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Die Situation in der heilpraktischen Ausbildung

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Heilpraktiker-Prüfungsordnung

Richtlinien für die Überprüfung von Heilpraktikeranwärten

RdErl. d. Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales v. 12.3.1991-VB 6 0401.2
Aufgrund des §7 des Heilpraktikergesetzes vom 17.Februar 1939 (RGBL I S.251), geändert durch Gesetz vom 2.März 1974 (BGBL I S.469) wird bestimmt:

1. Überprüfung durch das Gesundheitsamt

1.1 Überprüfung der Kenntnisse und Fähigkeiten der Antragsteller gem. §2 Abs. li) der Ersten Durchführungsverordnung zum Gesetz über die berufsmäßige Ausübung der Heilkunde ohne Bestallung (Heilpraktiker-Gesetz) vom 18.Februar 1939 (RGBL I S.259), zuletzt geändert durch Verordnung vom 18.April 1975 (BGBL I S.967), dient dem Schutz der Gesundheit der Bevölkerung; sie umfasst einen schriftlichen und einen mündlichen Teil.

1.2 An der Überprüfung sind zwei Heilpraktiker gutachtlich zu beteiligen. Die Berufsverbände der Heilpraktiker können dem Amtsarzt zugelassene Heilpraktiker für die Teilnahme an der Prüfung vorschlagen.

2. Schriftlicher Teil der Überprüfung

2.1 Der schriftliche Teil der Überprüfung erstreckt sich auf den Ausschluss von Gefahren in folgenden Sachgebieten:
1.Diagnostische und therapeutische Grenzen naturheilkundlicher Verfahren,
2.Erkennung und Unterscheidung von Volkskrankheiten, insbesondere der übertragbaren Krankheiten, der Stoffwechselkrankheiten, der Herz-Kreislauf-Krankheiten und der degenerativen Erkrankungen,
3.Deutung grundlegender Laborwerte,

4.Topographische und pathologische Anatomie,

5.Hygiene, Desinfektions-und Sterilisationsmaßnahmen,

6. Gesetzeskunde, insbesondere rechtliche Grenzen der Heilkundeausübung ohne Bestallung
2.2 Der Antragsteller hat aus diesen Sachgebieten eine Aufsichtsarbeit nach vorgegebenen Fragen zu fertigen. Für die Aufsichtsarbeit stehen bis zu drei Zeitstunden zur Verfügung. Die Aufsichtsführenden werden vom Amtsarzt bestellt.

3. Mündlicher Teil der Überprüfung

3.1 Außer auf die in §2 genannten Sachgebiete erstreckt sich der mündliche Teil der Überprüfung auf den Ausschluss von Gefahren bei:

1.Technik der Anamneseerhebung (Methoden der unmittelbaren Krankenuntersuchung, Inspektion, Palpation, Perkussion, Auskultation, Reflexprüfung, Puls- und Blutdruckmessung),
2.Erkennung und Erstversorgung akuter Notfälle und lebensbedrohender Zustände,
3.Injektionstechniken (Blutentnahmen, Injektionen intramuskulär, intravenös, subkutan, intrakutan).
3.2 Bei Antragstellern, die sich auf einem besonderen Fachgebiet heilpraktisch bestätigen wollen, hat sich die Überprüfung zusätzlich darauf zu richten, ob sie die Grenzen und evtl. Risiken dieses besonderen Gebietes erkennen.

3.3 Der mündliche Teil der Überprüfung soll für den einzelnen Antragsteller nicht mehr als eine Zeitstunde betragen. Es kann in Gruppen bis zu vier Antragstellern überprüft werden.

4. Niederschrift

4.1 Über die Überprüfung ist eine Niederschrift zu fertigen, aus der Gegenstand, Ablauf, und Ergebnis der Überprüfung, die gutachtlichen Äußerungen der beteiligten Heilpraktiker und ggf. vorgekommene Unregelmäßigkeiten hervorgehen.

4.2 Die von den Anwärtern erzielten Ergebnisse sind in einem Namensregister zu erfassen und für die Dauer von zehn Jahren aufzubewahren.

5. Ergebnis der Überprüfung

Im Benehmen mit den gutachtlich beteiligten Heilpraktikern trifft der Amtsarzt die Entscheidung über das Ergebnis der Überprüfung und leitet sie der für die Erlaubniserteilung zuständigen Kreisordnungsbehörde zu.


6. Überprüfungsunterlagen

Auf Antrag ist dem Antragsteller nach Abschluss der Überprüfung Einsicht in die Überprüfungsunterlagen zu gewähren. Schriftliche Aufsichtsarbeiten sind drei, Prüfungsniederschriften zehn Jahre aufzubewahren.

7. Zuständigkeiten

7.1 Für die Erteilung der Erlaubnis gem. §1 Abs. 1 Heilpraktikergesetz ist der Kreis oder die kreisfreie Stadt zuständig, in deren Bezirk der Antragsteller seinen Beruf ausüben will.
7.2 Zuständig für die Überprüfung gem. §2 Abs. li der Ersten Durchführungsverordnung zum Heilpraktikergesetz ist der Amtsarzt.

7.3 Überprüfungen können für mehrere Kreise und/oder kreisfreie Städte gemeinsam durgeführt werden.

