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Unser Gesundheitssystem – die Quadratur des Kreises!

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Kann man Marktwirtschaft und Planwirtschaft innerhalb eines Systems vereinigen?

Die klare Antwort ist Nein.

Es entspricht in etwa der Quadratur des Kreises.

Ein Kompromiss, der uns allerdings in den letzten 60 Jahren immer schlechter gelungen ist und uns teuer zu stehen kam.

Heute haben wir ein quadratisches Sumpfgebiet an dessen Kanalisation noch jeder Gesundheitsminister gescheitert ist.

Faktisch haben wir den teuersten Gesundheitssumpf der Welt.

Vielleicht nicht so schlimm, weil wir ja sonst keine Sümpfe haben.

Oh, Entschuldigung ich vergaß den Lobbyismus und die Korruption.

Ach ja, den Verwaltungsfilz habe ich auch noch vergessen.

Also, ein paar andere Sümpfe haben wir schon noch.

Dennoch ist unser Gesundheitssystem nicht wirklich teuerer, als die Ansprüche, die wir daran stellen, vermuten lassen.

In jeder Kleinstadt muss es ein Krankenhaus mit annähernder Vollversorgung geben und wehe nicht.

Wehe, der Bürger muss ein paar Kilometer fahren.

Dann ist der Teufel los. Unterversorgung!

Stichwort Ärztemangel.

Schmerzlich vermisst werden Landärzte.

Du liebe Güte, wer möchte bei den heutigen Ansprüchen der Kleinkleckersdörfer überhaupt noch Landarzt werden.

Da wird man wegen Juckreiz nachts aus dem Bett geholt und wehe man kommt nicht.

Es könnte ja allergisch sein und in kürzester Zeit zum Koma führen!

Die Deutschen sind so hypochondrisch verwöhnt, dass es alle europäischen Maßstäbe sprengt.

Auch dies gehört zum Sumpf: Maßlose Ansprüche.

Jedes planwirtschaftliche System, dass die Wünsche der Bürger e lt;/script> ffizient und schnell befriedigen will, kann nur Bankrott gehen.

Wo geliefert wird, wird genommen und gefordert.

Wo mehr geliefert wird, wir noch mehr genommen und noch viel mehr gefordert.

Das wissen wir nicht erst seit dem wirtschaftlichen Zusammenbruch der DDR.

Die einzige Möglichkeit für solche Systeme ist, das Angebot zu verknappen und nach den vorhandenen Ressourcen zu richten.

Auch das wissen wir aus der DDR.

Die Leute standen Schlange für fast alles oder für nichts.

Weg hieß weg, dann gab es eben nichts mehr.

Das galt übrigens auch für die Medizin.

Das Angebot richtete sich nach den Ressourcen.

Wo es kein Computertomogramm gab, da gab es das eben nicht.

Die Ressourcen begrenzten das Angebot und trotzdem war die Gesundheitsversorgung teuer, zu teuer für die Leistung jener Volkswirtschaft.

Was lehrt uns das?

Wenn wir weiterhin die höchsten Ansprüch e an unser Gesundheitssystem stellen wollen, dann brauchen wir eine äußerst bewusste Wende.

Bewusst, weil wir wissen, dass unsere Ansprüche im europäischen Vergleich eigentlich zu hoch sind.

Wende, weil unsere Erwartungen das jetzige System in den Bankrott treiben werden.

Nun könnte der passionierte Patient und Praxis-Abonent entgegnen, dass es viel zu viele Profite in der Gesundheitsbranche gibt.

Das ist auch richtig.

Allerdings ist auch das eine Frage des Konsumverhaltens.

Wenn jeder Mist gekauft wird, dann steigen eben die Preise und auch die Profite der Pharmafirmen.

Tatsächlich wird jeder Mist gekauft und von den Patienten nachgefragt.

Von der Anti-Aging-Medizin bis zur Schweinegrippe-Hysterie.

Alle ängstlichen Befindlichkeiten sollen möglichst von den Kassen oder dem Steuerzahler bezahlt werden.

Schlimm wenn sich denn auch noch die Politik vor den Pharma-Karren spannen lässt.

Die Schweinegrippe-Hysterie hat uns mal eben eine Milliarde Euro gekostet, ohne irgendetwas gebracht zu haben, oder auch nur gebraucht zu werden.

Ein netter Gag, uns das Geld aus der Tasche zu ziehen.

Genau so geht es mit Migränemitteln, manchen Schmerzmedikamenten, überteuerten Insulinen oder einigen Psychopharmaka.

Die Positivliste, der wirklich wirksamen Medikamente, sollte schon lange eingeführt sein, ist aber bislang am Widerstand der Pharmalobby und den „viel hilft viel“- Wünschen der Patienten gescheitert.

Eine sehr unheilige Allianz!

Wir sehen, was passiert, wenn Marktwirtschaft innerhalb der Planwirtschaft stattfindet.

Wo es nur darum geht Budgets wieder aufzufüllen, wird das Geld hemmungslos raus gehauen und alle machen mit.

Die Kassen, die Leistungsanbieter, die Patienten und die Politiker.

Die solidarische gesundheitliche Maximalversorgung ist eben auch ein Wahlschlager.

Die Pharmabranche reibt sich die Hände und die Deutschen bleiben schizophren.

Der gierige Patient ist zugleich der empörte Wähler, wenn er Zusatzbeiträge zahlen soll.

Also brauchen wir ein marktwirtschaftliches Gesundheitssystem?

Hat Rösler die Lösung gefunden?

Schon.

Wir müssten nur akzeptieren, dass unsere medizinische Versorgung fortan am Geldbeutel hängt.

Wer viel zahlen kann, wird dann eben besser versorgt.

