man sollte sich also Zeit nehmen sich der Freunde von Gestern anzunehmen.

Dabei macht man Entdeckungen, denn man wandelt sich auch im Laufe der Zeit, ohne dass man es bemerkt wird man zum angepassten Zeitgenossen.

Opfert nun der angepasste Zeitgenosse etwas von seinem eigenen Weg oder ist das der Kompromiss zum Erfolg?

Lassen wir nun einmal, alle politischen Theorien außer Acht, konzentrieren wir uns einmal mehr auf den Menschen.

Eigentlich ist es doch egal in welchem politischen System der Mensch wohnt, er möchte den Erfolg haben.

Ein typisches Beispiel dazu lieferte mein Beinah-Onkel, der wohlweißlich erste ernsthafte Verehrer meiner Tante, das war der Prototyp einer SED Karriere geworden.

Sagen wir es anders herum, vielleicht wider Willen aber machte daraus das Beste für sich.

Das hatte ich wiederum auch nicht sofort verstanden, kam aber in eine Situation die mich nachdenklich machte.

An einem Samstag besuchte ich den einmal in Friedrichshain und da gab es irgendetwas was als Bauholz auf der Straße lag und in den Keller musste.

Allzeit bereit, ich war dabei und dabei lernte ich einen fast Gleichaltrigen kennen.

Der wohnte nun im Ostteil, was der erzählte- ich weiß es nicht mehr und konnte mir auch kaum einen Reim darauf machen.

edenfalls saßen wir zur Sportschau West vor dem Fernseher im Osten, da erzählte er mir etwas mehr über diesen besagten Onkel von mir.

Wie er als Grepo überhaupt an diese Wohnung kam und welche Rolle dabei der spielte, seine Frau sah mich dabei stets mit großen Augen an.

Bis ich ihm sagte, hier sind 5 Mark und gehe in die nächste Kneipe Bier holen.

Da zuckte der, erzählte mir was von Weihnachten und der Westmark, her damit, sprach ich und gab ihm den Zehner mit der Gorch Fock- dann ist jetzt auch noch Ostern.

Das Bier tranken wir und ich sagte ihm, dass was du mir erzählst glaubt mir mein alter Herr im Wilden Westen überhaupt nicht.

 

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