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Teil 155 "Heinz Nixdorf"

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Mich selber betraf das alles in diesen Jahren nur unmittelbar, allerdings bemerkte man eine nicht unübersehbare Fixierung.

Man wollte auch unter meinen Bekannten mitspielen in einem Orchester was auf andere Bühnen auftrat.

Berlin in diesen Jahren benötigte eine Inszenierung, zunächst galt es ein Image abzulegen- eine Stadt zu sein- die 2 Jahrzehnte hinter der Entwicklung der restlichen Bundesrepublik hinter her hinkt.

Sagen es so deutlich einmal, etwas weg vom Glimmer des Kurfürstendammes gab es auch noch immer im angeblich vornehmen Charlottenburg diese Schmuddel Ecken.

Irgendwo anderes protzte man bereits, das ICC stand für alles Mögliche bereit.

Bisher war es allerdings dem Diepgen Senat nicht gelungen, den wirtschaftlichen Abwärtstrend der Stadt zu stoppen.

Es gingen immer noch mehr Industriearbeitsplätze verloren als man anderswo welche mit etlichen Steuergeldern finanzierte.

Man nannte den Regierenden Bürgermeister Eberhard Diepgen, „ den blassen Eberhard“, dem allerdings fiel etwas unerwartet in den Schoß.

Man konnte endlich wieder großflächig planen, Berlin hielt den Zuschlag zur BUGA 1985.

Es war nicht nur die BUGA sondern all das was hier geprobt wurde, wurde zur Generalprobe für die 750 Jahrfeier der Stadt.

Nach dem Motto, koste was es wolle, es ist ja nicht unser Geld.

Damit machte sich der Diepgen Senat seine Freunde, nun muss man wissen wer eigentlich all die Nutznießer waren.

Nicht nur die Offiziellen, sondern all die Trittbrettfahrer, wobei es unter denen nicht nur die gibt- die damit es verdienen möchten.

In Berlin kam noch ein Superschlauer hinzu, davon hatte man bereits in Berlin schon einige und die wiederum versuchten den CDU Senat vor sich herzuschieben.

Immer zum Wohle der Stadt, man wollte das Image aufbessern, denn man erwartete Gäste zu den Großveranstaltungen.

Die wiederum waren über einige Monate geplant, man lernte auch hier sehr schnell dazu.

Manches war allerdings kaum für eine Dauer angelegt, wer redet heute noch vom BLUB, das konnte danach der Steuerzahler sanieren.

Man wollte etwas vorweisen und das sollte nicht nur Kulisse sein, man hatte sogar einen Unternehmer gefunden, der sein Markenzeichen am Moritzplatz in Kreuzberg hinterließ.

Den hieß man ein paar Jahre hier jubelnd willkommen, heute weiß man es, man kaufte hier eine Katze im Sack und diese Katze entwickelte sich zu einem Tiger.

Der Tiger hatte eine Namen und der hieß, „Zuwachs“- Zuwachs- Heinz aus dem ostwestfälischen Paderborn.

Der Mann, der bereits Jahre zuvor stets der Landesregierung in Düsseldorf drohte seinen Firmensitz zu verlagern, wenn nicht der Autobahnanschluss Paderborn erfolgen würde, wenn nicht endlich der Flughafen Paderborn/Lippstadt gebaut würde usw.

Von diesem Heinz Nixdorf wusste man bereits, dass er mitunter mehr Mitarbeiter entließ als er andererseits einstellte.

Zuwachs- Heinz wollte im Konzert der Weltspitze spielen, der Mann der IBM herausforderte.

Der vor wenigen Jahrzehnten zuvor in einer Garage begann und der von Gewerkschaften und von der Mitbestimmung am Arbeitsplatz nichts hielt, der Mann für den nur der Zuwachs etwas galt, der unsere Büros mit Computer versorgte.

Der allerdings auch nie über seinen Tellerrand sah, der Apple abservierte und der Siemens nicht ernst nahm, der sollte nun das Image Berlins mit aufpolieren.

Bereits als er hier seine geplanten Erfolge einfahren wollte, kamen die ersten schwarzen Schatten über die Firma, die sich nun Nixdorf- Computer nannte.

Über das was Heinz Nixdorf eigentlich in Berlin wollte, außer die Berlin- Zulagen abschöpfen darüber führte man ein paar Jahre nach dem Niedergang dieser Firma in der TU Berlin ein paar Diskussionen.

War nun Heinz Nixdorf der Prototyp des Risikokapitalisten, der Dienststellen vor sich hertreiben wollte oder war er eine Wiedergeburt eines Unternehmers des Manchester- Kapitalismus?

In Berlin war er bereits ab Mitte 1985 auf dem absteigenden Ast, vielleicht versprach er sich mehr von der Buga oder er wollte mehr haben vom Geld der 750 Jahrfeier der Stadt?

Was er aber wollte, bemerkte man erst einige Jahre danach, Nixdorf wollte ins Telefongeschäft und darüber hatte nun einmal Siemens die Hand.

Seinen Tod fand er auf der Cebit 1986, allerdings des Abends auf einer Feier – der Nixdorf Stand fand in den Tagen davor allerdings nicht mehr das erhoffte Publikumsinteresse.

Die Geburt des PCs für Jedermann und überall, erlebte Heinz Nixdorf nicht mehr.

Sein Arrangement für Berlin kann man nun einreihen, wie das der Firma Gurkenfrizze- der war allerdings in Spandau und da legten Frauen grüne Gurken in Essigwasser.

Was blieb nun Berlin?

Einen Kasten, der man mal Zukunft der Arbeit nannte und nutzlos für einige Jahre am Moritzplatz herum stand. Zunächst gab es die Zwischenlösung, die hoch gejubelten Arbeitsplätze waren allerdings dauerhaft verschwunden- die kamen auch nicht zurück mittels der Einheit.

Nach der Einheit gingen am Moritzplatz die Grundstückspreise bergauf, die Gewinner der Einheit sind hier ganz andere und das wiederum auf Kosten derer die meinten hier an diesem Standort bei der Firma und unter dem Chef einen gut bezahlten und sicheren Arbeitsplatz in einem Unternehmen zu haben was nur Zuwachs kannte.

 

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