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Sigmar Gabriel bei Maybritt Illner über Hartz IV

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Eine kurze Replik auf die Hartz IV-Philosophie, die Sigmar Gabriel am 14.1. bei Maybritt Illner auszugsweise vorgetragen hat.

Schön, dass er zugibt, dass Fehler gemacht wurden.

Gut, dass er verstanden hat, warum Hartz IV zu einer Explosion von prekären Arbeitsverhältnissen geführt hat.

Schade, dass er dieses Gesetzesmachwerk dennoch zu einer Philosphie erhebt, und die alten Allgemeinplätze herunterbetet, die niemandem geholfen und vielen geschadet haben.

"Es darf nicht sein, dass jemand mit Hartz IV durch zusätzliche Arbeit so aufstocken kann, dass er mehr hat, als einer, der nur von seiner Arbeit lebt."

Da auch Sigmar klar sein muss, dass er keine Arbeitsplätze backen kann, heisst das übersetzt in die Wirklichkeit der geringverdienenden Menschen:

Wer unten ist, der muss auch unten bleiben, solange er keine Arbeit findet, mit der er sich aus eigener Kraft besser stellen kann, sondern nur einen Zuverdienst.

Dies ist der erste Grundsatz der Seeheimer Hartz IV-Philosphie: Harzt IV bleibt Hartz IV! Scheiss auf die Leute, die keinen vernünftigen Arbeitsplatz finden.

Stattdessen fordert er einen gesetzlichen Mindestlohn. Warum stattdessen? Ein gesetzlicher Mindestlohn muss gefordert werden, damit die weitere Ausbreitung von Sklavenarbeit verhindert wird und nicht, um die HartzIV-Philosphie zu legitimieren!

Richtig ist: Die Zuverdienstgrenzen müssen erhöht werden und zugleich brauchen wir einen gesetzlichen Mindestlohn!

Als nächstes vollbringt Sigmar Gabriel das Kunststück, die Diskussion über ein bedingungsloses Grundeinkommen allein der FDP zuzuschreiben(Stichwort Bürgergeld).

Er verschweigt dabei fast arglistig, dass es in der SPD eine erhebliche Diskussion über dieses Thema und viele Befürworter eines Grundeinkommens in der SPD gibt.

In meine-SPD.net ist dies das aktivste Forum überhaupt und mit Abstand!

Warum verschweigt er das? Ich vermute, weil ein bedingungsloses Grundeinkommen oder Bürgergeld oder wie auch immer, der HartzIV-Philosophie über den Menschen diametral entgegengesetzt ist.

Diese Philosophie besagt nämlich, dass der Mensch nur dann wieder in der Lage ist, seinen Lebenunterhalt zu verdienen, wenn man ihn so stark unter Druck setzt, dass er es in der Situation eines Leistungsempfängers kaum noch aushält.

Die Reglementierung muss so heftig sein, dass er keine Chance hat sich in der Situation einzurichtenl, sondern einsehen muss, dass er sich in einem demütigenden Kampf um die Zuwendungen der Gemeinschaft nur aufreibt.

Dies ist die Realität der Hartz IV Gesetze aus der Sicht der Leistungsempfänger und es ist zugleich die Philosophie, die dahinter steht.

Sie beruht auf dem Trugschluss, dass man nur lange genug strampeln muss, bis die Milch zur Butter wird und man aus dem Topf in den man hineingefallen ist, wieder herausklettern kann.

Eine völlige Verkennung der Realität am Arbeitsmarkt.

Dort haben wir ein neues Proletariat ohne Interessensvertretung, welches hilflos Dumpinglöhnen und einer skrupellosen Schicht von  Billig-Unternehmern ausgeliefert ist, die gerade im Dienstleistungsbereich wie Unkraut aus den Trümmern unserer sozialen Marktwirtschaft hervorwuchert.

Angefeuert von der Hartz IV Gesetzgebung, durch die die Menschen mit massiver Gewalt in präkere Arbeitsverhältnisse gedrängt werden.

Dies zum Wohle der Arbeitslosen-Statistik. ("Heil" Statistik! Der neue Hubertus-Gruß)

Für Sigmar kein Grund an der Hartz-IV-Philosophie zu zweifeln! Es kann nicht sein, was nicht sein darf!

Schuld ist auch die CDU, die keine gesetzlichen Mindestlöhne zulässt. "Kein Unternehmer könne außerdem vernünftige Löhne zahlen, solange der Staat im großen Stil Dumpinglöhne subventioniert."

Da hat Sigmar recht! Nur wie will er das den 4 Millionen Leuten, die bald ohne Job sind erklären? Wenn ihr keinen Arbeitsplatz für 10 Euro pro Stunde bekommt, dann müsst ihr halt hungern (wenigstens psychisch)!

Hartz IV bleibt Hartz IV!

Kann man so stur sein? Kann man so dumm sein, dass einfache Realitäten und die Not von Menschen nichts bedeuten? Die eigene HartzIV-Ideologie aber alles?

Hubertus, Sigmar, Frank Walter, Franz, Jungs! Jetzt mal deutlich!

Für weite Teile der Bevölkerung ist der Arbeitsmarkt im Arsch!

Viele Menschen werden auf absehbare Zeit von ihrer Arbeit nicht mehr leben können!

Die brauchen ein Recht auf Existenzsicherung in Würde und ohne Schikanen!

Sie brauchen eine Chance sich etwas dazuzuverdienen um die eigenen Möglichkeiten wieder erleben zu können und sei es nur im bescheidenen Rahmen.

Aber nicht 160 Euro im Monat! Die brauchen ein Recht etwas für ihre Zukunft zu tun und wenn sie es schon getan haben, das auch zu behalten!

Sie brauchen ein Recht auf Teilhabe und nicht nur auf biologische Existenzerhaltung! Dafür braucht man Geld, dass man sich auch dazuverdienen dürfen muss!

Die brauchen vor allem eine Würdigung und nicht die Stigmatisierung, die unsere Partei ihnen angetan hat.

Bürgergeld, das klingt wenigstens noch nach Würde und Anspruch.

Hartz IV oder ALG II das klingt nach Nummern auf dem Arm!

Mit so einer Philosophie vom Menschen, die ihr vor unserer Partei herunterbetet und sogar noch in die Talkshows tragt, mit so einer verbohrten Ignoranz den menschlichen Realitäten gegenüber.

Mit so einem autoritären Menschenbild, wie ihr es mit den Hartz-Gesetzen immer noch betonieren wollt, ist es für die FDP, und die CDU ein Leichtes, unsere SPD links zu überholen.

Was muss passieren, damit ihr endlich vernünftig werdet?

Müssen wir Euch erst eigenhändig vom Podium holen?



 

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