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Soziale Netzwerke, eine tägliche Gratwanderung

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Starten möchte ich diesen Artikel mit einer Ansicht eines Zeitgenossen von vor mehr als 30 Jahren, die ersten Telefongeräte mit Konferenztaste und Makleranschluß wurden gerade vorgestellt.

Ich mußte ebenso umdenken und sollte darüber eine Erfolgsstory schreiben, neben mir saß ein älterer Kollege, der meinte zu mir, die Epoche des Telefonierens geht damit zu Ende wir schreiten ins Zeitalter der Mitteilungen, sind wir nun so mitteilungsbedürftig geworden?

Mitteilungsbedürftig waren wir allerdings schon immer, in Funktion und Dokumentation, nirgendswo wurden soviele Kopien und Baulpausen fabriziert als in Mitteleuropa, die Macht der Durchschläge und die Stärke des Inhaltes wurden mittels des Verteilers dargestellt.

Möglichst eine breite Verteilung, möglichst in der Herachie etliche in den oberen Etagen erreichen und Wichtigkeit darstellen.

Wir wurden erzogen zum Formalismus, die Weltmeister des Ausfüllens, der Fragebogen des Lebens, der Datenvergleich, die Sammelflut von Unterlagen, das zusätzliche Telefonieren, man fragte nach ohne dabei Informationen zu liefern es ging um auf sich aufmerksam zu machen.

Die Konzentration der Aufmerksamkeit sich zu eigen zu machen um daraus einen persönlichen Vorteil zu bekommen, im Zeitalter des Telefaxes wollte man Sendungskopien, man faxte und telefonierte trotzdem, man schob nach, man hätte ja das Blatt verkehrt herum einlegen können.

Mittlerweile gilt es chick überall und zu jeder Zeit erreichbar zu sein, man überspringt seine eigenen Hemmschwellen, galt es ein Jahrzehnt zuvor noch als anständig die Tür zum Telefonhäuschen zu verschließen, ist man Heute" in "mittels Handy zu telefonieren, die SMS zur falschen Zeit bringt nur noch Lacher, man errötet nicht mehr.

Die tägliche Gratwanderungen zwischen Wichtigkeit zu demonstrieren und andere daran teilnehmen zu lassen wird zu einer open end Veranstaltung.

Ich genoß vor einiger Zeit zwei Erlebnisse, ein Erlebnis eingeklemmt im Regionalzug zw. Spandau und Berlin, ein Dauerquatscher ließ alle Fahrgäste daran teilnehmen, er hatte seinen Zwangsaufenthalt in der JVA brandenburg beendet und teilte das allen bekannten Rufnummern mit, zusätzlich erfuhren alle im Zug wie die Zellen dort ausgestattet waren.

Volkshochschule im praktischem Lehrjahr.

Das zweite Ereignis fand vor dem Hallenbad am Spreewaldplatz statt, eine jüngere Frau erschien hinter mir am Kassenschalter und besprach sich etwas am Handy,das setzte sich fort, noch zum Gang in Richtung Dusche waren ihre Mitteilungen nicht erschöpft.

Mittlerweile git es die elektronische Post, da sparen etliche im Text sich auszudrücken, wir haben Angst um beim Schreiben Fehler zu machen, dabei haben Schreibfehler Gründe.

Eilt der Schreiber seinen Gedanken voraus ergeben sich Flüchtigkeitsfehler, Generationen vor uns kannten das Lektorat, man korregierte und man hatte vieles zu korregieren, das ist entfallen.

Derzeit kritisiert man, man stellt den Anderen bloß, mit dem Ergebnis die Klammer kommt ins Spiel.

Der Anhang wird wichtiger als die Mitteilung, früher telefonierte man von Mensch zu Mensch, heute fragt der andere:

Mein Name ist Barbara Illigmann, was darf ich für sie tun?

Danach wird man abgespult, es endet mit der Einsicht, der nächste Versuch wird anders.

