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Terrorismus: Kein "Weiter so", kein "Jetzt erst recht"!

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Angesichts der Anschlagsserie, die auch hier in Deutschland stattfindet und nicht unbedingt als Serie betrachtet wird, wenn man die unterschiedlichen Zuordnungen des Anschlages von Würzburg, München und  von Ansbach in den Medien betrachtet, besteht Klärungsbedarf.

Haben wir es mit einer Welle des bereits durch den Islamischen Staat angekündigten Terrors „in unseren Häusern“ zu tun? Die Propagandavideos des IS fordern gerade Einzeltäter auf, Menschen wahllos und mit welchen Waffen auch immer anzugreifen und zu töten. Wer die Botschaften anschaut, bekommt fast den Eindruck, es solle eine Art terroristisches „Empowerment“ eine Ermutigungswelle stattfinden, die besonders auf Kinder und Jugendliche und junge Männer zielt. Zwei von den drei Attentätern der letzten Woche hatten psychische Probleme und wurden psychiatrisch behandelt, bei dem Axt-Attentäter von Würzburg kann man es zumindest vermuten.

Fast wirkt es so, als ob diese Ermutigung zum Töten, die der IS ausgesprochen hat, funktioniert und auch bei uns zu einem „viralen Terrorismus“ führen kann, von dem immer mehr labile junge Menschen infiziert werden.

In einem sehr intelligent geschriebenen Zeit-Artikel von Herfried Münkler wird gemutmaßt, dass der IS eine Art „Terror-Franchising“ im Sinn hat, bei dem er jedem noch so unpolitischen jungen Amokläufer sein „Lable“ als Rechtfertigung zur Verfügung stellt. Der Artikel ist absolut lesenswert, weil er mit der Vorstellung aufräumt, dass Terrorismus immer politisch daher kommen muss. Nein, es reicht, wenn die Wirkung erzielt wird, dass sich die autochtone Bevölkerung gegen muslimische Migranten und Minderheiten richtet und damit eine weitere Radikalisierung im muslimischen Lager provoziert.

Dann hat der IS bereits sein Ziel erreicht!

Ein besonders nüchterner und sachlicher Umgang mit Anschlägen ist daher tatsächlich angeraten, von Generalisierungen ist abzuraten. Nach Münkler ist der IS in diesem Sinne ein Fallensteller für die westlichen Gesellschaften, die überdies noch einen Krieg benötigen, um die diffuse Terrorbedrohung externalisieren zu können.

Was in unseren Gesellschaft an Anschlägen geschieht, ist auch unser Terrorismus

In Wirklichkeit aber reicht das riesige Potential von ausgegrenzten, labilisierten und orientierungslosen jungen Menschen mit Migrationshintergrund aus, um den viralen Terrorismus weiter anzuheizen. Unsere westlichen Gesellschaften sind ja nicht mehr intakt, sondern erzeugen im hohen Maße eine Entstrukturierung und Desintegration, die Millionen von jungen Menschen hilflos, nutzlos und verstrickt in Orientierungslosigkeit sowie schwer aushaltbare Widersprüche zurücklässt. Wie bei einer überladenen Flotte werden diese Menschen quasi auf kleinen Rettungsbooten hinter der Gesellschaft hergezogen und wissen auch um ihre Lage. Manche sind freiwillig abgekoppelt worden, viele aber haben keine andere Wahl. Parallelgesellschaften werden in Frankreich, Deutschland und England auch ganz klar und bewusst erzeugt. Von der Regierung bis zur Kommune und den Menschen, die dort leben, ist die Ausgrenzung von Muslimen in Ghettos ein „Common Sense“, der selten ausgesprochen, aber immer beachtet wird.

Das amerikanische Modell allerdings, dass Ghettos durchaus prosperieren können, wie New York, Los Angeles und New Orleans teilweise gezeigt haben, ist in Europa noch nicht angekommen, es sei denn, man ist der Meinung, dass Berlin-Neukölln prosperiert. Das wird tatsächlich von einigen Leuten so gesehen.

Die (teilweise freiwillige) Ausbootung der Muslime in Europa ist aber nur die eine Seite des viralen Terrors, den wir sehr wahrscheinlich vor uns haben. Die andere Seite ist die Erziehung zum Terror durch die sozialen Medien und das Internet, an der nicht nur die Propagandaabteilung des Islamischen Staates mitwirkt, sondern auch Facebook, Twitter und ein Heer von Produzenten der Gewaltpornografie und dazu passender Videospiele!

