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Oma Europas Firma

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Nach zwei Jahren Euro-Krise und 2 Jahren Bankenkrise sucht man vergeblich, vielleicht sogar verzweifelt, nach dem soliden Grund unseres Finanzsystems.

Mann kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass eigentlich alles längst ausgeplündert ist und wir in Omas Sparstrumpf nur noch Schuldscheine finden, welche die Erben kurz vor Omas Ableben noch schnell auf ihren Namen aufgenommen haben.

Nun ist Oma tot und eigentlich die ganze Familie insolvent.

Alle sind jetzt böse auf Oma, deren zweiter Vorname übrigens zur Belustigung aller, Europa, lautet.

Wie konnte sie ihr Geld so leichtfertig an die bösen Kinder und Enkel verschenken und dann auch noch Kontovollmachten und Bürgschaften verteilen.

Die Wohlhabenderen in der Familie sind besonders empört, dass sich einige Schlitzohren, die es ja nie wirklich zu etwas gebracht haben, Omas Vermögen unter den Nagel gerissen haben und dann noch in ihrem Namen Schulden machten.

Ein deftiger Familienkrach steht ins Haus, zumal die Erbschleicher und Schuldensünder jetzt auch noch drohen, dass Familienunternehmen in Schieflage zu bringen, indem sie der guten Firma von Oma und Opa, Gott hab sie selig, die Kredite auch noch aufbürden wollen.

Leider sind aber alle diese Habenichtse auch noch Gesellschafter und die Gesellschaft keine GmbH, sondern eine GBR. Oh Schreck.

Wie es so ist, in Familien, haben sich früher alle gut verstanden und niemand hat sich aufgeregt, wenn Pedro mal wieder einen neuen Ferrari über die Firma abschrieb.

Man sparte ja Steuern und alle fuhren hübsche teure Kisten.

Aber als Pedros Geschäfrsbereich dann ins Wanken kam, weil die Kostenstrukturen schon lange nicht mehr stimmten und Theo plötzlich kein Geld mehr für den Einkauf bekam, da fing es an zu brenzeln.

In dieser Firma gab es natürlich nicht nur Verlustbringer, sondern auch profitable Geschäftsbereiche, die äußerst gewinnbringend waren.

So guckte man sich die Gewinne von Albert und Erna an und freute sich gemeinsam an der florierenden Firma, während es an den Rändern nur so bröckelte.

Alle lebten gleich gut, auf großem Fuß und es hätte ewig so weiter gehen können.

Dann kam diese kurze aber unangenheme Durststrecke, als die Banken plötzlich in Spekulationsnöte kamen und die Kredite nicht mehr flossen, wie gewohnt.

Natürlich kamen Pedro und Theo als erste in Schwierigkeiten und fragten nach Unterstützung bei Albert und Erna.

Klar, dass geholfen werden musste.

Die Banken waren ja Schuld und bald würde es schon wieder bergauf gehen.

Man half sich und half sich und plötzlich tauchte die wahre Bilanz von Oma Europas Firma auf.

Dicke rote Zahlen unter dem dem Strich auch bei Albert und Erna. Was war passiert?

Man hatte einfach viel zu lange das Unternehmen nicht mehr als Ganzes bilanziert, drückte sich immer nett darum herum und freute sich über hübsche Gewinne und nützliche Verluste, welche die Steuerlast senkten.

Tatsächlich war man schon seit Jahren Pleite und wusste es nur nicht.

Die Bankenkrise hatte diese Tatsache schließlich offen gelegt.

Die Firma war nun so groß geworden, dass alle Zulieferer, Gläubiger und Kunden nun Mordio und Zeter schrien, dass man doch bitte sehr schnell die Finanzen in Ordnung bringen möchte, weil man auf eine so große Firma einfach nicht verzichten könne.

Keiner drum herum wollte wahr haben, dass Oma Europas Firma nun schlicht und einfach Pleite ist.

Finito, das mochte keiner rufen, der irgendwie von ihr abhing.

Wie sollten sich  nun die Banken verhalten, die eigentlich kein Geld mehr geben durften, aber in der Not der Bankekrise von Oma Europa viele Bürgschafren erhalten hatten?

Wenn sie Oma für Pleite erklärten, würden ja auch die Bürgschaften nichts mehr Wert sein, dann wären ja auch die Banken pleite.

Denn, wo sollten die Banken sich dann das Geld leihen?

Verdammte Situation! Eigentlich waren alle Pleite!

Obwohl noch jede Menge Geld im Umlauf war. Das war aber nur Buchgeld.

