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Die Unsichtbaren

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Es gibt hungrige Arme und Arme mit Handy, Arme die nicht lesen können und solche mit einem Doktorat in der Tasche.

Arme die kaum aus ihren Häusern kommen und solche die gerade entdecken, dass sie eigentlich nicht existieren.

Es gibt einsame Arme und solche aus Großfamilien, mit ein oder zwei Generationen, die Hilfe brauchen.

Lasst uns aber nach diesen Überlegungen auch konkret werden mit ein paar Schätzungen des Phänomens.

Die Weltbank definiert die absolute Armutsgrenze bei einem Einkommen, das unter 1,25. US$ täglich liegt.

Laut dieser Definition wären die Armen in der Welt 1,2 Milliarden.

Das European Centre for Social Welfare Policy and Research (ECSWPR) definiert etwas allgemeiner als"Subjekt mit Armutsrisiko" Jeden, der ein Einkommen bezieht, das 60% unter dem jeweilig durchschnittlichen nationalen Einkommen liegt.

Laut l'ECSWPR sind 15% der europäischen Bevölkerung und 14% der Deutschen arm.

In Deutschland leben also demnach 11.5 Milionen Menschen mit Armutsrisiko.

Es handelt sich um eine neue Klasse von Armen, weil sie “prekär” tagtäglich in der Unmöglichkeit leben die eigene Zukunft angemessen zu gestalten.

Ein Einkommen ist arm, wenn es für den Lebensunterhalt unzureichend ist, den Zugang zu bestimmten Serviceleistungen nicht gewährleistet, wie beispielsweise für eine eigene Unterkunft und nicht zur Verwirklichung des eigenen Lebensplanes beiträgt.

Deutschland ist jedoch ein soziales und demokratisches Land, in dem das System jedem Bürger die wesentlichen Serviceleistungen angedeihen lässt fürs eigene Überleben.

Auch Langzeitsarbeitslose erhalten eine finanzielle Unterstützung, die ausreicht, um die Miete zu bezahlen und die eigene Familie, wenn auch auf bescheidenem Niveau, zu ernähren und am Gesundheitswesen teilzunehmen.

Zu glauben, dass man das Phänomen der Verarmung mit einer Erhöhung des notwendigen Arbeitslosengeldes II (Hartz IV) bekämpfen könne, ist dennoch keine wirkliche Lösung und manchmal trägt es sogar dazu bei den Teufelskreis der sozialen Ausgrenzung zu alimentieren.

Aus diesem Grund kann man die Auffassung derer teilen, die meinen, dass Investitionen in die Infrastruktur mittel- und langfristig eine strukturelle Wirkung garantieren könnten, um diesen Teufelskreis der sozialen Ausgrenzung zu durchbrechen.

Gerade den neuen Armen würden damit Fluchtwege eröffnet, um ihren Lebensplan doch noch zu verwirklichen.

Man sollte bedenken, dass beispielsweise ein ungleiches Schulangebot die Ausgrenzung ganzer Gesellschaftsschichten, oder auch ganzer Landschaftskerne vom Arbeitsmarkt bewirkt, und somit sich auch auf den prozentualen Anteil an der Arbeitslosigkeit überträgt und dies wiederum auf die Armut dieser Schichten durchschlägt.

In diesem Zusammenhang weist das DIW Institut darauf hin, dass 2008 in Deutschland fast 25% der jungen Menschen im Alter zwischen 19 und 25 Jahren eine Gruppe mit Armutsrisiko waren und es sieht die Hauptursache in der zunehmenden Verschiebung des Eintrittsalters ins Erwerbsleben.

Dies ist auf die verlängerten Ausbildungszeiten zurückzuführen, aber auch auf die wachsende Zahl der Studienabgänger, auf mittelmäßige und präkere Bedingungen der Erstbeschäftigungsverhältnisse und der Tendenz immer frühzeitiger das Elternhaus zu verlassen.

Die Familien mit 3 oder mehr Kindern sind eine besonders gefährdete Gruppe mit erhöhtem Armutsrisiko, die in den letzten 10 Jahren einen überproportionalen Zuwachs an Armutsrisiko gegenüber anderen Gruppen zu verzeichnen hat.

Man geht von 22% vom Gesamtanteil der Familien mit 3 Kindern aus, von 36% bei denen mit 4 oder mehr Kindern und von 40% von denen mit alleinerziehendem Elternteil und mindestens einem minderjährigem Kind.

