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MigrantInnen und Netzwerke

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In unserer Einwanderungsgesellschaft haben sich viele MigrantInnen zu Vereinen aus politischen, religiösen, kulturellen, sportlichen u.a. Interessen zusammengeschlossen. Sie haben sich so ein Stück ihres heimatlichen Migrationshintergrundes bewahrt und können gemeinsam ihre Sprache sprechen, sich über die Probleme in ihren Heimatländern, Deutschland und der Welt auseinandersetzen.

Die gemeinsamen Feste werden gefeiert, in sozialen Fragen wird ihnen geholfen, sie kochen, nähen zusammen oder informieren sich durch ihre Intellektuellen MigrantInnen über Politik, Geschichte, Malerei und Poesie etc..

In allen Zeiten und allen Ländern haben sich so Einwanderer organisiert und zum Teil in Wohnvierteln konzentriert.

Jeder kennt oder war mal im türkischen Kreuzberg/Berlin, Chinatown in New York/Paris, San Francisco oder in maghrebinischen und schwarzafrikanischen Viertel in Paris oder im bengalischen Viertel in London.

Nicht zu vergessen osteuropäische und jüdische Viertel in Paris, New York, Deutsche in Amerika etc..

Als Karl Marx in den 40er Jahren des 19. Jahrhunderts nach Paris kam, befanden sich zwischen 50. bis 80.000 deutsche Arbeiter und Handwerker in Paris.

Nach England war Frankreich das 2. Land der industriellen Revolution und des wirtschaftlichen Aufschwungs, Deutschland sollte folgen und die USA kamen auch mit dem industriellen Fortschritt in Gang.

Dadurch entstand die kontinentale und interkontinentale Arbeitsmigration.

Marx traf in Paris auf Arbeitervereine unterschiedlichster sozialer, utopischer, sozialistischer Ausrichtungen.

Am Vorabend der Revolution von 1848 schrieb er das Kommunistische Manifest, der kommunistische Bund wurde gegründet und 1864 in London die erste Internationale, eine erste Vereinigung von sozialistischen, kommunistischen und anarchistischen Arbeitern und einigen Intellektuellen wie Karl Marx, Friedrich Engels, Michail Bakunin u.a..

Die Initiative für diese internationale Gründung ging maßgeblich von MigrantInnen, Gewerkschaftlern und politischen Flüchtlingen aus.

Da sie zum größten Teil antiklerikal waren, hatten sie ihren kulturellen Migrationshintergrund zurückgestellt zugunsten oder ungunsten einer proletarischen Kultur, die den unterschiedlichen Migrationshintergrund unter das Allgemeininteresse einer proletarischen Revolution und des Sturzes des bürgerlichen Überbaues ( Staat, Kultur, Recht etc.) subsumierte.

Durch die gleiche soziale Lage der Arbeiter unter dem Slogan, Proletarier aller Länder vereinigt euch, sollten Nationalität, kulturelle Unterschiede im Erbe des Bewusstseins der proletarischen Klasse verdrängt werden.

Dieses psychologische Problem war Marx und Engels nicht bewusst.

Erst mit und nach Sigmund Freud konnten diese Probleme aufgenommen werden bzw. wurden auch durch die reale Entwicklung der Kriege zwischen Deutschland und Frankreich ins Bewusstsein gehoben, indem sich die Klassenbrüder als nationale Feinde in Uniform gegenüberstanden und ermordeten.

Kein Generalstreik konnte dies verhindern.

Davor und danach gab es auch religiöse Migrationen.

Die Migration der Juden in alten Zeiten ist durch die Bibel bekannt. Kurz bevor Columbus nach Amerika gereist war und die Christen Al Andalus, nach 800 Jahren zurückerobert hatten, mussten neben Juden auch Islamisten Spanien verlassen oder zum Christentum konvertieren.

Neben der Verfolgung der Juden in unregelmäßigen Abständen in Europa gab es den Kampf zwischen Protestanten und Katholiken im 30-jährigen Krieg, vorher die Verfolgung der Katharer und Albigenser in Südeuropa.

Durch die französischen Religionskriege unter Henry IV, der selber mehrmals den Glauben gewechselt hatte, kamen im 16. Jahrhundert viele Hugenotten nach Holland und auch ins preußische Berlin.

In Berlin waren zu dieser Zeit ein Drittel der Einwohner Hugenotten.

