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Kinder - Die Indianerreservate werden immer kleiner

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Was ist los mit unseren Kindern?

Eine solche Überschrift ersparen wir uns dieses Mal.

Denn besorgte Aufsätze, Bücher und Studien über die Kinder der „Jetztzeit“ gibt es wahrlich genug und zwar schon seit mindestens fünfzig Jahren.

Kinder sind immer ein Spiegel der Gesellschaft und zugleich zeitlos in ihren Verhaltensweisen.

Die Eltern, Lehrer, Juristen, Journalisten und Politiker der jeweiligen Kindergeneration äußern sich somit stereotyp und zugleich im Trend der jeweiligen Epoche über die junge Generation.

Besorgnis gab es immer von der Besorgnis über „verdorbene“ Kinder, die zu früh mit den Lastern des Erwachsenenlebens, den Süchten, der Sexualität und der Gewalt konfrontiert wurden, bis hin zu den heutigen digital Natives, die im Alter von 5 Jahren schon vor dem Bildschirm sitzen.

Die Besorgnis über die Kinder, aber auch die bittere Erkenntnis, die eigenen Schwächen nicht von den Kindern fernhalten zu können, gab es auch schon immer und natürlich die Ideale, insbesondere zu Zeiten der Kulturrevolution in den sechziger und siebziger Jahren, die natürlich überwiegend auf die Kleinen projiziert wurden, weil die ja noch lernen können, bessere Menschen zu sein.

Selten wurde dabei über den Kultursprung nachgedacht, den ein Kind von der Wiege bis zur Volljährigkeit zu vollziehen hat und all die Widersprüche, die es auf diesem Weg zu integrieren gilt.

Mein Sohn, den ich gestern heftig zur Ordnung gerufen habe, weil er während unserer Fahrradtour auf der Straße die Spur nicht gehalten hat und sich damit gefährdete, hat mir meinen barschen Ton vorgehalten. „Ich soll nicht schreien und fluchten, aber Du machst es – was für ein Vorbild!“

Zu erkennen, dass die Eltern selbst alles andere als vollkommen sind und trotzdem ihren Idealen nachzueifern, dazu gehört schon etwas.

Das schlimmste aber, ist wohl, wenn man Kindern zu wenig Reibungsfläche bietet, sich nicht mit ihnen auseinandersetzt, sondern vor dem Bildschirm oder im Kinderzimmer allein lässt.

Das verzeihen sie am wenigsten. Kinder brauchen die unvollkommenen Erwachsenen, um sich mit der Welt anzufüllen, in der sie später eigenständig leben sollen.

Solange die Welt widersprüchlich ist, brauchen sie auch widersprüchliche Erwartungen und sie brauchen Freiheit, darauf zu reagieren und Gleichgesinnte, andere Kinder, die ihr Dilemma, aber auch ihre Freude und die Erfolge teilen.

Kinder und Eltern, das geht nur begrenzt zusammen

Kinder und Eltern, das geht nur begrenzt zusammen.

Wer der Meinung ist, ein Kind für das Leben definieren zu können, liegt ebenso daneben, wie jemand, der alles einfach laufen lässt.

Vom Kindergarten an, haben sie ihre eigene Sphäre und dazu gehören auch die anderen Gleichaltrigen, Älteren und Jüngeren.

Genau dieses Angebot schrumpft aber in unserer Gesellschaft und das sollte uns nachdenklich machen.

Es wird schwieriger für die Kinder ihren Rahmen selbst zu gestalten.

Sie gehen nicht mehr einfach spielen, in den Großstädten schon lange nicht mehr, aber auch auf dem Land wird das Angebot an einfach verfügbaren Spielkameraden knapp.

Kinder sind inzwischen keine Selbstverständlichkeit mehr, oft muss man heute weit fahren, um den nächsten gleichaltrigen Leidensgenossen zu finden.

Oft stehen umständliche Eltern im Weg, die ihren Schützlingen nicht so gern Ausflüge auf eigene Faust gestatten.

Die Welt ist ja so gefährlich geworden.

Ist sie?

Oder sind Kinder ein rares Gut, das man stärker pflegt und behütet als früher?

Aber es ist nicht nur eine Frage des Angebotes an Spielkameraden zum freien und nicht vorstrukturierten Gestalten der Zeit.

