Mein Herz schlägt links

Initiative linker SozialdemokratenInnen in der SPD

  • Schrift vergrößern
  • Standard-Schriftgröße
  • Schriftgröße verkleinern
Start

Die Globalisierung in ihrem Lauf, hält weder Ochs noch Esel auf

E-Mail Drucken PDF

 

 

 

Weder beim linken Establishment noch bei den Trumpanhängern wird argumentiert.

Die perfekte Sprachlosigkeit erwartet uns auch in Europa.

Gedanken zu einem Fernsehabend zur Einführung des amerikanischen Präsidenten.

“Keine Seite hört die andere.” So kommentierte ein Amerikaner die Demonstrationen, die gestern angesichts der Amtseinführungen von Donald Trump für und gegen den neuen Präsidenten in Washington und New York stattfanden.

Tatsächlich bot der gestrige Fernsehabend viel aufgeladene Elemente einer unversöhnlichen Feindschaft insbesondere von Trump-Gegnern, während die Trump-Befürworter, eher älteren Semesters, gelassen, aber für Kritik unempfindlich, ihren neuen Führer feierten.

In seiner Antrittsrede, sprach der 45. amerikanische Präsident folgerichtig auch von einer Bewegung, als deren Anführer er sich versteht und machte keinen Hehl daraus, dass sich diese Bewegung vor allem gegen das Establishment, die Washingtoner Elite, richtet. Mit ihm käme das Volk wieder an die Macht.

Die Rede wirkte wie ein Erdbeben, in den vorderen Rängen sah man versteinerte Gesichter, egal ob die Kamera auf die Clintons oder Obama selbst gerichtet wurde, die Anspannung war spürbar.

Die öffentlich rechtlichen Kommentatoren überschlugen sich mit fatalistischen Einschätzungen, von einer düsteren Rede wurde gesprochen, wobei die Anhänger Trumps, die mit geschätzten 800 000 Feiernden die größte Gruppe darstellten, eher fröhlich wirkten.

Der Weltuntergang findet derzeit vor allem bei den Demokraten und den Linken statt oder steht dort kurz bevor, wobei es erstaunlich ist, dass auch hochintelligente, politische Schwergewichte, wie der Luxemburgische Außenminister Jean Asselborn, den Rechtsruck in Europa und in den USA nur durch das Symptom erklären können und für die Ursachen überhaupt keine Begründung finden, jedenfalls keine, die sie öffentlich sagen dürfen.

Im Phönix-Dialog antwortete Asselborn auf die Frage nach der Ursache des Auseinanderfallens Europas, fast versehentlich mit dem ersten Halbsatz, in dem er das massive sozioökonomische Ungleichgewicht der EU erwähnte, dann so, wie es von ihm erwartet wird, mit der falschen und vereinfachten Darstellung und unrealistischen Konzepten, welche die Populisten derzeit überall, auch in der EU, an die Wähler verkaufen würden.

Das setzt hunderte Millionen EU-Bürger voraus, die sich mal eben von Populisten an der Nase herumführen lassen und nicht in der Lage sind, selbst zu denken. Jede dieser Äußerungen führt zu einem weiteren Verdruss bei den Menschen, welche die eigentlichen Ursachen der Krise hautnah erleben.

Die EU hat für viele Menschen ihr Versprechen auf Wohlstand und eine faire Verteilung dieses Wohlstandes nicht eingelöst. Die Arbeitslosenzahlen innerhalb des europäischen Binnenmarktes sprechen hier eine deutliche Sprache, insbesondere bei den jungen Menschen. Eine Jugendarbeitslosigkeit von zwanzig bis fünfundzwanzig Prozent ist ein Skandal, den gerade die reichen europäischen Länder zu verantworten haben, welche nebenbei von der Arbeitsmigration junger Europäer auch noch profitieren.

Die Verheißung der Globalisierung produziert Wachstumszahlen, die in der Breite der europäischen Bevölkerungen reine Makulatur sind. Sie kommen dort ebenso wenig bei den Menschen an, die keine wachsenden Reallöhne trotz Mehrarbeit sehen, sondern einen sinkenden Lebensstandard, wie in Südeuropa, Frankreich und Deutschland.

