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Teil 174 "Man melkte die Kuh in Bonn am Rhein"

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Zu dieser Zeit hatte sich der Wind in der Gesellschaft gedreht, den Menschen ging ein Teil der eigenen Moral verloren.

Man glaubte zwar immer noch an sich, doch der Glaube allein genügte nicht mehr.

Sehen wir rückwirkend einmal auf die letzten 10 Jahre, die Bundesrepublik Deutschland nach den Olympischen Spielen München im Jahre 1972.

Bis zu diesen Jahren gab es in der Entlohnung der Arbeiter und Angestellten eine sog. Schallmauer, die lag bei ca. 1500 DM im Monat brutto.

Innerhalb von wenigen Jahren war die Schallmauer für mehr als 30% der Arbeitnehmer auf 3000 DM im Monat geklettert, gleichzeitig aber blieben mehr als 50% von allen weiterhin unter 1800 DM im Monat, zudem waren etliche auf 60% Stellen ausgewichen.

Eine ungleichere Verteilung von bezahlter Arbeit ging eigentlich zunächst in der Gesellschaft unter, man lenkte die Debatte auf andere Themen.

Ein Thema zur damaligen Zeit griff die gleichnamige Wochenzeitung auf, in diesem Artikel beschrieb man die Generation der Erben des Jahres 1974.

Rein rechnerisch hätte demzufolge fast jeder 10. Bundesbürger bis zum Jahr 1973 eine Summe von mehr als 15 000 DM erben müssen.

Im Jahr 1984 fand man dazu einen Folgeartikel, die Erbschaften waren nicht mehr in der breiten Masse des Volkes vorhanden, rechnete man das herunter wäre nur jeder 10.Bundesbürger im Jahr 1985 mit etwas mehr als 3500 DM bedacht worden.

Damit war man beim Thema, der gesellschaftlichen Entflechtung- wem gehört was in der Bundesrepublik?

Zudem entwickelte sich in den letzten Amtsjahren von Bundeskanzler Helmut Schmidt eine offensive Debatte um den Zugang zum Volksvermögen.

Die entscheidende Frage, der Gewerkschaften lautete: Wieviel vom verdienten Geld kann man ansparen?

Nun als diese notwendige Debatte begann wurde fast ganz Westeuropa von einer anderen Art der gesetzten Ökonomie der Rang abgelaufen.

Das Thema lautete: Die notwendige wirtschaftliche Umstrukturierung.

Was sich dahinter allerdings verbarg, konnte mir der damalige Berliner CDU Wirtschaftssenator Elmar Pieroth auch nicht erklären.

Man konnte es nur ahnen, bereits 1980 gab es in vielen Regionen Westdeutschlands eine Strukturkrise, eigentlich ein feines Wort für die Beschreibung eines sozialen Niederganges von Gemeinden.

Der erste gesellschaftliche Indikator war die Unsicherheit, begründet mit dem Verlust des Arbeitsplatzes, auf kommunaler Ebene mit einem geringeren Steueraufkommen und auf Landesebene mit kostspieligen Gegenmaßnahmen.

Dabei wurde allerdings eins interessant, man setzte unter Helmut Kohl nach wie vor auf das Netz der deutschen Sozialsysteme, nur ganz am Rande gab es den Vergleich zum Niedergang der Kohle- und Schwerindustrie in der Wallonie.

Noch interessierte sich niemand für solche Vergleiche, allerdings fehlte bereits damals bereits in Deutschland die Hilfe der Menschen zur Selbsthilfe.

Ein sog. liberalkonservatives Alternativprogramm, was von der damals im Schöneberger Rathaus regierenden CDU/FDP Mannschaft bühnenreif zelebriert wurde, war das Firmengründungsprogramm.

Das umfasste die Tollkühnen mit Ideen zum Geldmachen ohne Kapital.

Man siedelte die besonders unterstützt seitens des Senates im BIG und TIG an, in der Regel waren es Kleinbetriebe in der Gründung- die man eigentlich anstatt zu präsentieren vernetzen hätte müssen.

Das Lehrgeld was dies verschlang bezahlte der Steuerzahler, denn von 50 Tollkühnen überlebten nur 20 die ersten 24 Monate.

Mit den Steuern und der Verteilung von Zuwendungen ging mal im Diepgen- Senat immer großzügig um, man hatte ja in Bonn am Rhein eine Kuh die sich gerne melken ließ.

Mit diesem, vielleicht auch gut gemeinten Projekt von Neugründungen konnte man allerdings nicht entscheidend diese hartnäckige Strukturkrise in der produzierenden Wirtschaft bekämpfen.

Man verlegte sich also auf ein politisch gewolltes Plakatieren, denn ein paar Monate zuvor stürzte ein Symbol für den Fortschritt in Westberlin unerwartet und ohne fremde Hilfe zusammen.

Die Kongresshalle im Tiergarten verlor einen Teil ihres Daches, allerdings hatte der Deutsche Bundestag diese Halle bereits mehr als 15 Jahre nicht mehr benutzt.

Damit hatte ein Stück der Berliner Wirtschaft, in der einmal die Bauindustrie der Motor war seine Quittung bekommen.

Die lernte allerdings auch nicht dazu, war es vor Jahren der Steglitzer Kreisel der das Garski Imperium einstürzen ließ- weihte man später das Raumschiff über die Stadtautobahn am Funkturm namens ICC ein.

Das heute bereits längere Zeit geschlossen ist und man diskutiert über Abriss- oder Sanierungskosten.

In dieser Zeit bis 1985 wurde ersichtlich, aufgrund von geförderten Prestige Projekten hatte man den sozialen Wohnungsbau vernachlässigt.

Eines dieser Projekte war der im Jahre 1974 eröffnete Flughafen in Tegel, innerhalb von 10 Jahren schaffte man es nicht diesen an das U Bahnnetz anzubinden.

Gerade wo Berlin sich schwer tat, seine Strukturen neu zu ordnen kamen die Schwachstellen sofort zur Geltung, die S Bahn fuhr nach dem Streik der Eisenbahner im Jahre 1982 nicht mehr im Westteil der Stadt.

Der Berliner sollte laut Diepgen bei der Arbeitssuche mobiler werden, man erschloss Industriegelände in den Randbezirken und hinterließ im Kiez Industrie- Ruinen.

 

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