Nicht mehr gedeckt durch nichts und niemanden. Man traf sich zu einer gemeinsamen Krisensitzung mit allen Beteiligten und dann stellte man die größte aller Katastrophen fest.

Alle Geschäfte, die in den letzten Jahrzehnten getätigt worden waren, alle Unternehmenswerte und alle Bankpapiere waren generell um das zehnfache überbewertet.

Der Glaube an Omas Reichtum hatte alle infiziert und deshalb hat sich jeder mit diversen Tricks fünf bis zwanzig Mal so reich bewerten lassen, wie er wirklich war.

Im Schnitt waren alle Vermögen in diesem Strudel nur noch ein Zehntel von dem was man vorher annahm, wenn man die Schulden abzog.

Ein riesiger Hefekuchen, der gerade dabei war, in sich zusammen zu fallen.

In dieser Situation gab es nur noch zwei Möglichkeiten.

Entweder man machte weiter wie zuvor und ignorierte den allgemeinen Bankrott, oder man akzeptierte einen Währungs-Crash, bei dem Oma Europas Geld nur noch 10% Wert sein sollte.

Ein Währungs-Crash erschien viellen zu dramatisch.

Die Findigen aber dachten sich im Stillen und in kleiner Runde, dass bei entsprechender Produktivität der Vermögensverlust schnell wieder aufzuholen wäre.

Die realen Vermögenswerte waren ja noch da und die einzigen, denen es an den Kragen ginge, wären die Kleinsparer.

Die hätten nämlich keine Chance, ihr Vermögen schnell wieder zu regenerieren. Die würden eine Generation und mehr brauchen, um wieder auf das Geld zu kommen, dass sie vor dem Crash zu haben glaubten.

So steuerten die Findigen in Oma Europas Firma zusammen mit den Banken und den Zulieferern still und leise einen Währungs-Crash an, um endlich die lästigen Schulden aus der Welt zu schaffen, die bei einem Crash ja auch nur noch ein Zehntel betragen würden.

Die Reichen könnten dann ihre Schulden loswerden und das Produktivkapital, dass ja in den realen Werten steckte, behalten und die Kleinsparer würden eben wieder klein sparen müssen.

So teilt sich die Welt in die, die sparen und jene die verschwenden dürfen und die Verschwender gewinnen, solange sie den Sparern das Geld wegcrashen können.

Eine gemeine Welt, die sich auf dem Raubzug befindet und die Oma Europa nicht gewollt hat.

Aber Oma ist  tot und kann sich nicht mehr wehren.

Und die Familie?

Der Familie geht es wieder besser, weil man sich geeinigt hat.

Pedro behält seinen Ferrari und Theo kriegt wieder Geld für den Einkauf.

Albert und Erna behalten ihre Geschäftsbereiche und die Realvermögen, auch wenn das Bare erstmal futsch ist. Dafür steigt die Produktivität erstaunlich und die Angestellten, die ihr ganzes Geld verloren haben und nun für zehn Prozent ihres Reallohnes arbeiten gehen, werden nach einer langen Durststrecke auch bald wieder mehr verdienen können.

Wohl denen, die Schulden auf dem Häuschen hatten und jetzt nur noch zehn Prozent wert sind, auch wenn sie die gleiche Kaufkraft wie vorher dafür aufbieten müssen und alles andere daneben nicht mehr bezahlen können.

Vor allem die Energiekosten sind böse angestiegen.

Die Insolvenz wurde jedenfalls abgewendet und die Katastrophe war mal wieder nur die Katastrophe der kleinen Leute.

Aber wehe.

Uroma Deutschland hatte auch schon mal sowas erlebt und danach eine ganz ganz böse politische Verwerfung gehabt.

Vielleicht sollte man Oma Europas Firma doch lieber den kleinen Leuten geben und eine Deflation mit Rezession riskieren.

Das Wachstum ist dann im Eimer, aber das Geld bleibt kräftig und wenn man weniger kaufen kann, bläht sich auch das Geld nicht so schnell wieder auf.

Vor allem dann nicht, wenn die Insolvenz von Omas Firma vielen Spekutlanten den Spass am spekulieren verdirbt.

Aber dafür müsste man auf Ferraris und all die anderen schönen Dinge verzichten und sich schlicht und einfach um sein klein Häuschen kümmern, das dann aber billiger zu beheizen ist.

Ich bin der zweihundertsiebenundfünfzigmilliionste Enkel von Oma Europa und denke, dass wir in einer Welt der Sparer einfach besser und länger durchhalten können, als in einer Welt der Verschwender.

Zuletzt aktualisiert am Montag, 10. Oktober 2011 um 06:45 Uhr  

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