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Initiative linker SozialdemokratenInnen in der SPD

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Granit

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Unsere Zeiten sind hart. Und sie werden noch härter – warum?

Wir müssen fürchten, dass die berühmte Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinander klaffen wird. Für einige (für viele von uns) bedeutet das konkret:

Wir können unser Leben nicht bezahlen.

Wir sind an den Rand gedrängt.

Wir wollen unsere Wünsche durchsetzen (überhaupt erreichen, dass sie denn gehört würden).

Wir wollen aber auf jeden Fall nicht, dass wir damit „auf Granit beißen“ müssen.

AUF GRANIT BEISSEN.

ot;>Es ist ein geflügeltes Wort geworden.

Es drückt Macht aus, Unbeeinflussbarkeit, den unbändigen Willen, unüberwindbar zu sein und festhalten zu können, was eigenes Refugium, starr gewordenen Selbstwert beschreibt.

ES IST EIN ZEICHEN DIESER ZEIT.

Alle beißen sie … auf GRANIT:

- der brasilianische Erstligist Fluminense (im Ansinnen, Bayernspieler Breno abwerben zu können),

- kleine Stadtgemeinden (im Ansinnen, eigene Standorte gegenüber übergeordneter Interessen von Mobilfunkanbi etern schützen zu wollen),

- Roland Koch bei Kanzlerin Merkel (im Ansinnen, zuerst doch bei Kindern und Bildung zu sparen),

- Frau von der Leyen (im Ansinnen, dass Bundesagentur für Arbeit und Kommunen ihre Betreuungsaufgaben formal getrennt wahrnehmen),

- die Regulatoren gegenüber ausbeutender Banken (im Ansinnen, Finanzaufsichten durchsetzen zu wollen), unser schönes Land (im Ansinnen,

Ausgaben drosseln zu können, die vorher künstlich nach oben geschraubt worden waren) … usw.

Verbissenheit breitet sich aus.

Gewissenlosigkeit.

Abgrenzung vom Eigenen zum Andern hin.

Hauen und Stechen sind an der Tagesordnung.

Es wird zugebissen, zurückgebissen.

Hauptsache: ureigenste Areale, Aktionskreise, Besitzfelder sind beschrieben, verteidigt, unantastbar festgelegt.

„BETRETEN VERBOTEN“, heißt die Devise.

Wer nicht zurück beißen kann, wer allein geblieben ist mit sich und seinen Sorgen, wer sich nicht durchzusetzen wusste, wer nun endlich den „Rand“ unserer Gesellschaft besetzt, … ist einer neuen Kälte der Sprachlosigkeit, der Isolation, dem Verlassensein ausgesetzt.

Der BALL ist rund.

Der KREISEL dreht sich.

Die SPIRALE des Wohlwollens, der Toleranz,  der Mitmenschlichkeit bewegt sich unaufhörlich nach unten.

Warum GRANIT?

Warum verbissenes Festhalten?

Warum der unnachgiebige Kampf um Besitzanspruch?

Warum Erfolg dem, der genau das am besten kann: eigenen Gusto über die Interessen der anderen stellen?

Warum siegreich gefeiert werden, obwohl nur Geschrei die Ware war, die meistbietend angeboten worden ist?

Warum gutgläubiges Volk, obwohl es weiß, dass widerspruchloses Funktionieren die Spirale nach unten von selbst in Gang setzen würde?

GRANIT.

Warum nicht Auseinandersetzung, Disput, konstruktives Gespräch?

Warum nicht Menschenrecht und Freiheitsgedanke und Werteempfinden?

Warum nicht Gemeinsinn und einiges Streben nach Solidarität, Lebensfreude, Zukunftswollen, Gerechtigkeit?

WIR MÜSSTEN ES BESSER WISSEN UND BESSER MACHEN.

Auf einem Besuch in Berlin vor wenigen Tagen galt es, das Sowjetische Ehrenmal im
Treptower Park zu besichtigen.

Breit angelegte, von beschützendem Blattwerk bedeckte Alleen auf sandigem Wege luden ein, sich darauf einzulassen.

Es ist leicht, dort zu wandern.

Es ist nicht ganz so leicht, das rechte Wort zu finden.

Es ist schwer, aufgefordert zu sein, fremd anmutende weil doch entfernte und belastende Geschichte unseres Landes (mit)anzusehen.

