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Der Hass auf das Volk

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Die Neujahrsansprache der Kanzlerin möchte ich hier nicht kommentieren. Sie wirkt, wie immer durchkalkuliert.

Nur ein Wort stach heraus, bei dem Merkel ganz offensichtlich so etwas wie echte Empörung empfand. Der Begriff Hass.

Gemeint waren hier wohl Teile der deutschen Bevölkerung, die Merkel als „Volksverräterin“ sehen und mit diesem Begriff vermutlich ihren negativen Gefühlen angesichts ihrer Flüchtlingspolitik Ausdruck gegeben haben.

Nun ist es nichts unbedingt neues, dass viele Leute „die da oben“ ablehnen oder gar hassen, womit sicher nicht Merkel als Person gemeint ist, sondern die Mächtigen, die Lebensbedingungen diktieren können, welche den Bürgern nicht recht sind.

Diese Gefühle der Bürger gab es immer in unserer Geschichte, genauso, wie es auch Revolutionen gab.

Meist kommt in diesem Gefühlsdusel allerdings die andere Seite dieser Beziehung nicht zur Erörterung, gemeint ist der Hass auf das Volk.

Gerade mit den äußerst negativen Konnotation des Begriffes Populismus durch politische Eliten und Medien kommen eine Reihe von Gefühlen ans Licht, welche „die da oben“ dem Volk gegenüber zu haben scheinen. Der Begriff ist für Politik und Medien angstbesetzt, löst starke Aversionen aus und vor allem signalisiert er einen nicht ganz unerheblichen Hass auf das Volk.

Kein typisch deutsches Phänomen und in Zeiten des alternativlosen Kapitalismus ideologisch durchaus unterfüttert. So gehört es zur Grundeinstellung vieler amerikanischer Neoliberaler, die schöpferischen Kapitalisten einem Heer von Arbeiterparasiten gegenüber zu stellen. Diese Arbeiterparasiten, haben sich bei der letzten US-Wahl einmal gewehrt, was die Neoliberalen in Amerika völlig fassungslos macht.

Die Tatsache, dass das Volk keine Leute wählt, die es so offensichtlich hassen, wie das amerikanische Ostküsten-Establishment dies tut, dürfte man doch verstehen.

Aber auch bei uns haben wir in den letzten zwanzig Jahren eine Schicht von Politikern bekommen, die sich zumindest so weit von den Bedürfnissen der Bevölkerung entfernt haben, dass sie diese nicht mehr verstehen. Dies gilt insbesondere für die östlichen und ländlichen Räume Deutschlands und ihre unverstandene Bevölkerung. Der Schritt zum Hass ist da nicht mehr weit. Begriffe wie Pack, Mob, Pöbel und schlimmeres werden zur Bezeichnung dieser Menschen inzwischen auch von Spitzenpolitikern gebraucht.

Das amerikanische Establishment nennt eine ähnliche verhasste Bevölkerungsgruppe „white trash“, was schon mehr als Verachtung ausdrückt.

Regierung Schröder hat den Hass auf das Volk salonfähig gemacht

In Deutschland haben wir die Zuspitzung einer negativen und verächtlichen Einstellung dem Volk gegenüber leider unter einer sozialdemokratischen Regierung erleben müssen. Die Neoliberalisierung Deutschlands unter dem Genossen der Bosse, dem Mann, der tatsächlich keine Gelegenheit ausließ, dem Volk seine Verachtung zu zeigen, sei es mit oder ohne Zigarre, hat den Abstand zwischen Volk und Establishment zunächst einmal mental gewaltig vergrößert. Sein General Müntefering hat dabei den Spruch geprägt: „Wer essen will, soll auch arbeiten.“ Ein geradezu frühkapitalistisches Statement, das so tat, als wäre das Volk plötzlich ein neues Lumpenproletariat.

Die Verachtung, welche diese Regierung, gegenüber großen Bevölkerungsgruppen einfacher, arbeitender und arbeitsloser Menschen in Berlin salonfähig machte, prägt das Regierungsviertel noch heute. Man ist schnell bereit, das Volk zu hassen, wie es Schröder und Müntefering taten.

Nun lebt diese hassvolle Grundeinstellung vor allem davon, dass die Bevölkerung sich stark ausdifferenziert hat. Sie lebt vom Gedanken des Individualismus, der dem Begriff Volk widerspricht, wenn es um so etwas wie eine homogene Identität gehen soll. Diese Volksgemeinschaft existiere schlicht nicht mehr, wenn man sich in Berlin umhört, dem Begriff wird misstraut, obwohl gleichzeitig auf Solidarität gepocht wird. Schröder hat seine Kanzlerschaft auch dadurch gestärkt, dass er in Gummistiefeln in den Hochwassergebieten des Ostens unterwegs war. Eine PR-Aktion, wie wir heute wissen, deren Erfolg aber darauf beruhte, dass die Deutschen sich genau diese Solidarität wünschten. Hier handelte es sich genau um die Vorstellung von Volk, welches in der Krise seine Standes- und Interessenunterschiede vergisst und zusammensteht. Eine Volksgemeinschaft eben.

Dieser Begriff, Volksgemeinschaft, der während der Hochwasserkatastrophe noch eine positive Bedeutung hatte, ist seit der Flüchtlingskrise komplett diskreditiert. Das Gegenteil war der Fall. Die Flüchtlingskrise hat die Gesellschaft gespalten. Mehr noch, sie hat den Hass großer Teile der öffentlichen Eliten auf das Volk massiv befeuert.

