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Explosives Elbegemisch

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Gleichheit oder Elite, so würde man sehr heruntergebrochen, die Bildungsansätze von Grünen und CDU gegenüberstellen.

Können sich diese Begriffe aber in der Praxis vereinen?

 

Sie können und tun es bereits seit einem Jahr mit der Schwarz-Grünen-Koalition in Hamburg.

Die bisher für unvereinbar gehaltenen Partner scheinen nun beide ihre Gesichter auf verschiedenen, politischen Feldern zu verlieren.

So büßten die Hamburger Grünen ihr Umweltprofil ein, in dem sie die CDU das umstrittene Kohlekraftwerk bauen ließen, gegen das die Grünen in der Opposition noch gewettert hatten.

Im Gegenzug gewährte die CDU der grünen Schulsenatorin Christa Goetsch einmal ordentlich das Hamburger Schulsystem umzupflügen.

Seit die Inhalte ihrer angestrebten revolutionären Reform präsentiert wurden, ist in der Stadt an der Elbe die Bildungsschlacht ausgebrochen, in der sich Politiker, Lehrer und Initiativen um Initiativen gegenseitig bekämpfen und beschuldigen.

Tatsächlich ist es interessant mit an zu sehen, wie BürgerInnen und Verbände dort mit den Umwälzungen umgehen.

Dabei scheinen längst gezogen Schlüsse aus den PISA-Studien, wie z. B. längeres, gemeinsames Lernen angezweifelt zu werden.

Die Bildungsreform in ihren Eckpunkten:

- Grundschule, nun Primarschule, wird auf sechs Jahre verlängert

- Hauptschulen werden abgeschafft, Stadtteilschulen bis zur 9. bzw. 10. Klasse und Gymnasien bleiben bestehen

- kleinere Klassensätze bis zu 25 Schülern an Stadtteilschulen(20 in Problemstadtteilen)

- Zensurenkonferenz entscheidet alleinig ob SchülerIn auf Stadtteilschule oder Gymnasium geht

- Vorschuljahr wird bereits in der Primarschule erteilt

- in den Zeugnissen werden systematisch Kompetenzen des Schülers aufgelistet

- Sitzenbleiben wird abgeschafft

- in manchen Fächern statt Noten Punktesystem

Mit der Abschaffung der Hauptschulen schotten sich die Gymnasien nun zu Trutzburgen ab, um ihren vermeintlichen Bedeutungsverlust zu entgehen.

Es dürfte nun schwieriger werden, die Schüler innerhalb von nun nur noch 6 Jahren auf die Hochschulreife zu bringen, hallt es von den Gymnasien.

Auch dem Deutschen Lehrerverband ist dieser Reformeifer zu viel des Guten.

Um den Reformgegner Walter Scheuerl sammeln sich nun Lehrer wie auch viele erboste Eltern zu der Initiative „Wir wollen lernen“ um das Rad wieder kräftig zurück zu drehen.

Scheuerl befeuerte nun die Unterschriftenaktion für einen Volksentscheid gegen die Reform und bekam tatsächlich rund 180.000 Unterschriften - 62.000 wären nötig gewesen, um einen Volksentscheid in Hamburg anzuzetteln.

Dabei geizte der Jurist nicht mit Polemik und netten Vergleichen.

Erst noch verglich er Goetschs Reform mit der „Kulturrevolution Maos“ und, nach den vielen Unterschriften, mit „NS-Pädagogik“.

Dagmar Wagener ist enttäuscht, dass die CDU die Grünen so walten lässt.

Sie ist im Verband der Hamburger Gymnasialschulleiter und mithin der Meinung die CDU hätte hier ihre Inhalte verraten.

Tatsächlich, so Goetsch, steht im Vordergrund dieser Reform den schwächeren Schülern zu helfen und sie individuell zu fördern.

Hat die CDU ihren elitären Anspruch abgesagt?

Nicht wirklich jedenfalls.

Bereits unter der vorherigen CDU-Regierung in Hamburg bekam man Wind von der schlechten Schulsituation u.a. durch PISA.

Daher ist die Forderung die Hauptschule abzuschaffen bereits im CDU-Wahlprogramm zu lesen.

Christa Goetsch musste sich in diesem Punkt sogar zurücknehmen.

Sie ist Mitglied der Initiative „Eine Schule für alle“ und hätte lieber auch die Gymnasien gleich eingestampft und die Gemeinschaftsschule ausgerufen.

Eine bürokratische Herkules-Aufgabe wurde der Ausbau der 250 Grundschulen in Hamburg um 2 Jahre.

Allerdings können 5. Und 6. Primarklassen dann außerhalb des Grundschulgebäudes unterrichtet werden, sprich nutzen auch die Stadtteilschulen mit, die ja früher Gesamtschulen waren.

Mancher Gymnasiallehrer hingegen fährt für den Unterricht dann eben in die Primarschule.

Strittig ist vor allem der Umstand, dass nun ausschließlich Lehrer über den weiteren Weg eines Schülers, also den Gang zur Stadtteilschule oder Gymnasium entscheiden.

Goetsch sagte gegenüber dem Spiegel, dass dieser Passus verhandelbar sei.

Nach den heftigen Protesten vieler Hamburger und dem bevorstehenden Bürgerentscheid stehen Goetsch und der Bürgermeister, Ole von Beust, unter Druck.

Gleichzeitig rumort es aus den jeweiligen Parteien.

Die CDU verliert ihre konservativen Bürger, die weitreichende Reformen immer skeptisch betrachten, und die Grünen drohen nun auf dem letzten Kampfplatz nach der Umwelt auch noch die Bildung zu verlieren, sollte der Entscheid die Reform letzten Endes kippen.

Bis zum 17. März 2010, der Bürgerschaftssitzung in Hamburg, kann das rollende Rad gestoppt werden.

Stadtteil- und Primarschulen sind allerdings schon auf das nächste Schuljahr vorbereitet.

Es droht das Schulchaos, sollte ab März wieder alles zurückgedreht werden.

Bis dahin wirbt die Schulsenatorin nun vermittelnd durch alle Schulen und arbeitet daran die Bürger doch noch genügend über die Reform zu „informieren“.

www.TiroKratie.mixxt.de

 

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