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Kommen Globalisierungsgegner künftig von rechts?

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Der neue Club of Rome-Bericht vertritt teilweise protektionistische Rezepte und fordert eine Abschwächung des Globalisierungstempos.

Teilweise fühlt man sich an Forderungen aus dem rechten Lager erinnert. Renationalisierung würde zu diesem Bericht durchaus passen.

Der Club of Rome zeigt in seinem neuen Bericht, wie man in die Medien kommt. Er wirkt dabei aber oberflächlich und ideenlos.

In der Analyse sind sich die meisten Institute, die sich mit der Zukunft der Menschheit beschäftigen, einig: Es kann nicht so weitergehen. Der Ressourcenverbrauch ist zu hoch, das Klima, die Meere und das ökologische System im Ganzen werden irgendwann kippen.

Zu viele Menschen, zu viel Wachstum und zu wenig Balance, in der Verteilung der Ressourcen, machen die Erde jetzt schon zu einem ökologischen und sozialen Problemfall.

Bei den Rezepten allerdings hört es mit der Einigkeit schon auf. Am ehesten kann man sich auf Nachhaltigkeit und Klimaziele verständigen. Bereits bei der Bevölkerungspolitik, dem wirtschaftlichen Wachstum und der Globalisierung gibt es Streit.

Der Generalsekretär des „Club of Rome“ und Ökonom Maxton will,in seinem neuen Bericht, das Wachstum generell begrenzen (Ein Prozent ist genug), die Globalisierung eindämmen (Mehr Handelsbeschränkungen zur Sicherung von Arbeitsplätzen) und das Bevölkerungswachstum besonders in den Industrieländern (Ein-Kind-Politik mittels Prämien) begrenzen, da Menschen in den Wohlstandstaaten das Dreißigfache des Ressourcenverbrauches aufweisen, von Menschen in den kaum entwickelten Ländern.

Versehentlich oder wissentlich setzt er dabei auf Trends, die es ohnehin schon gibt. Die Weltwirtschaft wächst derzeit immer schwächer, es gibt einen Gegentrend zum Freihandel, in dem sich immer mehr Länder der ungebremsten Globalisierung entziehen, um ihre Wirtschaft zu schützen (übrigens auch in Europa) und der negative Bevölkerungstrend in den Industriestaaten ist bereits seit Langem bekannt.

Wenn diese Trends durch den bekanntesten Globalisierungs-Think Tank noch einmal explizit als Rezepte für unseren Planeten dargestellt werden, steht vermutlich eine positive Absicht dahinter.

In den Medien gibt es viel Kritik am neuen Club of Rome-Bericht – die bestehenden Konzepte streben eher eine Beschleungigung der Weltwirtschaft an

Es ist nämlich nicht ganz zu übersehen, dass unsere wirtschaftlichen und politischen Eliten zwar andere Rezepte haben, mit denen sie allerdings, invers zu ihrer Absicht, genau die oben stehenden Trends produzieren.

Das Wachstum soll nicht begrenzt werden, um genug Wohlstand für alle zu produzieren, dafür aber nachhaltig und ökologisch ausfallen.

Das produzierte Ergebnis ist aber die Antithese der guten Absicht. Das globale Wachstum ist weder nachhaltig noch ökologisch und produziert immer mehr Wohlstand (Luxus) der immer weniger Menschen zu Gute kommt.

Da immer weniger Menschen profitieren entsteht der Gegentrend eines reduzierten Wachstums, die Weltwirtschaft lahmt.

Globalisierung wird von unseren Eliten als „alternativlos“ mit der Priorität einer vorherrschenden Ideologie gehandelt. Handelshemmnisse müssen dabei ebenso abgebaut werden, wie kulturelle, nationale und ethnische Unterschiede, damit die Globalisierung, getrieben durch einen gemeinsamen (genormten) Wirtschaftsraum, weiter entwickelt werden kann.

Im Resultat hat diese Ideologie in großen Ländern zur Reaktanz geführt (Beispiel Russland, arabische Welt) in denen man sich einer gemeinsamen Ideologie mit den Industriestaaten verweigert. In Europa gibt es den Gegentrend der Nationalisierung und massive Widerstände gegen große Freihandelsabkommen. Die Antithese zur Globalisierung ist auf dem Vormarsch.