Durch die Migration von vielen Menschen mit islamischem Hintergrund hat Europa heute viele neue religiöse MigrantInnengruppen.

All diese religiösen Gruppen sind nicht nur lokale Vereinigungen, sondern national und international auf vielfältige Weise vernetzt.

Auch ältere Gruppierungen wie die Hugenotten halten noch ihre Netzwerke, arbeiten die Geschichte auf oder bemühen sich um die Förderung der französischen Sprache und Kultur.

Juden haben internationale Verbindungen und seit der Existenz des Staates Israel auch einen staatlichen Bezugspunkt.

Islamisten haben je nach ihrem Migrationshintergrund nationale und auch internationale Bezugspunkte wie den fundamentalistischen Iran oder die laizistische Türkei und ihre Heiligtümer.

Die Christen sind mit ihren nationalen Organisationen auch international vielfach vernetzt.

Buddhisten und Spiritualisten haben lokale und internationale Bezugspunkte und Netzwerke.

Jedoch zurück zu den laizistischeren Netzwerken.

Hier treffen sich zum Beispiel politische Parteien auf den verschiedensten lokalen, nationalen und internationalen Ebenen.

Auch sie arbeiten teilweise mit Migranten auf lokaler Basis, aber sie haben es sich nicht immer auf die Fahnen geschrieben Migranten auch entsprechend ihrer Anzahl in der Gesellschaft zu fördern.

Die modernen Netzwerke und Facebundverbindungen der jungen demokratischen Bewegungen lieferten ihre Informationen nicht nur zum Zwecke der Beseitigung der Diktaturen, sondern gleichzeitig in andere Gesellschaften, wo deren Landsleute und andere Personen ebenfalls eine Gegenöffentlichkeit herstellen konnten.

Besonders die MigrantInnenorganisationen und demokratischen Netzwerke waren sofort über Details von Menschenrechtsverletzungen oder Erfolgen der demokratischen Bewegungen informiert und konnten sie an die Öffentlichkeit weitertragen.

Ein Teil der Medien, wie ARTE z.B., bringt immer noch aktuelle Basisinformationen.

So haben sich in den letzten Jahren auch Netzwerke gebildet, die mit unterschiedlichem Migrationshintergrund, unterschiedlichen Organisationsstrukturen und unterschiedlichen Interessen ihre Forderungen nach einer besseren Teilhabe in der Gesellschaft an die Öffentlichkeit bringen.

MigrantInnen in Selbstorganisation (MiSO) ist so ein Netzwerk in Hannover von fast 40 MigrantInneninitiativen, Vereinen und interkulturellen Gruppen, wo Leute mit verschiedener konfessioneller Sozialisation und Migrationshintergrund zusammenarbeiten, um untereinander interkulturell zu lernen und sich mit eingeborenen Deutschen zu integrieren.

Dabei will MiSO als Öffentlichkeit der MigrantInnen die Forderungen und notwendigen Veränderungen für MigrantInnen in der Gesellschaft gemeinsam betonen.

Hierzu gehören Partizipation in der Politik, Gleichbehandlung im Berufsleben, der Schule, berufliche Chancen, mehr MigrantInneneinstellungen im öffentlichen Dienst, Förderung von deutscher und Muttersprache, Institutionelle Förderung von MigrantInnenorganisationen und Netzwerken im Bereich der sozialen, kulturellen, medizinisch-psychologischen, beruflichen Betreuung und Förderung.

So müssen die MigrantInnen bei Fragen von der Wiege bis zum Sterbebett in Betreuung, Leitungs-, pädagogischen etc. Fragen aktiv und als eigene geförderte Institutionen in Zukunft im Haushalt berücksichtigt werden, dass sie die multikulturelle Gesellschaft als Multiplikatoren fördern können.

Nur so lassen sich Bildungsdefizite durch erworbenes Bildungskapital ersetzen, Gewalt und Rassismus verhindern, Krankheitskosten senken durch vorbeugende Maßnahmen, Zwangsheiraten langfristig verhindern und der Dialog mit der Mehrheitsgesellschaft herstellen.

Diese Migrantennetzwerke können eine ähnlich verbindende Funktion haben wie die ersten internationaen Arbeiterverbindungen des 19. Jahrhunderts, die die sozialen Umwälzungen entscheidend erkämpft und geprägt haben.

 

Zuletzt aktualisiert am Sonntag, 29. Mai 2011 um 14:12 Uhr  

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