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Helmut Naujoks beklagt die Opfermentalität von Arbeitnehmern

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„Der Chef ist nicht der Feind des Arbeitnehmers. Wir haben hier in Deutschland eine Neigung, dass der Arbeitgeber per se als Täter und der Arbeitnehmer per se als Opfer dargestellt wird und das ist zu einseitig und das ist falsch.“

(Helmut Naujoks auf seiner Website)

 

Wenn ein Mann, der dafür bekannt ist, mit Psychoterror, gezielter Demontage von Persönlichkeiten und juristischen Trommelfeuern Betriebsräte zum Aufgeben zu zwingen, eine solche Aussage macht, ist das ein unmoralisches Verhalten.

Er blendet die eigenen Grausamkeiten aus und sieht nur das „Fehlverhalten“ seiner Opfer.

Genauso gut könnte er nämlich sagen: „Warum stellen sich meine Opfer so an?

Ich will sie doch nur fertig machen.“ Der Inhalt ist der gleiche.

Der deutsche Mobbing-Spezialist zeigt keinerlei Hemmungen sich mit seinem bösen Zynismus in Talkshows zu präsentieren.

Er wird dabei nie so attackiert, wie er eigentlich attackiert werden müsste.

Das Kalkül geht dabei auf, das die "Guten" nicht genug Bosheit besitzen um seine Methoden auseinander zu nehmen.

Daran scheiterten schon Anne Will, Maybrit Illner, Sandra Maischberger und sogar Frank Plasberg.

Nur Harald Schmidt hat sich meines Wissens noch nicht an ihm versucht.

Ihm würde ich das zutrauen, er ist zynisch genug, um mit Zynikern umzugehen.

Einen Unmenschen zivilisiert zu attakieren,, das funktioniert einfach nicht.

Damit sind wir auch schon mit Helmut Naujoks durch.

Wer genaueres lesen möchte, kann sich an das Buch von Christian Esser und Alena Schröder „Die Vollstrecker“ halten, das im Bertelsmann-Verlag erschienen ist.

Angesichts der deutlichen Zunahme von psychischen Störungen als Grund für Frühberentungen, die allein von 2009 auf 2010 mehr als 10% betrug, sind wird aber mit dem Thema noch lange nicht durch.

Nie seit 1945 gab es in Deutschland einen so aufgeweichten Kündigungsschutz wie heute.

Den Unternehmensführern ist das aber nicht genug.

Sie wollen mehr.

Das Prinzip „hire and fire“ soll rücksichtslos auf alle Bereiche des Arbeitsmarktes ausgedehnt werden, die Gewerkschaften sollen marginalisiert werden und das so genannte Humankapital als Produktionsmittel materialisiert und gefügig gemacht werden.

Dies ist die neoliberale Ideologie, die Unternehmensführer in den letzten zwanzig Jahren weitgehend durchsetzen konnten.

Warum also wundern wir uns über psychische Störungen am Arbeitsplatz, die Zunahme von „Burn out“ und psychischen Traumatisierungen. Mobbing-Opfer sind Traumatisierte und das ist kein Spaß mehr.

Die Aggressoren sitzen zu 80% in den Führungspositionen unserer Unternehmen und lesen Mobbing-Ratgeber von Leuten wie Naujoks.

Nach dem Motto, wie mache ich Mitarbeiter so kaputt, dass sie von selbst aufgeben?

Wir haben es nicht nur mit pervertierten Akteuren an den Finanzmärkten zu tun.

Wir sind Jahr um Jahr mehr mit einer pervertierten Arbeitsgesellschaft konfrontiert.

Die Opfer reagieren dabei all zu häufig nach dem Mechanismus einer Identifikation mit dem Aggressor.

Sie lassen die Mobbing-Drohungen oder Attacken nicht nur über sich ergehen, sondern tragen diese auch aktiv weiter.

Ein bekannter menschlicher Schwachpunkt, der uns eigentlich aus den Zeiten des Faschismus noch bekannt sein müsste.

Wenn aber Psychopathen in Nadelstreifen auftreten und sich tadellos an die Etikette halten, scheint die gesellschaftliche Kritikfähigkeit, insbesondere in den bürgerlichen Schichten zu erlahmen.

Wenn es dann auch noch um Geld und Wohlstand und die Rettung oder Vermehrung des Vermögens geht, kann auch eine Gesellschaft, wie die unsere, von einer verhältnismäßig dünnen Schicht psychopathischer Wirtschaftsfaschisten beherrscht werden.

Genau diese Entwicklung deutet sich in Deutschland an, wenn auch bei Weitem nicht nur in Deutschland.

An dem aktuellen Stand der Dinge gibt es nichts zu beschönigen.

Die zivilgesellschaftliche Gegenwehr ist viel zu schwach, die Gewerkschaften in vielen Branchen marginalisiert und in ihren Hochburgen angepasst, die SPD greift den Skandal des Arbeitsmarktes nicht auf, weil sie ihn selbst verursacht hat, die Grünen sind vor allem daran interessiert ihren Luxus ökologisch zu kultivieren und passen deshalb zunehmend besser zur Union, und die Linken rutschen wie auf einer schiefen Ebene langsam aber sicher in ihre PDS-Vergangenheit zurück.

Die Medien regen sich um des Aufregens willen auf und wegen der Quotensteigerung.

Sie entblöden sich nicht, Leute wie Naujoks in Talk-Shows einzuladen.

Schließlich bleiben die Piraten, ein versprengtes Häufchen von Web-Aktivisten, die durch ihre verzweifelten Wähler völlig überschätzt werden.

Wo soll man anfangen und wo soll man aufhören, in diesem kaputten kapitalistischen System, das immer mehr Opfer hinterlässt?

Eines ist jedoch sicher.

Die psychologische Katastrophe, die sich in den westlichen Gesellschaften anbahnt, wird in ihren Auswirkungen durchaus zu einer Radikalisierung der Bevölkerung führen.

Vielleicht nicht in dem Ausmaß, wie wir es im letzten Jahre bei den Unterdrückten in der arabischen Welt beobachten konnten.

Vielleicht aber doch.

 

Zum Thema Mobbing

Zuletzt aktualisiert am Montag, 09. April 2012 um 18:40 Uhr  

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