8. Kosten der Überprüfung

Die durch die Überprüfung dem Gesundheitsamt entstehenden Kosten sind von dem Antragsteller zu erstatten.
Kosten sind

- die notwendigen sächlichen Verwaltungsausgaben und die Personalkosten des Gesundheitsamtes
-die an die gutachtlich beteiligten Heilpraktiker nach dem Ausschlussentschädigungsgesetz -(AMEG) vom 13. Mai 1958 (GV.NW.S193) in der jeweils geltenden Fassung (SGV.NW204) zu zahlenden Entschädigungen.
Die gutachtlich beteiligten Heilpraktiker können den Ersatz darüber hinausgehende Aufwendungen nicht geltend machen.

9. Inkrafttreten

Dieser RdErl. tritt am Tage nach seiner Veröffentlichung in Kraft.
Gleichzeitig tritt mein RdErl. v 11.8.1989 (SMBL.NW.21.221) ausser Kraft.

 

Die Situation rund um die Überprüfung von Heilpraktiker-Anwärtern

Auch wenn „Prüfungsordnung“ als Überschrift da steht – bei dem, was da vor sich geht, handelt es sich nicht um eine reguläre „Prüfung“, sondern um eine „Überprüfung“ – hängt also im rechtlichen Sinne mindestens eine deutliche Stufe niedriger als eine reguläre „Prüfung“.
Ob jeweils eine reguläre Prüfung oder eine Überprüfung auf fachlichem Gebiet als Zugangsvoraussetzung für den Berufseintritt gilt, das hängt oft von den berufsständischen gewachsenen Strukturen ab. Solange in dem Prozess des Berufsabschlusses noch Ärzte „mitmischen“, die ein „akademisches Staatsexamen“ hinter sich gebracht haben, werden diese stets wie bisher jeden Versuch unterbinden, den heilpraktischen Berufsabschluss formal oder inhaltlich weg von der „Überprüfung“ hin zur „Prüfung“ aufzuwerten.
Deshalb sollte der reguläre Berufsabschluss, wie auch immer er organisiert ist (durch Kammern oder anders), von zwei Entwicklung wegkommen:
1. Zum einen ist es ratsam, dass Heilpraktiker einander unter sich so prüfen, dass die Prüfungsleistung objektiv feststellbar, objektiv erkennbar und von Außenstehenden nachvollziehbar ist. Eine solche von Ärzten abgekoppelte Prüfung ist am sinnvollsten von einer einheitlichen Heilpraktiker-Kammer zu verwirklichen, die für alle Heilpraktiker unabhängig von deren Zugehörigkeit zu einem der miteinander rivalisierenden Fachverbände gültige Maßstäbe setzen und Prüfungen organisieren kann.
2. Zum anderen hat jede Kenntnisüberprüfung und erst recht jede Prüfung in der Regel zum Ziel, fachliche Qualifikation auf ihrem Gebiet festzustellen und zu bewerten. Die vorliegende Überprüfung jedoch testet, ob der Qualifikant eine Gefahr für die menschliche Gesundheit darstellt; seine heilpraktische Leistung bleibt ungeprüft. Doch eine Überprüfung oder Prüfung, die keine Qualifikation feststellt, sondern „negativ ausgerichtet“ ist, kann heute keine Grundlage mehr sein, um Menschen zielgerichtet auf ihren Beruf hinzuführen.
Eine interessante Variante, die medizinische Ausbildung insgesamt neu auszurichten, ist sicher das „Allgemeine Medizinstudium“. Das derzeitige Studium ist in zwei Abschnitte aufgeteilt – einen „vorklinischen Teil“ und einen „klinischen Teil“. Das vom 1. – 4. Semester dauernde Vorklinikum hat zum Ziel, Anatomie und Physiologie des menschlichen Körpers zu erlernen und dabei in das wissenschaftliche Arbeiten einzuführen und dieses immer wieder anzuwenden. Praktika in Physik, Chemie, Biologie, Physiologie, Biochemie / Molekularbiologie, Kursus der makroskopischen und mikroskopischen Anatomie, Kursus der medizinischen Soziologie und Psychologie, Seminar Physiologie, Biologie / Molekularbiologie, Anatomie, Praktika zur Einführung in die klinische Medizin, Medizinischer Terminologie, Berufsfelderkundung sind für die Zulassung zur ersten ärztlichen Prüfung Pflicht.
Nach diesem „Vorklinikum“ erfolgt im „Klinikum“ (5. – 12. Semester) die Lehre von den Krankheiten und ihre Behandlung, jeweils aufgeteilt in fachärztliche Gebiete.
Wenn es gelänge, ein allgemeines Medizinstudium von 4 Semestern für medizinische Berufe einschließlich der hier einzubeziehenden Praktika einzuführen, um danach aufteilend weiterzuarbeiten (1. Schulmedizin, 2. Alternativ Heilpraktische Medizin), wäre ein erster großer Schritt getan.
Doch der zweite Schritt muss sein, dass endlich aufgehört wird, in Heilpraktikern eine Gefahr zu sehen, die es abzuwenden gilt. In dem Moment, wenn erfahrene und kompetente Heilpraktiker Prüfungsleistungen neuer Anwärter objektiv beurteilen und bewerten, wird sich die Situation positiv entwickeln, wie auch immer eine solche Prüfung organisiert ist – und wer auch immer sie abhält. Eine Heilpraktiker-Kammer, die frei ist von Gezänk zwischen den rivalisierenden Heilpraktiker-Verbänden, wird diese Objektivität eher aufbringen, als die derzeitigen Strukturen es vermögen.

 

 

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