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Teil 167 "Der Berliner Bilderbogen"

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Es waren eigentlich die Worte des Christopher Clark über Berlin, denn er studierte damals an der FU in dieser Stadt, die es so nicht mehr gibt.

Das war eine Stadt mitten in Deutschland, wo sich die Menschen zum Westen fühlten, die auch ihren eigenen Weg gingen.

Viel später erzählte mir mal dazu ein ehemaliger DDR Grepo, Westberliner waren immer cooler und nichts brachte die aus der Reserve.

In dieser Zeit erschrak ich immer etwas, wenn ich mal Post von Bekannten aus dem Wilden Westen bekam, die schrieben mir etwas von der Frontstadt in der ich nun lebe.

Allerdings habe ich die Front dort nie kennen gelernt, die Suche nach der Front war mittlerweile eine ganz andere geworden.

Da gab es Mitte der 80.Jahre Szenen in Kreuzberg mit dessen Bewohner man kaum noch ins Gespräch kam, für die war man der geworden- der sich im System eingenistet hatte.

Die verstanden vom Leben etwas ganz anderes, was genau wusste man nicht das war die Mischung aus Krawall und Abneigung.

Abneigung auch gegenüber Jenen die hier 10 Jahre zuvor wohnten und ihr Studium beendeten.

Das konnte man vielen in Westdeutschland kaum erklären, mitunter war es lästig, wenn sich Besuch aus dem Wilden Westen ankündigte, man betreute sog. hilflose Personen.

Davon meinten wiederum andere bereits eine Meisterleistung vollzogen zu haben mit der Benutzung der Transitstrecke.

An einen ganz besonderen kann ich mich noch sehr gut erinnern, der rief mich aus Helmstedt an und meinte in 2 Stunden sei er in Dreilinden, ich war dort und er kam nach fast 4 Stunden.

Der war an Berlin vorbei gefahren, kurz vor der Oder bemerkte er die Grenze zu Polen.

Zudem gab es immer wieder für mich komische Gegebenheiten in der westdeutschen Provinz, nicht nur dass man mich fragte, trotz des Kennzeichen B am VW, ob ich aus West- oder Ostberlin stammen würde?

Es gab aber auch noch Diskussionen, dabei ging es nicht nur um die 8% Berlin- Zulage, die ein Arbeitnehmer netto in Berlin erhielt, man fragte einen Westberliner nach der Entlohnung der Arbeiter in Ostberlin?

Woher sollte der das wissen, wo man zuvor an den Universitäten der Stadt im Westen nicht genau wusste welche Fachgebiete man im Ostteil der Stadt anbot.

Dabei gab es immer den Vergleich, hier bei uns und dann bei Euch und als wir da in Berlin waren.

Na prima, nur diese Stadt, die es so nicht mehr gibt machte nach 1970 einiges im Schnell Raffer durch.

Innerhalb von mehr als 15 Jahren hatte sich West- Berlin behauptet, was sicherlich nicht der Verdienst der Landespolitiker war- sondern dem Volkswillen entsprach.

Das Volk wählte nur alle 4 Jahre einmal das Abgeordnetenhaus von Berlin und aus der Landesliste wurden die Bezirkslisten der Parteien.

Der typische Berliner kannte den Regierenden und ein paar Senatoren, manchmal nicht seinen eigenen Wahlkreisabgeordneten.

Geschweige den Bundestagsabgeordneten, den wiederum das Abgeordnetenhaus wählte, man war sich einig der Regierende kümmert sich fast um Alles.

Darunter waren die Bezirke verwaltungstechnisch und politisch aufgestellt, die nahm man in der Regel nicht ernst- denn überwiegend machten hier die Anonymen aus den Parteien das was sie unter Politik verstanden.

Der Wähler bekam dazu eine Liste mit den Vorschlägen der Parteien, man kreuzte nur einmal eine Mannschaft an.

Hätte man dort auf eine Liste den Namen des größten Beerdigungsinstituts der Stadt „Grieneisen“ gesetzt- ich bin fast sicher das wäre dem Wähler kaum aufgefallen.

Ansonsten verteidigte man etwas in Berlin, all das was unmittelbar mit der Bildung zusammen hing, damit grenzte sich diese neue Generation von der Generation der bürgerlichen Spießer ab.

Die Vorschule war in Berlin bereits zu einem Begriff im Bildungssystem geworden als man in westdeutschen Ländern darüber begann zu diskutieren.

Im Land Berlin blieben die Kinder bis nach der 6. Klasse gemeinsam in der Grundschule, man wollte den Kindern nicht ihre Kindheit rauben.

Mit dieser Aussage wurde ich damals in NRW von einigen Schulleitern angefeindet, denen versuchte ich aber das weiterführende Berliner Bildungssystem zu erklären.

In einer Zeit wo man in Berlin schon Schwierigkeiten hatte, Hauptschüler Lehrstellen zu vermitteln setzte man in Bayern noch auf die flächendeckenden Hauptschulen.

Nicht nur dort war Berlin ein Vorreiter, hier war man internationaler aufgestellt und das wiederum war der Vorteil.

Man experimentierte auch, dazu benötigte man Freiräume und genau die bot diese Stadt.

Eine Stadt, die für manchen Bonner Politiker das Aushängeschild des Westens sein sollte, ließ andererseits aber eine Verwahrlosung zu.

In dieser Zeit, lebte jene Christiane das Kind vom Bahnhof Zoo in der südlichen Gropiusstadt.

Zuvor war es der ehemalige Bürgermeister Heinrich Albertz der in einem Buch, das Thema Stadtsoziologie ansprach- er ging nach seinem Rücktritt dorthin in Pfarrdienst wo es wehtat.

Manches tat weh in Berlin, in Kreuzberg und Schöneberg machten die Spießer sich die Not der türkischen Gastarbeiter zur Untugend, bei der Wohnungsvermittlung verkaufte man denen den Sperrmüll als Abstand.

Zudem machte sich ganz etwas anderes breit, die gegenseitigen Gefälligkeiten, davon lebte nicht nur die boomende Bauindustrie der Stadt, sondern das spiegelte sich in der Wirtschaft wieder.

Fand seinen ersten Höhepunkt im Garski- Skandal und wurde von der CDU noch besser kopiert mit der Berliner Bankenkrise.

 

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