Hass geht von den Eliten aus und ist zu einem guten Teil Hass auf Deutschland und die deutsche Mentalität

Selten sind die Deutschen so massiv unter Druck gesetzt, erpresst und diskreditiert worden. Vergleichbar mit der Neoliberalisierung Deutschlands unter Schröder müssen erneut die einfachen Leute ausbaden, was die Eliten ihnen übergeholfen haben. Hier hat sich eine linksorientierte Zivilgesellschaft angeschickt, die Rolle des Volkes zu übernehmen und viele deutsche Bürger, die nicht in NGOs organisiert waren, mehr oder weniger außen vor gelassen. Die Zivilgesellschaft, mit ihrer starken Flüchtlingslobby, mit ihrem immer noch starken kirchlichen Arm und letztlich einer Grundeinstellung vieler, dass man die deutsche Mentalität durch Multikulturalismus überwinden müsse (Claudia Roth: „Deutschland-verrecke"-Affaire) hat erneut sehr viel Hass in die Gesellschaft gestreut. Auch hier geht der Hass von den Eliten aus und nicht vom Volk!

Das Misstrauen und auch der Hass der Eliten gegenüber dem Volk wurzelt allerdings tiefer, wobei man nicht unbedingt in die Zeit des Nationalsozialismus zurückgehen muss, um die Wurzeln zu finden. Es reicht ein Rekurs auf die sechziger und siebziger Jahre, in denen sich Deutschland aus einem mehr oder weniger „intellektuellenfeindlich“ eingestellten Land zu einem intellektuell orientierten Land entwickelt hat. Dieser Prozess ging vor allem über starke ideologische Kämpfe, was dazu führte, dass eine große Menge von intellektuellen Ideologen unsere Öffentlichkeit bestimmten. Ihr größter Frust bestand darin, dass das Volk ihren „linken“ ideologischen Vorstellung nicht richtig folgen mochte. Diese fortgesetzten ideologischen Misserfolge führten letztlich zu einer Negativeinstellung dem Volk gegenüber. Bestimmte Bewegungen, wie die Grünen, waren da erfolgreicher, wenn auch nicht minder ideologisch. Dennoch lagen die Erfordernisse des Umweltschutzes auf der Hand und konnten sich auf breiter Ebene auch beim Volk durchsetzen.

Mit dem Fall der Mauer schien die ideologische Frage beantwortet und eine große Reihe von Intellektuellen plötzlich arbeitslos oder zumindest öffentlich bedeutungslos zu werden.

Der Kapitalismus war die vorherrschende Ideologie und was man erleben konnte, war, dass viele Linke dann zunehmend auf die Idee des moralisch perfekten Menschen in einem sozialen Kapitalismus aufgesprungen sind.

Spätestens Ende des letzten Jahrtausends war die Vorstellung geboren, dass sich die moralische Perfektion des kapitalistischen Menschen auch in seinem ökonomischen Erfolg wiederspiegeln muss. Wer ökonomisch erfolglos war, befand sich auch moralisch nicht auf dem notwendigen gesellschaftlichen Niveau. Das war eine der ideologischen Grundlagen, auf der Schröder seine menschenverachtende Arbeitsmarktpolitik umsetzen konnte.

Denn letztlich versuchte man nach dieser Ideologie ja nur moralisch minderwertige Individuen in die Gesellschaft zu integrieren, die ansonsten weiter verkommen wären.

Hass und Verachtung des Volkes sind  notwendig, um die brutalen Verhältnisse am Arbeitsmarkt aufrecht zu erhalten

Auch dies ist eine Grundlage des Hasses, den unsere öffentlichen Eliten gegen das Volk pflegen. Dieser Hass ist auch weiterhin notwendig, wenn man die kapitalistische Ausbeutung vieler Menschen auf unserem Arbeitsmarkt aufrechterhalten will.

Denn eines ist klar. Trotz hoher Beschäftigungszahlen, trotz Mindestlohn, ist unser Arbeitsmarkt ein Kriegsschauplatz, auf dem vor allem Menschen mit geringer Qualifikation gnadenlos ausgebeutet und benutzt werden. Dabei wird der Arbeitsnehmerschutz massenweise unterlaufen, teilweise unterstützt von den Arbeitsagenturen. Mindestlöhne werden durch vereinbarte kostenlose Mehrarbeit bis auf die Hälfte abgesenkt, Schwarzarbeit floriert wie nie zuvor, Leiharbeit ist inzwischen der Standard für gering Qualifizierte, denen das Leben auf diese Weise oft zur Hölle gemacht wird. Jeder der gering qualifizierte Freunde, Familienmitglieder oder Kollegen hat, weiß, wie schlecht diese Menschen in unserer Gesellschaft behandelt werden.

Ein besonders schlimmer Ausdruck des Hasses unserer politischen und medialen Eliten gegenüber dem Volk ist, dass diese Grausamkeit und Brutalität gegenüber diesen Menschen am unteren Rand unseres Arbeitsmarktes, mit denen wir eigentlich solidarisch sein sollten, weil sie zu unserem Volk gehören, stillschweigend akzeptiert wird.

 

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