Schließlich kämpfen unsere Eliten gegen das Ungleichgewicht in der Bevölkerungsentwicklung, das zum demografischen Bevölkerungsschwund in den Wohlstandsländern und zur Bevölkerungsexplosion in den kaum entwickelten Ländern führt. Bisher hieß es, dass Anreize zum Bevölkerungswachstum bei uns und zur Begrenzung des Bevölkerungswachstums in den Entwicklungsländern gesetzt werden müssten.

Die Realität ist eine andere. Die einen produzieren Wohlstand und die anderen produzieren Kinder. Also ist auch hier die Antithese der guten Absicht Realität.

In seinem neuen Bericht erklärt nun der “Club of Rome“ die Realität zum Rezept, indem er geringes globales Wachstum, Widerstand gegen die Globalisierung und die demografische Schwäche der Industrieländer zum Programm macht.

Scheinbares Resultat könnte dann mehr Zeit für ein nachhaltiges und langsameres Wachstum, weniger soziale Destabilisierung in den Industrieländern durch Arbeitsplatzverlust und eine langsame Involution der Wohlstandsstaaten zu Gunsten der Entwicklungsländer sein.

Unterm Strich sollen also die Antithesen zur Globalisierung gestärkt werden um den Prozess abzubremsen und dabei verträglicher für unseren Planten zu gestalten.

Was aber mit einem solchen Programm und auch ohne ein solches Programm tatsächlich geschieht, ist offensichtlich.

Globalisierung trennt zunehmend zwischen arm und reich und nicht zwischen armen und reichen Ländern

Wohlstandsstaaten und Entwicklungsländer gleichen sich in ihrer gesellschaftlichen Dynamik an. Einer relativ dünner werdenden Wohlstandschicht steht eine zunehmend größere Schicht gegenüber, die nicht oder nur am Rande vom Wohlstand profitiert. Das ist in Deutschland und Indien ähnlich, wenn man den Trend betrachtet und den Ausgangspunkt der Wohlstandssituation einmal außen vor lässt. Natürlich lässt sich dieser Trend bei uns besser abfedern, als in Indien, führt aber am Ende zum gleichen Resultat. Viele Arme und wenige Wohlhabende.

Man mag dem entgegenhalten, dass der Wohlstand für die Mittelschicht in Indien gestiegen ist und nicht gefallen. Der aktuellen Dynamik des Kapitalismus folgend, muss man aber auch in Indien davon ausgehen, dass die Mittelschicht ihren bescheidenen Wohlstand zunehmend nach oben (in Form von Produktivität und Profiten für die Oberschicht) durchreicht und nicht nach unten (in Form von besser bezahlten, einfachen Jobs für die Armen).

Das System funktioniert wie eine Sahnepresse. Eine Plastiktüte, die oben schmal ist und nach unten hin breiter wird, ihren Auslass aber nur ganz oben hat. Wenn wirtschaftlicher Druck entsteht, geht die Sahne immer nach oben und kommt an der Spitze heraus, unten ist dann immer weniger drin.

Die Sahnepresse gibt es inzwischen in allen Ländern, auch in den Wohlstandsländern. Es gibt sie vor allem aber auch zwischen Entwicklungsländern, Schwellenländern und Industrieländern, in denen arbeitsteilig produziert wird. Die globale „Werkbank“ befördert dann den größten Teil der Wertschöpfung in die Wohlstandsländer und dort den größten Teil an die oberen zehn Prozent der Bevölkerung. Sahnepresse pur!

Club of Rome greift Gegentrends zur Globalisierung auf und macht sie zum Konzept

Der „Club of Rome“ oder auch nur Maxton können mit ihrem trendkonformen Rezept eigentlich nur Akzeptanz für eine solche Sahnepresse erreichen, wenn überhaupt. Die kognitive Schere zwischen dem, was man offiziell will und dem was real resultiert, würde etwas kleiner werden.

Tatsächlich aber würde das geringere Wachstum zu Lasten der Armen gehen, die Demografie-Bremse mittels finanzieller Anreize, die ärmeren Menschen in den Wohlstandsstaaten nominal reduzieren, statt die Armut zu reduzieren und der Protektionismus würde zu einer reduzierten Wachstumsdynamik vor allem in den Schwellenländern führen. Profitieren würden, diejenigen, die ihren vorhandenen Wohlstand verteidigen und nicht diejenigen, die sich den Wohlstand erst aufbauen müssen.