Wer glaubt denn ernsthaft, dass sich die arbeitende Bevölkerung der kapitalistischen Verarmungsideologie preisgeben lässt und dann auch noch ruhig mit ansieht, wie überall Zuwanderung von Menschen, die noch ärmer sind, generiert wird?

Der Philosoph, Karl Jaspers, hat einmal in einem Interview über das Wesen der menschlichen Existenz und einer Frage nach der richtigen Argumentation gegenüber den Marxisten, geantwortet, dass man dem Fanatismus mit Tatsachen entgegentreten muss.

Mit welchen Tatsachen wollen proeuropäische Politiker den europäischen Populisten und Nationalisten entgegentreten? Wird das Jahr 2017 eine Wiederholung des sprachlosen amerikanischen Wahlkampfes 2016, in dem die Demokraten und Linken zusammen mit dem amerikanischen Medienkartell nur eine Diskreditierungskampagne als Antwort fanden?

Auch gestern bei der Amtseinführung in Amerika sah es so aus, als würde die Sprachlosigkeit in Bezug auf die Benennung der gesellschaftlichen Tatsachen in Amerika weitergehen. Kein Wort über den Rust-Belt, kein Wort über sinkende Reallöhne, kein Wort über ein Amerika, das für die Abgehängten zaghaft ein soziales Netz eingerichtet hat, weil die linken Eliten keine Antwort auf die Forderungen der globalen Wirtschaft haben?

Trump zumindest hat eine Antwort, wenn sie auch rückwärtsgewandt ist und einem neuen New-Deal-Programm sowie Protektionismus einhergehen wird. Dahinter steht die Arbeitshypothese, dass die Amerikaner nur dann mit dem Niedriglohnland Mexiko konkurrieren müssen, wenn amerikanische und europäische Autokonzerne weiterhin dorthin abwandern können. Was, wenn man eben diese Konzerne unter Druck setzt? Was, wenn man die Abwanderung westlicher Technologie nach China stoppt?

Das sind eigentlich Fragen, die linke Politiker stellen müssten, wenn ihnen ihr Klientel, die einfache, arbeitende Bevölkerung noch wichtig wäre. Ist sie aber nicht, weder in Amerika noch in Europa.

Die Frage nach der sozialen Gerechtigkeit wurde von den Rechten entdeckt, weshalb die Linken plötzlich ohne Argumente dastehen.

Die Diskussion zwischen den verfeindeten Lagern kann auch deshalb nicht entstehen, weil die Linken, so sie sich auf die Frage der sozialen Gerechtigkeit einließen, als Verteidiger einer Globalisierungsideologie dastünden, die nicht weniger fanatisch wirken würde, als ehemals der Sozialismus. Globalisierung wird bei den etablierten Eliten derzeit ähnlich unbeeinflussbar und naturgesetzlich betrachtet, wie der real existierende Sozialismus seine Entwicklung zum Kommunismus sah: „Den Sozialismus in seinem Lauf, hält weder Ochs noch Esel auf.“ Jeder, der an der Ideologie zweifelte konnte überlegen, ob er Ochs oder Esel sein wollte.

Bei der Globalisierungsideologie, die effektiver Nachfolger des Sozialismus geworden ist, würden viele etablierte Linke genau dasselbe behaupten:

Die Globalisierung in ihrem Lauf hält weder Ochs noch Esel auf

Stimmt das?

Beim real existierenden Sozialismus wissen wir nun, dass es sich um einen Irrtum handelte, der durch Fanatismus über Jahrzehnte seiner Erkenntnis entzogen war. Bei der Globalisierung handelt es sich nicht um Fanatismus?

Mal sehen, ob Trump ein Ochs und Putin ein Esel ist. Oder ob sich die etablierten Fanatiker mit dem euphemistischen Weltbild mal wieder verrechnet haben?

 

Wahlkampf

Erneuerbare Energien

Statistiken

Benutzer : 337
Beiträge : 5710
Weblinks : 145
Seitenaufrufe : 13618119

Verwandte Beiträge