Mein Herz schlägt links

Initiative linker SozialdemokratenInnen in der SPD

  • Schrift vergrößern
  • Standard-Schriftgröße
  • Schriftgröße verkleinern
Start Neuigkeiten Eine persönliche Ergänzung zum Thema der Solidarität

Eine persönliche Ergänzung zum Thema der Solidarität

E-Mail Drucken PDF

Ich

 

 

 

erinnere mich, es muß in dem Jahr gewesen sein, wo in Köln am Rhein die Bundesgartenschau stattfand, entweder war es im Jahr 1957 oder 1958.

Der halbe Gartenverein war mit einem Sonderbus in Richtung Deutz aufgebrochen, wir Kinder fuhren mit, mehr in der Hoffnung den Dom mal zu sehen.

Auf der etwas längeren Busfahrt zurück in Richtung Heimat, kamen einige Eltern miteinander ins Gespräch, es ging um das Thema , wie war jenes vor dem Krieg und was findet man derzeit wieder vor?

Es ging rein um die Werte, die Werte in den Wohnungen und in den Familien, nun gut einige hatten wahrhaftig noch all ihre Ersparnisse im Jan. 45 auf die Sparkasse der Stadt Breslau getragen.

Das war bei einigen anderen nicht der Fall, mancher meinte auch, ihr Bunker habe den Krieg überlebt, andere waren 2 x ausgebombt worden, in unserer Familie war das anderes.

Das Haus überlebte den Krieg und die dort im Keller sitzenden Frauen, Greise und Kinder auch, nur danach kam die Überraschung, Wohnungen räumen, die Briten kamen und benötigiten Quartiere.

6, 7 oder 8 Monate soll das so gewesen sein, bis man wieder in Besitz der eigenen Wohnung war.

Einiges war futsch und ich wußte garnicht worüber meine Eltern sprachen, ich kannte es nicht anders.

Das Badezimmer war immer noch gekachelt, aber ohne Einrichtung, Badewanne und Ofen waren nicht mehr dort.

Die wurde erst etliche Jahre später wieder eingebaut, was uns als Kinder zunächst garnichts ausmachte, es gab ja die Volksdusche in den Hallenbädern.

Nun ging es nicht nur um das entschwundende Badezimmer, mein Vater fertigte eine Tabelle an, mit meiner Mutter ging er die durch, nach dem Motto, wo verblieb eigentlich was und in welchem Jahr?

Einiges mußte noch im April 1945 in der Wohnung gewesen sein, geplündert oder von den Briten entsorgt worden?

Keine Spur davon mehr vorhanden, doch da gab es noch einiges mehr, was meine Mutter auf Anweisung der Familie auf das sichere Land brachte.

Die Patentante meines Vaters besaß unweit von Bad Sarrow ein Wochenendhaus, in mitten von Kiefernwäldern, das wurde das Depot der Familie, meine Mutter war einige Male dort und brachte das ein oder andere in trügerische Sicherheit, zuletzt war sie wohl Mitte 1944 dort, allerdings hatte das Wochenendhaus bereits ein Einquartierung von sog. Bombenopfern, man hatte dort eine Familie aufnehmen müssen.

Daher Vaters Patentante bereits im Jahr 1952 in Detmold ein Damenkonfektionsgeschäft eröffnete und ihr Mann im Jahre1955 verstarb, der das besagte Wochenendhaus bei Bad Sarrow mit in die Ehe brachte, sollte dieser Teil des Erbes zurück an seine Familie fallen.

Dessen letzter Wohnsitz unweit von Fürstenwalde war, also prima weit weg in der sog. Zone, meinte mein alter Herr.

Das Thema wurde mitunter stets wieder aufgewärmt wenn bei uns Besuch war, der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten, der Beinahverwandete, der dann doch nicht von der Schwester meines Vater vor den Traualtar geführt wurde, meinte er habe Kontakt gehabt mit den Untermietern im Wochenendhaus bei Bad Sarrow.

Nun wohnte der allerdings im Ostsektor der Stadt, wir nicht und wo wohnten nun die ehem. Untermieter?

Er bekam es heraus, unweit von Erkner und das lag wiederum außerhalb der Grenze von Groß Berlin.

Unerreichbar also für uns, mit dem Westberliner Ausweis konnte man alle Sektoren der Stadt besuchen, allerdings nicht über die Grenzen von Berlin hinausfahren.

Trick 17 nannte das mein Vater, der funktionierte nur mit der Hilfe des Nennonkels, angeln am Müggelsee, sagte man mir.

Wir nahmen einen Sektorenübergang am Rande der Stadt, dort wo an der Sektorengrenze immer der Schaffner im Bus getauscht wurde, es galt nun die DM (Ost) und wir fuhren in Richtung Müggelsee.

Da ging es nach Plan weiter, zwei Männer und ein kleiner Junge auf Fahrrädern in Richtung des Ufern des Müggelsees zum Angeln, es kamen und gingen die Ostpolizeikontrollstreifen vorbei, manche grüßten schon.

Irgendwann fuhren wir allerdings in die andere Richtung, in Richtung Erkner und erreichten das besagte Haus.

Da waren wir nun, bei den ehemaligen Untermietern des besagten Hauses von Bad Sarrow, ausgebombt in Berlin, untergekommen in Bad Sarrow und vertrieben von den sowjetischen Befreiern, Zuzugssprerre nach Groß Berlin und untergekommen in einen ehem. Schweinestall.

Wie war das, fragte irgendwann mein Vater, sie wußten fast alles, wie und wo was war, doch was half es, es war nicht mehr da.

Man hatte vieles vergraben und von den Russen wiederausgegraben und den Rest den nahmen sie mit, das hatten sie nun hier.

Der größere Teil davon gehörte eigentlich uns, doch was sollten wir damit und wie sollten wir es nach Berlin (West) bekommen?

Mein alter Herr meinte, ihr habt schlimmes durchgemacht, er habe Sibirien überlebt, jetzt bleibt es so wie es ist.

Am Abend gab es für uns eine Kiste zudem sollten wir hier übernachten, wir taten es.

Man folgenden Morgen passierte mein Vater und ich die Bahnhofssperre und die Kontrolle zum Nahverkehrszug nach Berlin, keine Pappkiste vorhanden, wo war die?

Sie kam geflogen als der Zug anfuhr, ein paar Postler beluden den Gepäckwagen warfen uns im richtigen Augenblick die Kiste durch die Tür.

Mit der geschenkten Kiste im Ostsektor, in die Wohnung des Nennonkels, unmöglich diesen Inhalt in den Westesktor zu bekommen, zuviele Würste und Fleischwaren.

Die Kiste bleibt hier, waren die Worte meines Vaters, der Nennonkel war anderer Meinung, das müßte er uns gutmachen, er habe eine Liste des Magistrates darin steht was man vom Ost in die Westsektoren mitnehmen dürfte.

Also gingen wir gem. dieser Liste gemeinsam einkaufen, passierten die Sektorengrenze und waren Daheim.

Ein paar Tage später meinte meine Mutter, unmöglich 3Tage weg und bringen dünne Handtücher, eine Menge Trockentücher und Topflappen mit.

Das war es, wir hatten davon nun genug, haben das irgendwann vergessen, bis der Nennonkel wieder mal bei mir anklopfte und die Story erzählte, er war mittlerweile DDR Rentner geworden.

Zuletzt aktualisiert am Donnerstag, 04. November 2010 um 15:43 Uhr  

Wahlkampf

Erneuerbare Energien

Statistiken

Benutzer : 336
Beiträge : 5733
Weblinks : 145
Seitenaufrufe : 14068146

Verwandte Beiträge