Die Baumallee, geneigte Birken breiten ihre Arme aus, öffnen die Sicht über einen Platz, heute Licht durchflutet, von heißer Sonne beschienen, … und auf Stelen (nein, es sind in Wahrheit Sarkophage) links und rechts.

Reliefs zur Geschichte des vaterländischen Krieges der Sowietvölker zeigen Bilder der Verzweiflung, Bilder der verwegenen Hilfeleistung, Bilder des Sterbens, Bilder verhehrender Ohnmacht im Angesicht unverzeihlichen Gemetzels, das ÜBERWINDUNG, BEFREIUNG, FRIEDEN den Weg bahnen wollte.

Emotional können wir nicht entlastet werden, während wir erschrocken und trostlos fühlend unter geschmeidigem Blattwerk weitergehen.

Es fällt uns nichts ein dagegen, es gibt keinen Trost gegen und keine Antwort auf all das.

Zu gerne möchten wir aufweichen, was wir sehen.

Zu gerne möchten wir nicht zeigen, was  wir denken, was wir fühlen.

Am liebsten würden wir ausweichen können.

Und eigentlich möchten wir nicht zuständig sein, da 80.000 sowjetische Soldaten der Eroberung Berlins zum Opfer gefallen sind.

ES WÄRE LEICHTER SO.

Aber: wir sind noch nicht am Ende.

Vor uns ragt die Statue eines Soldaten, 11 m hoch, 70 t schwer, ganz aus Granit gebaut.

In seiner Hand: ein bombastisches Schwert.

Auf seinem Arm: ein Kind.

Zu seinen Füssen: das Hakenkreuz Hitlers – hier mit dem Schwert zerschlagen.

Das aber sehen wir erst auf den zweiten Blick.

GRANIT.

Hier steht dies dunkelglimmernde Gestein GEGEN die GEISSELUNG der MENSCHHEIT und FÜR den KAMPF um FRIEDEN, DEMOKRATIE UND SOZIALISMUS (O. Grothewohl).

Hier steht baubewährtes Gestein für die Unantastbarkeit einer neuen Zukunft, die Menschen nicht umbringt, nicht verletzt, die dem kleinen Kind auf starker Hand Selbstgestaltung, Planen, freie Hand zugestehen will.

WO IST UNSER KIND?

WO IST UNSERE ZUKUNFT?

WO IST BEI UNS STARKE HAND?

GRANIT?

Es sollte kein Leben mehr kosten: dieses Ringen um Leben.

Es sollte uns allen wichtig sein: dies Wissen um die Freiheit.

Und es sollte für alle verzichtbar sein: dies eigennützige Kämpfen um Sieg.

Dies Kind sollte jederzeit geboren werden können: dies Kind auf starker Hand.

Es sollte uns regieren können und in der Tat selbst bestimmen dürfen, wie seine Zukunft aussehen mag.

Dazu benötigt es freien Atmen, das offene Wort. Ehrlichkeit, Geradlinigkeit und wahrhaftiges Ringen um alles das, was wir soziale Größe, Gerechtigkeit nennen.

Der Krieg zwischen den Mächtigen scheint nicht geeignet, unser Land in Demokratie und Würde lebendig zu halten.

Verachtung und Eigennutz nicht, sozialen Frieden zu retten, zu bewahren.

Jeder braucht jeden, besonders dann, wenn schwere Zeiten angebrochen sind.

Das gilt nicht nur uns sondern gerade denen, denen auf politischem Boden Verantwortung für uns angetragen worden ist.

Unsere Regierung aber sollte wissen, wir ihre Kinder heißen und, dass sie mit geschickter Hand hochzuhalten, zu schützen sind.

Gerade deshalb, weil Krise ist.

Ihre Werke müssen keine Monumente sein. Sie brauchen aber den Zuspruch der vielen Kleinen, damit ihre Erfolge lebendig und trittfest, nachprüfbar sind.

Ach ja. Das Hakenkreuz ist zerschlagen.

Unsere Haken wollen wir auch zerschlagen.

Nicht mit Gewalt.

Nicht mit Bevormundung.

Nicht mit Lüge.

Nicht mit Menschenverachtung.

Nicht mit Kleinreden von Problemen.

Wir wollen sie aufweichen, wegwerfen, den Fehlern unserer Vergangenheit anvertrauen können für eine Zukunft, mit der sich ganz einfach leben lässt …

WAHRSCHEINLICH NÄMLICH SÄHE SO GERECHTIGKEIT AUS. (BRU 20. Juli 2010)

 

 

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