Die Klammer, des Anhangs verführt zum Öffnen, die Klammer des Anhangs ist die offensichtliche Stärke der sozialen Netzwerke.

Ein soziales Netzwerk setzt sich aus Zufallsbekanntschaften zusammen, es beginnt ein unübersichtlicher Freundeskreis zu werden, wer sind meine Freunde und wer sind dessen Freunde?

Im realen Leben hätte man nach einem 10 Minutengespräch mindestens 85 % von denen die Freundschaft gekündigt, in den sozialen Netzwerken werden nämlich Freundschaften anders dargestellt, man erkennt sie erst nach einiger Zeit, es gibt Freunde fürs Leben- die findet man kaum auf FB, es gibt mitteilsame Freunde, es gibt hinterfragende, es gibt stets kommentierende, es gibt nachforschende, neugierige und welche die wissen mehr über einen als man von sich ab.

Man begegnet ihnen, denn irgendwann und irgendwo reibt sich was, manchmal ist es der Zufall und es zerbrechen Freundschaften.

Ein Mensch mit einer Moral wird diese auch im Medienzeitalter benutzen, ich mache stets davon Gebrauch, erreichen mich erregte Anrufe dann versuche ich auf ein Normalmaß zurückzufinden, wer bin ich und stelle meine Hilfe dar, mit Schuldzuweisungen, Belehrungen und allgem. Instruktionen kommt man nicht weiter sondern im Gegenteil man verhärtet die Fronten.

Gilt das nun auch für die sozialen Netzwerke, wo man diegleichen Zeitgenossen trifft, wo man die Vita dessen erlesen kann, wo man das Raster umgehen sollte, denn nirgendwo wird mehr gelogen als in der eigenen Biografie.

Die Gratwanderung zwischen dem überläßt man dem Freund, hat der Freund Rückgrat und Moral tritt er frech und frei auf, er setzt das voraus was er stets forderte, eine Offenheit im Netz.

Die Offenheit im Netz zeigt sich in den Informationen die der andere einstellte, die Versuchung mehr zu erfahren ist keine Untugend sondern der willkommende Beipack in einem sozialem Netzwerk.

Nun wird es lustig, denn läuft ein Posting mal über etliche Kommentare, wird man dazu verleitet auch mal einen Kommentar zu kommentieren, man berührt einen Freundeskreis des Freundes.

Ich hatte damit so meine Erlebnisse, einmal ging es um Afganistan, ein ehem. Staatssekretär startete eine Belehrungsaktion, der direkte Weg zur Mitteilung, das verhärtet Situationen die sich längst entspannt hatten, der Mann wollte Recht haben, mittlerweile nahm er sich das Recht und trat aus der SPD aus.

Andererseits erfährt man in diesem Zusammenhang auch was andere über einem denken, die Schablone kennt diesen Hemmschuh des verletzenden Wortes nicht.

Eine FB Freundin aus Wien schrieb mal in diesem Zusammenhang, die Freundschaft mit dem hätte ich längst aufgehoben, nur ich kenne ihn bereits so lange.

Dann sollte man selbst aktiv werden, die rote Linie des Anstandes unter Freunden überschritten, manche bemerken es allerdings nicht, man hat sie dann wieder als Freundschaftsanfrage.

Allerdings gibt es auch welche, die unterziehen Facebook noch ihrem Regelwerk, etwas was der Offenheit und Zugänglichkeit im Informationszeitalter widerspricht, die sind nett und wirkliche Freunde, es ist eigentlich schade wenn man erfährt was sie verlangen.

Die Gratwanderung aus einem öffentlichem sozialen Netzwerk ein Privatalbum zu machen, vielleicht gaben sie zuviel ein unterliefen die Hemmschwelle der Klammer und erklären nun anderen die Anwendung.dann werden Freunde zu Lehrmeister der Anwendung von Freundschaftsinformationen, nun da trennen sich die Geister und ich stelle die Frage, weshalb stellen sie es ins Netz?

Zuletzt aktualisiert am Montag, 01. August 2011 um 13:16 Uhr  

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