Arme Schlucker kriegen die Minimalversorgung.

So funktioniert das in Amerika schon seit Langem, ohne dass die Amerikaner bisher ausgestorben wären.

Aber wollen wir das auch?

Vorteil wäre, dass sich dann jeder für seine persönliche Bedürfnislage versichert.

Die größten Hypochonder geben dann anteilig das meiste Geld für die Gesundheit aus.

Wer arm ist, sollte lieber nicht zu hypochondrisch sein, weil er sich bestenfalls noch die schweren und lebensbedrohlichen Erkrankungen leisten kann.

Der Psychiater und Psychotherapeut für jeden fällt dann wohl auch flach und orthopädische Leistungen gibt es nur noch nach strenger Indikationsstellung.

Wie gesagt, arm sollte man in einem marktwirtschaftlichen Gesundheitssystem lieber nicht sein.

Was wäre denn die Alternative?

Ich glaube, dass es nur eine Alternative gibt.

Vernünftige Selbstbegrenzung in einer geplanten Medizin.

Ärzte werden häufig für Aufgaben eingesetzt, die eigentlich gar nicht ärztlich sind.

Eine Arztpraxis gleicht nicht selten einem Schreibbüro in dem mit Hochdruck Bescheinigungen und Dokumente für alle Ansprüche herausgehauen werden.

In einer Anspruchsgesellschaft braucht man eben auch viele Bescheinigungen:

Vom Schwerbehinderten bis zum Medizinischen Dienst der Krankenkassen, alle wollen bedient werden.

Diese Aufgaben sollten wieder auf amtsärztliche Dienste zurückgeführt werden, auch wenn dann die Wartezeiten länger werden.

Schluss mit der freien Arztwahl.

Wiedereinführung von Polikliniken, die im Bezirk die Patienten versorgen.

Wer dort nicht hin will, muss sich an einen Hausarzt binden, der nur bei Umzug gewechselt werden kann.

Kein Doktorhopping und keine Doppelversorgung mehr.

Reform der Krankenpflegeberufe.

Bei zunehmendem Ärztemangel, können viele Aufgaben durch besser ausgebildete Krankenpfleger und Schwestern wahrgenommen werden.

Das Prinzip: Nurse before Doctor, wie es beispielsweise in Schweden praktiziert wird, führt nicht zu einer schlechteren Versorgung.

Die Ärzte in den Kliniken und Polikliniken werden entlastet, weil besser ausgebildetes Pflegepersonal viele medizinische und diagnostische Aufgaben übernimmt und die Entscheidung trifft, wer dem Arzt vorgestellt wird und wer nicht.

Dafür braucht man allerdings eine reformierte Ausbildung der Krankenpflege, die dann in Verbindung mit einem sechssemestrigen Studium zu einem höheren Qualifikationsniveau führen kann.

Der erregte Ausruf ansprüchlicher Patienten: „Ich will jetzt sofort einen Arzt sprechen!“ gehört dann vielleicht der Vergangenheit an, weil die Schwester besser in der Lage ist, den Arzt zu ersetzen.

Billiger wird das mit Sicherheit.

Stationäre Betten streichen!!

Wir haben europaweit mit Abstand die höchste Bettendichte für unsere Bevölkerung.

Weil jedes Krankenhaus überleben möchte, werden diese Betten auch belegt.

Egal wie.

Also macht es Sinn, Krankenhäuser zu schließen.

Gerade in Ballungsräumen wären wir mit der Hälfte der Krankenhäuser immer noch ausreichend versorgt.

Positivliste.

Wann kommt endlich die Positivliste?

Nur Medikamente, die es auf diese Liste schaffen, werden auch bezahlt.

Der Rest ist Privatvergnügen.

Wirksamkeitsnachweise, die auch ein Minimum einer Kosten-Nutzen-Relation enthalten, sind Voraussetzungen um einen Platz dort zu bekommen.

Wir haben viel zu viel teuren Medikamentenmüll, der nachgewiesener Maßen nichts bringt, außer den Patienten das Gefühl zu geben, dass etwas für sie getan wird.

Milliarden für teuere Placebos. Damit muss Schluss sein.

Bürgerversicherung.

Eine Krankenkasse finanziert das gesamte System, in dem alle pflichtversichert sind und einkommensabhängig einzahlen müssen.

Privatversicherungen sind private Zusatzversicherungen, mehr nicht.

Wer weiterhin wie ein König behandelt werden möchte, kann sich dann mit privaten Zusatzversicherungen für jedes kleine Bläschen eindecken.

Die Luxusversorgung kommt dann auch auf ihre Kosten, aber das läuft dann getrennt von unserem System.

Letztlich bedeutet dies, die marktwirtschaftliche Komponente unsere Gesundheitssystems tatsächlich auf den Bereich der privaten Finanzierung entweder durch Zusatzversicherungen oder entsprechende Selbstzahlerleistungen zu reduzieren.

Alles andere wird planwirtschaftliche gehandhabt und entsprechend gedeckelt.

Die Ansprüche der Bürger werden sich dementsprechend reduzieren müssen und der medizinische Fortschritt, wird vom System erst dann eingekauft, wenn er nachgewiesener Maßen einen echten Fortschritt mit einer vernünftigen Kosten-Nutzen-Relation darstellt.

Nur dieser Bewusstseinswandel in Richtung Vernunft und Bescheidenheit, kann ein solidarisches Gesundheitssystem retten.

Wenn wir weiterhin Röslers Marktradikalismus folgen, bekommen wir bald amerikanische Verhältnisse.

Wer, außer der Pharmaindustrie und ein paar Ärzten, will das schon?

 

 

 

 

 

 

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