Mein Herz schlägt links

Initiative linker SozialdemokratenInnen in der SPD

  • Schrift vergrößern
  • Standard-Schriftgröße
  • Schriftgröße verkleinern
Start Neuigkeiten Offener Brief Offers an Schäuble - Wie Politik funktioniert

Offener Brief Offers an Schäuble - Wie Politik funktioniert

E-Mail Drucken PDF

Brief

 

 

 

"Sehr geehrter Herr Minister, nach dem offenen Gespräch am gestrigen Nachmittag über die Grundlagen unserer Zusammenarbeit im besonderen Lichte der Pressekonferenz vom 4. November ist mir deutlich geworden, dass ich leider nicht Ihr volles Vertrauen bei der Ausübung meiner Funktion als Ihr Pressesprecher habe.

Ich erkläre daher meinen Rücktritt als Ihr Sprecher und bitte um Zuweisung einer neuen Aufgabe.

Die intensive Zusammenarbeit mit Ihnen in den letzten zwölf Monaten hat mir oftmals Freude und wertvolle Erfahrungen beschert. Dafür danke ich Ihnen ausdrücklich."

Mit freundlichen Grüßen

M. Offer

Schäubles Pressesprecher hätte allen Grund die Faust in der Tasche zu ballen.

Abgekanzelt wie ein kleiner Junge stand er ziemlich nackt vor der Presse.

Folgerichtig erklärt er seinen Rücktritt.

Aber wie?!

Er beschwert sich nicht, er kritisiert nicht, er stellt nur fest, dass Schäuble ihn vielleicht nicht mehr mag, obwohl er doch so viel Freude mit ihm gehabt hat in den letzten zwölf Monaten.

Diese Reaktion und die Sprachlosigkeit Offers in der eigentlichen Situation zeigt für mich vor allem eines.

Wie wenig Rückgrat politische Professionelle noch haben.

Berlin wird von peinlichen Speichelleckern verwaltet.

Es ist der tausendfache menschliche Bankrott im Zentrum der Macht eines sogenannten demokratischen Staates, der aus diesen Zeilen spricht.

Am Ende bittet Offer noch um Zuweisung einer neuen Aufgabe.

Mein Gott, ein echter Diener!

Offer ist ein Opfer.

Zugleich ist er die Personifizierung des politischen Lebens, der Karrieresucht um jeden Preis und einer politischen Korrektheit, die eigene Standpunkte bis zur Unkenntlichkeit entstellt.

Offer ist Symbol und Märtyrer eines pervertierten politischen Systems, welches wir Tag für Tag in Berlin erleben können, wenn wir nur nahe genug an die Kellergänge des Regierungsviertels herankommen.

Dort stinkt es nach verwesenden Standpunkten und Überzeugungen, die abgewürgt und unterdrückt hinter den Krawatten kleben.

Dort stinkt es nach Angstschweiß, nach Korruption und Eau de Toilette, das den fauligen Geruch des verwesenden charakterlichen Mülls nicht überdecken kann.

Man kann gar nicht so viel essen, wie man kotzen möchte! (Tucholsky)

Zuletzt aktualisiert am Freitag, 12. November 2010 um 06:20 Uhr  

Wahlkampf

Erneuerbare Energien

Statistiken

Benutzer : 340
Beiträge : 5735
Weblinks : 145
Seitenaufrufe : 14099356

Verwandte Beiträge