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Pressefreiheit, die Freiheit von ca. 200 reichen Leuten, ihre Meinung zu verbreiten

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Wir

 

 

 

haben es hier weitgehend mit Imperien zu tun, mit einer Hand voll Milliardären, die sich größtenteils in der Forbes-Liste der Reichsten der Welt wiederfinden.

Bauer, Burda, Holtzbrinck sind für jeweils so um die 2 Milliarden Umsatz im Jahr gut.

Springer bringt es auf 2,6 Milliarden.

Bertelsmann, jener Konzern, der 1835 mit dem Verkauf eines christlichen Liederbuchs begann, spielt mit seinen 1200 Einzelfirmen und Beteiligungen von Random House bis RTL in einer anderen Liga, kommt weltweit auf über 15 Milliarden.

Das ist bereits die Sphäre, in der, noch etwas weiter oben, auch Disney und Rupert Murdochs News Corporation spielen.

Das Auslandsgeschäft, die globale Ausrichtung, wird aber auch für die anderen immer wichtiger.

Längst sind deutsche Verlage tonangebend in Osteuropa.

Gruner+Jahr etwa, eine Tochter von Bertelsmann, ist von den USA bis nach China aktiv, die Georg von Holtzbrinck GmbH in über 80 Ländern präsent.

Die Bauer Media Group – das ist jene Hamburger Firma, die anno 1875 mit dem Druck von Visitenkarten begann, und wo seither wohl noch kein einziges aufklärerisches Wort erschienen ist –druckt heute mehr als 300 Zeitschriften in 14 Ländern, betreibt außerdem Dutzende Radiosender.

Alle haben inzwischen auch ihre Online-Portale, produzieren Firmenblätter, machen sowieso in TV, Merchandising und so weiter.

Das erste Halbjahr 2010 zum Beispiel verlief für den Bertelsmann-Konzern außerordentlich positiv.

Auf 755 Millionen Euro bezifferten die Gütersloher das Operating EBIT.

Im gleichen Vorjahreszeitraum hatte es bei 497 Millionen Euro gelegen.

Der Netto-Gewinn betrug 246 Millionen nach einem Minus von 333 Millionen vor einem Jahr.

Der Konzernumsatz landete bei 7,4 Milliarden Euro.

Die starken Zuwächse führt das Bertelsmann-Management vor allem auf gestiegene Anzeigenerlöse bei den Töchtern RTL Group und Gruner+Jahr zurück.

Der Hamburger Verlag konnte seinen Vorsteuergewinn im ersten Halbjahr von 55 auf 130 Millionen Euro steigern.

Vor allem die „Christliche Union“ zeigt immer wieder, dass sie ein gestörtes Verhältnis zum Grundauftrag des öffentlich-rechtlichen Rundfunks hat, ihn eher als Werkzeug betrachtet.

Und sich im Zweifel auf die Seite der Medien-Privatbesitzer schlägt, mit denen sie irgendwie enorm gut befreundet zu sein scheint.

Die Verleger haben ihren Spaß mit dieser Regierung.

Ihr wichtigstes Schlachtfeld ist derzeit das Internet.

Der Markt der Zukunft.

Wo die Verleger mehr verdienen wollen, etwa mit Hilfe eines neuen sogenannten „Leistungsschutzrechtes“, dass ihnen – nicht den Urhebern – das Inkasso für Online-Inhalte erleichtern soll.

Zugleich feuern die Medienbesitzer, vor allem der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger und der Verband Privater Rundfunk und Telemedien seit Jahren aus allen Rohren gegen die Online-Präsenz der Öffentlich-rechtlichen.

Die sollen aus dem Netz gedrängt werden.

Unter tatkräftiger Mithilfe vieler Politiker. …

Dank eines neuen Medienstaatsvertrages sind ARD und ZDF seit Neustem gezwungen, zur Löschung ihrer Inhalte im Internet zu schreiten.

Eine Massenvernichtung von Information.

Stoff, für den wir Gebühren zahlen. Und der weg muss, damit bei anderen die Kasse stimmt.

Die SPD hat über Ihre Beteiligungsgeselschaft “deutsche druck- und verlagsgesellschaft mbh” (dd_vg.) Anteile an 14 Tageszeitungen mit einer Auflage zusammen von ca. 1 Mio. Exemplaren.

Bei zwei Tageszeitungen liegt der Anteil über 50 % beim Rest deutlich darunter.

Anteilig kommt man also auf eine “SPD-Auflage” von ca. 400.000 Exemplaren je Tag.

Das schafft die CDU mit einer einzigen ihrer vielen Zeitungen, nämlich der Rheinischen Post, bereits an einem Vormittag!

Und jetzt wird der Zeitungsverlegerverband direkt vom einem hohen Funktionär (und einem skrupelosen dazu) gesteuert!!!

Es ist eine kleine Meldung auf der Wirtschaftsseite der “Rheinischen Post”, die Vollzug meldet: Hendrik Wüst hat einen neuen Job.

Er wird Geschäftsführer des Zeitungsverlegerverbandes in NRW und hat obendrauf auch noch etwas bei den privaten Rundfunksendern zu sagen.

Das finden manche Zeitungen so unspektakulär, dass sie gleich gar nicht darüber berichten.

Andere – wie die RP – den Fakt in einer Meldungsspalte verstecken.

