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Slutwalk, Femen und Angela Merkel

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Kürzlich habe ich hier über die ukrainische Frauenrechtsbewegung FEMEN geschrieben.

 

Nun gibt es ein scheinbares nordamerikanisches Pendant namens Slutwalk. Übersetzt Schlampenmarsch.

Was sind die Gemeinsamkeiten, was die Unterschiede?

Slutwalk setzt sich für das Recht von Frauen ein sexy gekleidet zu sein und gründet offensichtlich in dem Widerstand gegen die doppelbödige puritanische Moral in Nordamerika.

Dabei wird  viel Kreativität freigesetzt, die sich in lustigen Kostümen und provokativen Outfits zeigt.

Der Inhalt bleibt aber immer der Gleiche. Don´t touch me, if I´m sexy! und No, means no.

Femen in der Ukraine kämpft mit nackter Haut für Freiheit, Demokratie und gegen Zensur.

Sie kämpfen auch gegen Prostitution und die Unterdrückung der Frauen in der russisch geprägten Macho-Gesellschaft.

Dabei wird  ebenfalls viel Kreativität freigesetzt, allerdings für mein Empfinden auf einem ästhetisch wesentlich höherem Niveau.

Femen zeigt ästhetische Merkmale von Pop-Art und viele ihre Inszenierungen erinnern mich an Photographien von Helmut Newton, den sich jeder, der am Bahnhof Zoo in Berlin vorbeikommt, mal anschauen kann.

Trotz nackter Haut zeigen die Photografien von Newton viel Respekt vor Frauen.

Hier ist wieder ein Überchneidungspunkt zwischen Slutwlak und Femen, beide Bewegungen verlangen Respekt vor Frauen mit ungewöhnlichen Methoden.

Ob nackte Haut oder provokante Kleidung, es ist ganz sicher ein zivilisatorischer Fortschritt wenn Frauen nachts im Park nackt joggen können, ohne Gefahr zu laufen, vergewaltigt zu werden.

So jedenfalls die Forderung von einigen Slutwalk-Anhängerinnen.

Femen geht mit ihren Forderungen allerdings nicht so weit und stößt mit ihren Aktionen für Demokratie und gegen Machtmissbrauch gerade häufig bei Männern auf Sympathie.

Femen wird vermutlich von einigen ukrainischen Wirtschaftsunternehmen unterstützt.

Slutwalk hat auch viele Unterstützer, allerdings ein wesentlich schmaleres und politisch für die Mächtigen kaum brisantes Programm.

Es scheint hier tatsächlich nur um die Freiheit zu gehen, sich unbelästigt gehen lassen zu dürfen.

So entsteht in der Gegenüberstellung der beiden Bewegungen der paradoxe Eindruck, dass die ukrainischen Frauen wesentlich politischer, gefährlicher und emanzipierter auftreten, als die Amerikanerinnen, die dagegen hausbackene Kostümumzüge veranstalten.

Wenn ich an die sexuelle Revolution der siebziger Jahre zurückdenke, frage ich mich angesichts dessen, was zur Zeit in den westlichen Ländern, insbesondere in Amerika passiert, ob zivilisatorische Fortschritte und kulturelle Befreiung dort und hier nicht inzwischen einer kapitalistischen Kulturdiktatur gewichen sind.

Wenn im Jahr 2011 Frauen auf die Straße gehen müssen, weil sie sich nicht sexy kleiden dürfen, da sonst die "Vergewaltigungsstrafe" droht, dann sind das eigentlich Themen aus den fünfziger Jahren im amerikanischen Mittelwesten oder der westdeutschen Provinz.

Angesichts der weitgehend diktierten Modebewegungen und einer totalistären Schönheits- und Pornoindustrie, kann man sich schon fragen, ob die Frauenbewegungen im Westen erneut bei Null anfangen müssen?

Im puritanischen Amerika hat man zumindest den Eindruck.

In Westeuropa scheint die sexuelle Befreiung ebenfalls ziemlich an ihrem Nullpunkt angekommen zu sein.

Lebten die Frauen in Wirklichkeit in den letzten dreißig Jahren in den westlichen Demokratien in einer Diktatur?

Die Frage könnte bereichtigt sein.

Die Frauenbewegung in Westeuropa wirkt inzwischen ziemlich neurotisch, festgefahren und uneffektiv.

Das ist Schade, weil gerade von Frauen wichtige politische Signale ausgehen können, die unsere Gesellschaft weiblicher, aber bitte nicht puritanischer oder neurotischer machen sollten.

Slutwalk weckt bei mir einige Zweifel, ob da nicht in Wirklichkeit die rebellische Tochter gegen die strenge Mama protestiert.

Wenn dem so ist, dann wäre die Projektion eines weiblichen Grundkonfliktes in die böse Männerwelt wohl eher eine Neurose, als eine politische Bewegung.

Trotzdem ist Slutwalk eine politische Hoffnung und trifft hoffentlich auf viele Unterstützer.

Wir dürfen nämlich nicht zurück in die Zeiten, in denen belästigten Frauen stereotyp vorgeworfen wird, sie hätten die Männer provoziert.

Wir wollen generell kein Klima der Angst auf den Straßen.

Nach der großen Krise der Männlichkeit in den siebziger und achtziger Jahren, hat die Öffnung des eisernen Vorhanges ein neues Männeridol in den Westen gespült.