Ein verlangsamtes Wachstum, als erklärtes Konzept, würde allerdings Sprengstoff aus der Globalisierung nehmen, weil die Temposünder der Globalisierung, die internationalen Konzerne und vor allem die Finanzmärkte dadurch ein Stück weit ausgebremst würden.

Ob es was hilft?

Kapitalismus bleibt Kapitalismus. Die Tendenz zur Konzentration des Kapitals, Ausbeutung der Arbeit und gesellschaftlicher Entstrukturierung mit zunehmender Aufspaltung der Welt in arm und reich, sind Grundprinzipien. Sie laufen ab, solange man das System bedient. Man kann sie beschleunigen oder verlangsamen (wie im neuen Bericht des „Club of Rome“ vorgeschlagen), abschaffen aber kann man sie nicht. Die Sahnepresse funktioniert weiterhin von unten nach oben!

Den Fatalismus, der in diesen Aussagen steckt, haben sich die globalen Eliten vermutlich längst zu Eigen gemacht. Daraus resultieren dann ganz andere Rezepte, als diejenigen, welche der Club of Rome uns präsentiert.

Globalisierungskonzepte sind brutal!

Die sind dann weniger appetitlich, wie die von Naomi Klein als „Shoc doctrine“ beschriebenen Rezepte, durch Katastrophen und Destabilisierung ganzer Regionen, wirtschaftliche Dynamik zu erzeugen und die Märkte neu zu verteilen oder aber die Wettläufe um die Claims an Bodenschätzen und globalen Ernährungsressourcen, bekannt als Landgrabbing. Hier werden die primären Lebensgrundlagen und nationalen Reichtümer von Entwicklungsländern globalisiert, regelmäßig auf Kosten der jeweiligen Bevölkerung.

Ein Teil der Migrationsströme, die heute aus Afrika und Vorderasien nach Europa führen, ist das Ergebnis der kapitalistischen Enteignung ganzer Länder durch die vorgenannten „Globalisierungs-Methoden“ und der Not, die daraus entstanden ist. Ein anderer Teil kommt wegen der Kriege, Bürgerkriege und ethnischer Säuberungen auf dem afrikanischen Kontinent.

Globalisierungsfolgen gehen auch in Europa zu Lasten der Unterschichten

Das Problem, welches unsere wirtschaftlichen Eliten verursachen, wird vor allem dadurch besonders giftig, dass sie die negativen Globalisierungsfolgen vor allem unserer armen Bevölkerung, in Europa verkaufen wollen. Auch in diesem Zusammenhang muss man die Kritik an der Flüchtlingspolitik Merkels sehen. Die Flüchtlinge sind eben auch das Ergebnis der Destabilisierung ganzer Landstriche durch amerikanische und europäische Expansoren und die Suppe soll vor allem durch die, im Rahmen der Globalisierung, bereits abgestiegenen europäischen Unterschichten ausgelöffelt werden, die dann mit Flüchtlingen um Arbeitsplätze und billigen Wohnraum konkurrieren müssen. Das ist dann auch die Geschichte der Vorstadt-Ghettos in Frankreich und Belgien sowie der einfachen Wohngebiete in London, Berlin und des Ruhrgebietes.

In den gut situierten Stadtvierteln Europas, in denen unsere Eliten zuhause sind, findet man keine Migranten und keine Flüchtlinge. Die kulturellen Verwerfungen, die durch die Völkerwanderung nach Europa entstehen, überlässt man folgerichtig den Verlierern der Globalisierung – den einfachen Leuten.

Am Ende ist die Renationalisierung, die im Club of Rome-Bericht indirekt durch einen zunehmenden Protektionismus und eine Abschwächung des Globalisierungstempos angemahnt wird, genau das, was der Rechtspopulismus in Europa derzeit fordert. Es ist der Tritt auf die Bremse!

Ob mit oder ohne Maxton wird dieser Trend weitergehen. Man darf gespannt sein, ob die schärfsten und effektivsten Gegner der Globalisierung, wie wir sie heute erleben, zukünftig nicht aus dem rechten Lager kommen.

 

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