Sozialinvestitionen in Kinderbetreuung von Kindern im Vorschulalter und Infrastrukturen, die den jungen Familien und alleinerziehenden Eltern helfen könnten Arbeit und Kinderbetreuung zu vereinbaren, wären ein Schritt in die richtige Richtung, weil sie den Jungen erlauben würden dem Armutsrisiko zu entgehen, indem sie auf die eigenen Fähigkeiten setzen könnten anstatt auf Elterngeld.

In Deutschland werden solche Lösungen bevorzugt angewandt insofern sie Phänomene wie Alkoholismus, Drogenabhängigkeit und Gewalt in den Familien eindämmen.

Dennoch ist der Zugang zu den Kindergarten- und Krippenplätzen und die Schullaufbahn mit Problemen behaftet.

Der Bildungsweg der Kinder wird von schwerwiegenden sozialen Ungleichheiten begleitet, auch aufgrund einer schon relativ früh einsetzenden Selektion  geschätzter Lernattitüden noch in der Entwicklungsphase.

Diese Ungleichheiten werden oft von einem fast flächendeckendem Mangel an öffentlichen Ganztagseinrichtungen verschärft und der unabdingbaren Notwendigkeit, dass die Schüler zuhause von den Eltern bei ihren Hausaufgaben betreut werden müssen.

Es handelt sich um ein System, dass auf typische Weise die Schwächsten benachteiligt, allen voran Behinderte und Migranten: den ersten werden maßgeschneiderte Bildungswege zugewiesen, die sie bis zum Schulabgang in Sonderschulen relegiert.

Die Kinder aus Migrantenfamilien werden theoretisch in Regelklassen eingegliedert.

De facto führen die soeben beschriebenen Verhältnisse, neben den kulturellen und sprachlichen Eigenheiten, die eher als Handicap denn als Chance angesehen werden dazu, dass diese Schüler in Klassen landen, die verstärkt von anderen Migranten besucht werden, oder ihre Laufbahnen von erhöhtem Schulversagen gegenüber ihren deutschen Gleichaltrigen geprägt sind.

Das Ergebnis ist, dass 14% der Migranten keinen Studientitel vorweisen kann gegenüber nur 1,8% der Deutschen und 23,8% der Migranten mit dem Armutsrisiko leben muss gegenüber 13,2 % der Deutschen ohne Migrationserfahrung.

Die Relation zwischen Schulversagen und Armutsrisiko ist kaum zu übersehen.

Andere Risikogruppen sind ältere Menschen ab 75 Jahren, vor allem Frauen, die im Durchschnitt vergleichsweise geringere Löhne oder Renten beziehen gegenüber ihren männlichen Kollegen, aber länger leben und Individuen mit Migrationserfahrung.

Beide Kategorien sind oft Opfer von Isolation und Ausgrenzung.

In Deutschland gibt es eine angemessene Infrastruktur für ältere Menschen, Tagesheime für Menschen mit Behinderung, die Familien bei ihren Aufgaben entlasten und den Respekt der Person vorrangig betrachten und größtenteils aus Fonds bezahlt werden, die wie eine Krankenkasse funktionieren, aber vorwiegend der Pflege von älteren Menschen und Behinderten vorbehalten sind.

In diesen Pflegezentren trifft man aber sehr selten auf ausländische Alte oder Behinderte, obwohl es viele ältere Migranten gibt, es sei denn man besucht nicht Sondereinrichtungen.

Es zeichnet sich ein Teufelskreis ab, der die unerbittlicheTendenz festschreibt und verfestigt Armut von Generation zu Generation weiterzugeben und tiefe Spuren in der Zukunft dieser Kinder zu hinterlassen.

Mehr öffentliche Ganztagsbildung, gleiche Chancen unabhängig vom Bildungsgrad der Eltern, eine höhere Vielfalt in der Zusammensetzung der Schülerklassen, ein höherer Anteil von Lehrern mit Migrationshintergrund sind Lösungen, die einige Teile der deutschen Politik für geeignet und womöglich auch als konsensfähig erachten.

Einer der Faktoren, die neben dem Bildungsgrad der Eltern und dem Familienklima zum Armutsrisiko der Kinder und Jugendlichen beitragen, beziehungsweise dieses drastisch reduzieren könnten, ist der Grad an sozialer Integration und gesellschaftlicher Partizipation.

Integration, Partizipation und eine gute Bildung sind die Schlüssel um Armut und Isolation zu bekämpfen.

Demgegenüber führt die Tendenz zur Kategorisierung der Bevölkerung auf lange Sicht, wie wir beobachten konnten, zur progressiven und unumkehrbaren Verarmung derselben insgesamt und nicht nur der ärmeren Schichten.

 

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