Nie war es so einfach, Leute abzuknallen, wie im Internet. Nie konnte man so ungehemmt Menschen beleidigen, ohne fürchten zu müssen, ganz real eins auf die Schnauze zu bekommen. Nie gab es so viele junge Menschen, die alle ihre Wünsche und Sehnsüchte auf soziale Medien projizieren und dabei anfällig für Missbrauch, psychische Gewalt, Erpressung und Terror sind, wie vielleicht nur die Jugend am Vorabend des ersten und zweiten Weltkrieges, die danach mit Jubelrufen und massenweise in den Tod geschickt wurden.

Nicht nur der muslimische Terror, sondern auch das Internet stellt eine immer größer werdende Bedrohung für junge Menschen dar.

Daesh hat sich auf unsere Wunde gesetzt und beschleunigt unsere Selbstzerstörung

Der Islamische Staat aber setzt genau hier an. Er verherrlicht das Leben im „Kalifat“, produziert massenweise „Videos vom Paradies“ und stellt die eigenen Grausamkeiten in glorifizierender Art und Weise dar, die den Affekt von jungen Männern und auch Mädchen muslimischer Herkunft vernebelt.Wenn junge Menschen die Welt nicht lebenswert finden, kann man ihnen auch vermitteln, dass sie in einer falschen Welt leben und die richtige Welt erst nach dem Tod komme oder aber im Kalifat auf sie warte.

Bereits bei Kindern setzt die Propaganda ein. In Videospielen wie „Ummah Defense“, in dem nach „Herzenslust“ böse Europäer und Amerikaner bekämpft werden, in Adaptionen bekannter Videospiele wie „Grand Theft Auto“ wird sogar auf reale Spielplattformen aufgesetzt. Nur die Helden des Spiels sind dann IS-Kämpfer. Eine Übersicht zu den Social-Media-Aktivitäten des IS gibt die Arbeit von Timmothy Jacobs von der North Carolina University mit dem Titel: „Daesh and Social Media Platforms“, die bei Academia.edu heruntergeladen werden kann.

Alles in allem sollte wir nicht davon ausgehen, dass der Terrorismus, der uns jetzt und verstärkt in der Zukunft im wörtlichen Sinne heimsuchen wird, eine Kreation des Islamischen Staates ist. Der Terrorismus ist in der Art angelegt, in der wir gesellschaftliche Gruppen ausgrenzen, stilllegen und ruhigstellen wollen, ohne sie zu integrieren. Er ist auch das Ergebnis der sozialen Schneisen, die der Liberalismus und der Materialismus in unsere westlichen Gesellschaften geschlagen hat und damit Zusammenhänge zerstört hat, die viele Menschen bräuchten, um notwendige soziale Nähe zu spüren. Der Terrorismus ist zuletzt ein „Manifest der Beliebigkeit“, das als Kehrseite des westlichen Egoismus nun Ego-Shooter produziert, Menschen also, die keinerlei soziale Verbindlichkeit mehr spüren. Das ist in Wirklichkeit noch viel schlimmer, als eine straff organisierte Terrororganisation, die umschriebene, politische Ziele erreichen will. Es ist ein Verfallszeichen unserer Gesellschaft und somit hausgemacht.

Fazit:

Der Terrorismus zwingt uns zum Umdenken. Ganz im Unterschied zu den Parolen der politisch Verantwortlichen in unseren Gesellschaften, besteht die angemessene Reaktion auf seine Phänomene eben nicht in einem „Jetzt erst recht“ und einem „Weiter so“, sondern in einem grundsätzlichen Umdenken. Wir müssen die fehlende oder mangelnde Integrationsfähigkeit unserer Gesellschaften auf ganz neue und radikale Weise angehen, wenn wir Resilienz gegen solche Phänomene bei den Menschen erzeugen wollen. Die soziale Gerechtigkeit steht hier ganz oben auf der Agenda, ebenso wie die Schaffung einer neuen Kultur der sozialen Kohärenz über alle Bevölkerungsgruppen hinweg. Das bedingt auch eine radikale Akzeptanz der kulturellen Besonderheiten unserer Mitmenschen. Auch eine radikale Akzeptanz des Islams in Europa. Wir brauchen eine Kultur, in der wir aufeinander zugehen, mehr als je zuvor!

 

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