Der YYY-Mann mit Glatze, Tatoo und möglchst krimineller Vergangenheit sollte das männliche Selbstbewusstsein wieder herstellen.

Das ist, wie zu erwarten, gründlich schief gegangen.

Wir haben mit diesem Trend die soziale Unsicherheit und Kälte in unseren westlichen Gesellschaften noch ein bisschen deutlicher abgebildet als bisher.

Herausgekommen sind Männer ohne Charakter, hypochondrisch, narzistisch und äußerst egoman.

In Wirtschaft und Politik ist dieser Typus ein Pannenmodell ohne jegliches öffentliches Vertrauen, auf der Straße teils widerlich, teils aggressiv und häufig kriminell.

Faktisch stehen wir vor einem Zeitalter der Frauen und je eher es kommt, desto besser für uns alle.

Konkrete Komplexiität zu begreifen und darauf zu reagieren, ist dabei eher eine weibliche Fähigkeit, auch wenn Männer abstrakte Komplexität offensichtlich besser handeln können.

Frauen scheinen auch politisch weniger manipulierbar zu sein, als Männer.

Dafür gehen sie nicht ganz so scharf auf ihre Ziele zu.

Die profitorientierte Scheuklappenmentalität unserer Manager ist nach meinen persönlichen Erfahrungen häufig mit einer erstaunlichen Einfältigkeit im Denken kombiniert.

Man kann Männer komplett auf Profit trimmen und sie dazu bringen, alles andere auszublenden.

Das geht bei Frauen nicht so ohne weiteres.

Auch wenn es identisch orientierte Frauen geben mag, sind das Einzelfälle.

Wenn man die Sache ehrlich durchdenkt, sollten Frauen in allen gesellschaftlichen Schlüsselbereichen die Vormachtstellung haben und nicht eine anteilige Quote, wie bislang gefordert.

Das birgt Hoffnung auf Überleben der sozialen Demokratien.

Mit dem Schwanz jedenfalls lässt sich die Welt nicht länger regieren, wenn wir aus den zurückliegenden Desastern lernen wollen.

Wir brauchen Köpfe, weibliche Köpfe und keine Egomanen.

Solange aber die Männer hauptsächlich  mit ihren Schwänzen beschäftigt sind, sollten sie das regieren lieber den Frauen überlassen.

Angela Merkel macht übrigens eine gewaltige Politik.

Auch wenn sie nicht die geborene Demokratin ist, hat sie eine Fähigkeit zur Selbstkorrektur, die schon beeindruckt.

Dies als Wendehalsmanöver zu diskreditieren wird auch für die SPD auf Dauer nach hinten los gehen.

Obwohl für mich völlig unverständlich hat sie sich in der Lybien-Frage herausgehalten und damit Akzente gesetzt, die jetzt Wirkung zeigen.

Die deutsche Eigenständigkeit und Abgrenzung gegenüber der Nato ist plötzlich in aller Munde, auch die neue deutsche Freiheit, sich Partner nach eigenem Ermessen in der Sache zu wählen hat international Eindruck  gemacht, auch wenn am Anfang Verärgerung dominierte.

Der deutsche Stil im Management der Eurokrise ist ebenfalls durch eine Vielzahl von Widersprüchen gekennzeichnet, lässt aber dennoch inzwischen ein Linie erkennen, die der Komplexität des Problems angemessen ist.

Man bleibt hart, bei der Forderung nach Konsolidierung, aber zugleich weich und umgänglich, wenn es um Hilfen geht.

Mit diesem flexiblen, aber nicht beliebigen Stil entwirrt man Knoten.

Auch wenn das Problem per se unlösbar erscheint, kann man einer kompetenten Frau eine solche Leistung durchaus zutrauen.

Merkel könnte am Ende als Siegerin da stehen, auch wenn sie dabei ihre Partei weit hinter sich lässt.

Ich würde nicht so weit gehen, Angela Merkel als Visionärin zu bezeichnen, aber sie hat Deutschland eine ganz neue Perspektive eröffnet.

Als führende europäische Nation zwischen den alten Machtblöcken zu agieren, gelingt ihr als Person besser, als jedem anderen zuvor.

Dabei lässt sie sich gottlob nicht durch irgendwelche blöden Männerfreundschaften ablenken.

Merkel führt zur Zeit die deutsche Eigenständigkeit vor, im europäischen Rahmen, gegenüber Amerika und gegenüber Russland und China.

Mit ihr ist Deutschland ein ganzes Stück gewachsen.

Das ist schon was.

Leider ist Angela Merkel überhaupt keine Sozialdemokratin, wie anfänglich der eine oder andere meinte.

But nobody is perfekt.

Die Sozialdemokraten sollten aber auf jeden Fall versuchen, von Merkel zu lernen.

So wie man männliche Strategien nicht nur bei Männern findet, findet man weibliche Strategien nicht nur bei Frauen.

Also Denkhemmungen überwinden! Konsequenz ist nicht immer das, was es scheint und Inkonsequenz auch nicht!

Deutschland könnte zu einem Vorreiter konkreter Intelligenz werden.

Eine echte Perspektive für unser Land.

Männliche Power, weiblich geführt!

Zuletzt aktualisiert am Samstag, 18. Juni 2011 um 10:49 Uhr  

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