Dabei ist die Personalie – gelinde gesagt- ein Skandal.

Und die Zeitungen selbst stecken mittendrin.

Was prädestiniert Hendrik Wüst für so eine Position?

Dass er Jurist ist?

Wohl kaum, denn als Rechtsanwalt hat er kaum gearbeitet.

Dass er mal Geschäftsführer des CDU-Landesverbandes war?

Wenn das die Begründung für die Anstellung ist, kann man nur an der Kompetenz des Einstellungsteams zweifeln.

Es war sein Personalführungsstil, langjährigen Mitarbeitern mit fadenscheinigen Begründungen zu kündigen, um dann vor dem Arbeitsgericht eine Ohrfeige nach der anderen einzufangen.

Aber Wüst nutzte auch die Arbeitsgerichtsverfahren, um einen tiefen Einblick in seine Personalführungskompetenz zu gewähren – als Vorgesetzter in der neuen Rüttgerschen Arbeiterpartei.

Der neue Zeitungsmanager kennt sich hervorragend mit Krankenversicherungsbeiträgen aus – er weiß auch, wie man den Arbeitgeberanteil als Doppelverdiener auch doppelt kassiert.

Und er ist in der Lage, Artikel von willfährigen Journalisten auf Partei-Interessen zu prüfen.

Er kann Oppositionspolitikerinnen mit Videoteams verfolgen lassen und und und.

Sichern sich die Zeitungsverleger schlicht und ergreifend einen verlässlichen Kontakt in Landes- und Bundes-CDU, nachdem ihr Liebling Jürgen Rüttgers nicht mehr mitspielt?

Dem Hendrik Wüst hat das Wahldesaster nicht geschadet.

Er sitzt munter in der Landtagsfraktion und ist auf dem letzten CDU-Bundesparteitag in den Bundesvorstand gewählt worden.

Das spricht für ein funktionierendes Netzwerk und aktuellen Zugang zu den derzeitigen Machthabern dieser Republik.

Es ist an der Zeit sich verstärkt mit den Dirigenten dieses Orchesters auseinanderzusetzen.

Da ist nicht nur die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft, über deren keckes Treiben wir uns so gerne lustig machen.

Meinungsmache ist eine globale Industrie geworden.

Immer mehr sucht sie unser aller Sicht auf die Verhältnisse zu bestimmen.

Keine Figur von Rang tritt mehr in die Öffentlichkeit ohne eine Armada von Imageberatern, Agendasettern und Marketingexperten.

Politische Entscheidungsprozesse sind in allen Stadien den Pressionen einer kolossalen Lobby-Maschinerie ausgesetzt.

Journalisten werden geschickt umschmeichelt und mit Geschichten gefüttert.

Keine Party steigt mehr ohne Eventmanager.

Selbst Kriege werden heute unter Feuerschutz von mindestens einem Dutzend PR-Agenturen geführt.

Zu diesem Bild gehört auch das vermeintliche unpolitische Wirken der Zerstreuungsindustrie.

Die Welt der Promis, der Lightshows und des menschelnden Schwachsinns.

Sie führt zur Entkoppelung breiter Massen vom gesellschaftlichen Diskurs.

Sie kreiert eine Art Anti-Welt.

Eine Öffentlichkeit, die Wirklichkeit verweigert.

Sie befördert das Auseinanderdriften der Gesellschaft, vertieft den Graben zwischen Habenden und Habenichtse, verschärft das Unten und Oben.

Und gerade deshalb ist das Internet ein demokratisches Wunder.

Es ist, als ob ein guter Geist allen Erdenbürgern – fast allen, auch der Zugang zu Computern ist begrenzt – eine Druckmaschine in die Hütte gezaubert hätte.

Und dazu, was noch viel wichtiger ist, ein blitzschnelles, weltweites Vertriebssystem.

In vielen Ländern entstehen online neue, gute Medien.

In Frankreich etwa haben viele gefeuerte Redakteure neue digitale Projekte aufgezogen, Internet-Zeitungen wie Rue89 oder mediapart.

Was müsste sich ändern,

  • Wir benötigen dringend eine öffentlich-rechtliche Renaissance, einen Rundfunk, der tatsächlich von den gesellschaftlich relevanten Gruppen gesteuert wird.
  • Wir müssen dem politische Erstickungstod von Anstalten wie etwa dem Hessischen Rundfunk entgegentreten.
  • Und die Entleerung der Hauptkanäle verhindern, ein anderes, freieres, zornigeres, couragierteres journalistisches Selbstverständnis ist hier von Nöten.
  • Zu viele werden gebrochen durch lebenslange Praktika, durch den Druck des Marktes.
  • Zu viele schwimmen mit im Mainstream,
  • Wir brauchen dringend Strukturen wie Stiftungen und Vereine, die unabhängigen Journalismus fördern,
  • Wir müssen mehr im Internet wagen, mehr Experimente starten.
  • Magazine, Foren und Portale aufbauen, die eine echte Öffentlichkeit schaffen.
  • Und Wege finden, damit sie Erfolg haben und sich tragen.

Wem gehören die Medien?

Wem sollten sie idealerweise gehören?

Die Antwort ist einfach:

Allen. Uns allen

Zuletzt aktualisiert am Montag, 29. November 2010 um 16:04 Uhr  

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