Mein Herz schlägt links

Initiative linker SozialdemokratenInnen in der SPD

  • Schrift vergrößern
  • Standard-Schriftgröße
  • Schriftgröße verkleinern
Start

Stoppen

E-Mail Drucken PDF

 

 

 

 

CETA stoppen – Jetzt erst recht

Sep302016

 

Das Handelsabkommen CETA soll von der EU und Kanada bereits am 27.10.2016 unterzeichnet werden.

Bereits am 18.10. will der EU-Ministerrat zustimmen! Die EU-Kommission will das Abkommen als Ganzes in Kraft setzen, bevor die nationalen Parlamente abgestimmt haben. Dies schafft Tatsachen, die im Nachhinein schwer rückgängig zu machen sind. Der Richterbund warnt vor einer „Zweiklassenjustiz“, Völ­ker­recht­ler wie Wolf­gang Weiß von der Uni­ver­si­tät Spey­er bezeichnen das als „illegal“, weil es das Votum der Mitgliedstaaten entwertet.

SPD hat gute Chance verspielt

Intransparenz und einseitiger Lobbyismus untergraben immer mehr das Vertrauen in die Politik. Kein Wunder, dass immer mehr Menschen in einem großen Bündnis gegen diese Art der Handelsabkommen aufbegehren. Leider hat der SPD-Konvent der Parteispitze trotz allen Widerstandes, trotz einer ablehnenden Basis grünes Licht dafür gegeben, CETA erst einmal zu unterzeichnen. Die Änderungswünsche der SPD sind gut, aber ein wirkliches Druckmittel hat man mit der Zustimmung nun nicht mehr in der Hand. Dennoch muss der Druck der Öffentlichkeit eher noch gesteigert und ganz gezielt auf die Abgeordneten des Europaparlaments und des Bundestags gerichtet werden.

Mit CETA werden rote Linien überschritten

CETA soll nicht „nur“ den Handel zwischen den zwei Wirtschaftsräumen stärken, es erreicht ein noch nie dagewesenes Ausmaß an Bestimmungen und Möglichkeiten für Großkonzerne. Selbst Experten können bisher kaum erahnen (die deutsche Übersetzung von CETA hat 2270 Seiten!), welche Wirkungen das Abkommen entfaltet. Es ist ein Skandal, dass es sich – einmal eingeführt – so gut wie sicher nicht zurückholen lässt. Selbst für den unwahrscheinlichen Fall, dass sich alle Nationalstaaten irgendwann in Zukunft einig wären und CETA aufkündigen würden, blieben die Klagerechte für Investoren noch 20 Jahre lang erhalten. Es reiht sich damit ein in die nunmehr 25-jährige Entwicklung des rasanten Anstiegs von weltweiten Handelsabkommen, welche immer weitreichender demokratische Prinzipien aushebeln.

CETA…

  • untergräbt Standards. Statt erkämpfte Standards bei Arbeitnehmerrechten, beim Verbraucher- und Umweltschutz zu stärken oder auszuweiten, werden sie gefährdet.
  • ermöglicht die Aushöhlung der öffentlichen Daseinsvorsorge und schreibt eine Liberalisierung vor, die wir später nicht mehr revidieren können. Wir dürfen uns nicht von Konzernen erpressbar machen, schon gar nicht in zentralen Bereichen der grundlegenden Versorgung der Bürgerinnen und Bürger.
  • ermöglicht Sonderklagerechte für Konzerne innerhalb einer Paralleljustiz. Investoren werden damit mehr Rechte zugesprochen als irgendeiner anderen Gruppe der Gesellschaft. Fremde Richter stünden damit über dem Grundgesetz, sie urteilten über das Handeln der demokratisch gewählten deutschen Regierung. Dies kann unmöglich richtig sein. Letztlich sind die Leidtragenden auch die Steuerzahler, denn die Regierungen werden den Schadenersatz, den die Konzerne erstreiten, aus der Staatskasse bezahlen müssen.
  • manifestiert undemokratische Strukturen durch die Einrichtung einer neuen transnationalen Behörde zur „Regulierungskooperation“, die über jedes beabsichtigte neue Gesetz urteilt und dieses mitgestaltet. Kein gewählter Volksvertreter wird in diesem Gremium sitzen.
  • fehlt es an Legitimität und Transparenz. Die Verhandlungen fanden ohne Offenlegung, ohne Debatte, ohne Beteiligung der Parlamente und ohne ausreichende Rückkopplung an die Zivilgesellschaft statt. Beteiligt wurden dagegen in hohem Maße die Lobbyisten von einigen wenigen Großkonzernen.

Kurzum: Das Abkommen umgeht zwei demokratische Gewalten: die Judikative (über den Investitionsgerichtshof) und die Legislative (über die regulatorische Kooperation). Das dürfen wir nicht zulassen. Wenn sogar Institutionen wie der Deutsche Richterbund vor einer „Zweiklassenjustiz“ warnen, die ausländische Konzerne mit viel Geld bevorzugt und das Auslegungsmonopol des EuGH mit Füßen tritt, darf dies nicht ignoriert werden! Weil die rechtlichen Bedenken gegen CETA so groß sind, drängt der Deutsche Richterbund auf ein Gutachten des EuGH. Nicht einmal das soll abgewartet werden.

Wachsender Protest

CETA ist, so wie es im Moment formuliert ist, ein Türöffner für weitere weitreichende Abkommen. Auch wenn TTIP gerade scheinbar totgeredet wird, wenn CETA einmal beschlossen ist, kann keiner die Widerbelebung von TTIP ausschließen. Mit dem Inkrafttreten von CETA könnten viele US-Firmen, die eine Niederlassung in Kanada unterhalten, im Zweifel auch ohne TTIP Druck ausüben und Deutschland verklagen – beispielsweise, weil wir Fracking nicht zulassen wollen.

Mit CETA erklärt sich die Regierung einverstanden mit einer neuen handelspolitisch neoliberalen Ära, in der die Demokratie weiter ausgehöhlt wird. Das Primat des liberalen Marktes will ich nicht akzeptieren. Die „marktkonforme Demokratie“ wird durch Handelsabkommen wie TTIP und CETA noch realer – die Unterwerfung an einen Markt, der vor allem von einigen Großkonzernen beherrscht wird. Ich bin für Handelsabkommen, aber sie müssen transparent sein, Einwirkung von Zivilgesellschaft und Parlamenten zulassen, soziale und ökologische Standards erhöhen sowie kleinen und mittelständischen Unternehmen helfen.

Deshalb habe ich auch den bundesweiten Aktionstag von 26 Organisationen zu sieben bundesweiten Großdemonstrationen am 17.09.2016 unterstützt und selbst eine Kundgebung in Dortmund am 10.09.2016 mitorganisiert. Bei den Demonstrationen am 17.09. gingen deutschlandweit über 300.000 Menschen gegen CETA und TTIP auf die Straße. Dieser Protest wird in den nächsten Wochen noch wachsen. Auch mein Engagement gegen CETA und für fairen Handel, für Transparenz und gegen ausufernden Lobbyismus wird weitergehen.

 

Wahlkampf

Erneuerbare Energien

Statistiken

Benutzer : 339
Beiträge : 5711
Weblinks : 145
Seitenaufrufe : 13622367

Verwandte Beiträge