Es ist auch das Konkurrenzangebot, von Schule, Hort, Verein und Medien.

In erster Linie das Fernsehen, aber eben auch das Internet und der Computer.

Es ist, so absurd es klingt, das Diktat der sinnvollen Beschäftigung, das in Schule und Hort, in Kindergarten und Verein die Meinungshegemonie anführt.

Damit sind ausschließlich Aktivitäten gemeint, welche die Erwachsenen für sinnvoll erachten und den Kindern mehr oder weniger diktieren. Bei unseren Kindern ist mir aufgefallen, dass sie hinterher froh sind, sich einfach nur vor die Glotze zu setzen und den größten Unsinn zu konsumieren, je schräger desto besser.

Auch reagieren sie sich gern mit Videospielen ab, nur um irgendetwas Sinnloses zu tun, das im weitesten Sinne nach Selbstbestimmung riecht.

Das ist ein Problem!

Je weniger Kinder und je mehr Erwachsene, desto höher der Druck, der von dieser unseligen Mehrheit ausgeübt wird.

Die Indianer-Reservate für Kinder werden immer kleiner.

Die Besorgnis über „auffällige“ Kinder, die immer wieder durch die Presse geht, durch Skandale aufgefüttert und durch pädagogische Bestseller unterfüttert wird, hat etwas von dieser Besorgnis, die man in Amerika über die Indianer-Reservate äußerte, wo Alkoholismus, Gewalt und Depression herrschte.

Woran das wohl liegt?

Wir machen einen gewaltigen Fehler!

Wir haben aufgehört, Kinder als Selbstverständlichkeit zu betrachten und sie gleichzeitig zu einer bedrohten Minderheit gemacht.

Das hat etwas mit unserem Egoismus zu tun, aber auch mit den wirtschaftlichen Abhängigkeiten in denen wir uns befinden.

Das oberste Dogma ist eben nicht mehr die Familie, sondern die Verfügbarkeit für den Arbeitsmarkt.

Damit haben wir uns eine Fallgrube ausgehoben, in welche zuerst unsere Kinder fallen, schließlich aber wir alle.

Der Sinn der Gesellschaft sind nämlich die Kinder und nicht das ökonomische Wachstum.

Der Nihilismus, der in der Umkehrung dieser Reihenfolge steckt, ist überall spürbar und der Fatalismus, der sich in diesem Gesellschaftsbild der negativen Bevölkerungsentwicklung gegenüber entwickelt hat, wird durch den „schönen neuen Menschen“ mit allseitiger ökonomischer Verwertbarkeit, den ich nirgendwo finden kann, kaum nach kaschiert.

Am Samstag hatte ich schlechte Laune. Meine Klinik hatte zu einem Gesundheitstag eingeladen, bei dem wir mit unserer ganzen Familie kommen sollten.

Vorgesehen war eine Fahrradtour von dreißig Kilometern mit leichtem sportlichen „Workout“ während der Pausen, unter Anleitung eines Fitnesstrainers, gemeinsamen Grillbüffet und anschließenden Yogaübungen.

Anwesend waren dann überwiegend Leute zwischen fünfzig und sechzig, die sich fit halten wollten. Die Kinder waren eine verschwindende Minderheit.

Wen wundert es?

Meine Kinder jedenfalls würden so ein Programm niemals durchhalten und ich wollte ihnen auch nicht den Tag verderben.

Stattdessen sind wir auf eigene Faust unterwegs gewesen, haben dann unseren üblichen Familienstress genossen und uns davon beim Grillbüffet der Klinik erholt.

Viel interessanter für das Programm war für die Kinder, die Klinik zu sehen in der ich arbeite. Da gab es viele Fragen und reichlich Neugier.

Vor dem Sportprogramm Teil II sind wird aber wieder gegangen. Zu professionell. Kinder wollen Freizeit und Freizeit hat etwas mit Freiheit zu tun und eben nicht mit Überforderung.

Dieser Artikel kann auf meiner Seite presselinks.gedaechtnisbuero.de diskutiert werden.

http://presselinks.gedaechtnisbuero.de/kinder-die-indianerreservate-werden-immer-kleiner/

 

 

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