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Flohmärkte – Gesellschaftliche Armut und Geschichte(n)

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Jedes Wochenende ist Flohmarkt.

Seit vielen Jahren gibt es die traditionellen Flohmärkte auf denen der Trödel von Haushaltsauflösungen und Sachen, die man nicht mehr haben will, verkauft wird.

Zunehmend gibt es auch kleinere Flohmärkte auf denen vorwiegend Kinderspielzeug, alte Kleidung und wirklicher Ramsch verhökert wird.

 

Auf Märkten/Versteigerungen werden schon seit alten Zeiten neben alten Sachen auch Kleidung und Gebrauchsstücke für arm und reich verkauft.

Der Flohmarkt von Paris/Montreuil auf dem man neben Billigkleidung aus dem Orient, Afrika, China auch Gebrauchtkleidung kaufen kann, existiert schon seit Jahrhunderten.

Inzwischen hat sich neben diesem Flohmarkt ein illegaler Flohmarkt der Biffins (Chiffoniers, Lumpensammler) gebildet, wo die Polizei auch manchmal Leute mitnimmt, wenn außerdem der Verdacht besteht, dass gestohlene Waren gehandelt werden.

Vor allem der Verkauf von Zigaretten und Kameras wird einem im Vorübergehen angeboten.

Andere haben einen Karton aufgeschnitten oder ein Tuch ausgebreitet auf dem sie ihre Waren an den Mann/Frau bringen wollen.

Unter ihnen sind viele MigrantInnen aus dem Ostblock, Asien, Afrika etc. ohne Papiere, so dass sie beim Auftauchen der Polizei sofort verschwinden.

Die eigene Brieftasche sollte man da gut gesichert unter der Kleidung verwahren, da sich wie auf allen Märkten dort auch Taschendiebe tummeln. Ansonsten sind die Biffins sehr höflich und verkaufen ihre Ware auch sehr billig.

Manch einer hat schon eine gute Zeichnung für ein paar Euro gekauft, die ein paar hundert wert sind. Eigentlich traurig für die armen Leute, die anders als die regulären Flohmarkthändler ihre Ware nur unzureichend einschätzen können, wenn es sich um handwerkliche oder künstlerische Objekte handelt.

Aber dort kaufen sich eben neben Schnäppchenjägern auch die ärmeren Schichten Dinge des täglichen Bedarfs:

Kinderspielzeug, Geschirr, Kleidung, Werkzeuge, Esswaren etc..Die Verkäufer gehen von vornherein von ebenso armen Käufern aus und bieten ihre Waren ab 1 € oder sogar weniger an.

Was würden diese Leute machen, wenn es nicht außerdem Aldi, Lidl und manch günstige orientalische Märkte und 1€-Geschäfte mit Waren aus China gäbe?

Die Gesellschaft wäre voller armer Leute mit geflickter und abgerissener Kleidung auf der Straße wie man es in historischen Filmen früherer Jahrhunderte und besonders des industriellen Kapitalismus sieht.

1-2 € Kleidung aus China und die wenig abgetragene Kleidung der arbeitenden Schichten machen es möglich, dass die Ärmsten der Armen nicht sofort von der arbeitenden Klasse zu unterscheiden sind, denn mit Hartz IV zum Beispiel können sich diejenigen einigermaßen kleiden, die schlecht essen und das ist ebenso ungesund wie der gesellschaftliche Zustand in dem wir uns befinden, wo die Schere zwischen arm und reich immer weiter aufgeht.

Außerdem hat man auf den Flohmärkten den Eindruck man ist in einer solidarischen, bunten Gesellschaft in der man feilschen kann und so als eine eigenständige Persönlichkeit als Händler und Verkäufer akzeptiert wird.

Hier ist man nicht nur Ware Arbeitskraft, die nur einen billigen Artikel aus dem Regal kauft an dem schon ein Preisschild klebt.

Der Flohmarkt ist eben ein Markt, wo man sich trifft und Neuigkeiten austauscht, einen Kaffee zusammentrinkt und vielleicht etwas kostenlos Musik hören kann.

Und dann gibt es manchmal noch die Marktschreier, die lauthals ihre Waren anbieten.

Trotz dieser Kleinhändleratmosphäre mit Bratwurst etc. hat man ein wenig das Gefühl der Solidarität.

Vielleicht auch deshalb, weil alle das Gefühl haben, dass sie dort wichtig sind – als Käufer begehrt und als Verkäufer gefragt.

Außerdem haben die Leute auf Flohmärkten einen Sinn für gebrauchte Waren mit denen ein Stück Alltagsgeschichte verbunden ist, die Geschichte einer Person, einer Familie oder die Geschichte des 3. Reiches in Auszügen in einem Fotoalbum.

All diese Waren werden eine neue Geschichte erhalten, ein neuer Nachwuchs hat Kleidung sein Spielzeug etc..

Vielleicht haben diese Menschen nicht nur einen Sinn für die Geschichte des Alltagslebens, sondern auch für das multikulturelle Zusammenleben, denn auf dem Flohmarkt sprechen und handeln Deutsche und Migranten.

Nach den Zerstörungen im und nach dem Krieg von Kulturgütern wird hier ein anderes Bewusstsein gegenüber gebrauchten Dingen gepflegt.

Warum sollte sich das nicht in einem sozialen und multikulturellem Bewusstsein einer Verantwortung gegenüber den Produkten aus vergangenen Tagen ausdrücken?

Mittels kleiner Waren kann man sich also auch historisch, gesellschaftlich etc. etwas bilden.

Wenn ein türkischer Migrant die Herkunft eines Tellers erklärt, so erfährt man vielleicht etwas über ihn und seine Kultur.

So kommt man sich auch in armen Kreisen wieder näher und kann sich über die schlechten sozialen Verhältnisse beschweren, die einen zwingen abgetragene Kleidung zu kaufen.

 

 

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