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Start Internet Warum die MdBs der SPD für die Onlinezensur sind

Warum die MdBs der SPD für die Onlinezensur sind

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Jörg Tauss ist MdB und Genosse a.D. Er ist nachdem die SPD mit 3 Enthaltungen und 3 Gegenstimmen für das Gesetz gestimmt hat, ausgetreten.

Ich möchte hier einen herzlichen Dank an die Genossen richten, die dagegen gestimmt haben.

Dies sind: Jörg Tauss, Dr.Wolfgang Wodarg, Steffen Reiche

Dazu gehört Mut!

Auch die drei Enthaltungen von Ulrich Kasparick, Ottmar Schreiner und Wolfang Spanier sind ein Grund zur Hoffnung.

Ich möchte hier einen Beitrag von Jörg Tauss (jetzt Mitgleid der Piratenpartei) zitieren, der verdeutlichen soll aus welchem Grunde es zu diesem Abstimmverhalten kommt.

Die Frage, welche auf Abgeordnetenwatch.de gestellt wurde.

[...] Verstehen Sie bitte, dass sich meine Argumentation zum eigentlichen Sinn des Zugangserschwerungsgesetzes hier nicht auf die Verhinderung von Kinderpornografie im Netz bezieht, sondern auf die Schaffung von Voraussetzungen zur willkürlichen Zensur aller Inhalte des Internets und der damit vorbereitenden Lobbyarbeit.

Bitte erklären Sie mir, warum aus Ihrer politischen Erfahrung, eine sich selbst als sozial und demokratisch bezeichnende Volkspartei sich so verkaufen muss, nur weil mal wieder Wahlkampf ist.

Jörgs Antwort ist dann etwas länger ausgefallen, ich zitiere sie hier komplett.

Sehr geehrter Herr Guenther, ich versuche mal eine Erklaerung:

Ein grosser Teil der Parlamentarier ist mit dem Internet nicht aufgewachsen.

Sie empfinden es daher moeglicherweise sogar als Bedrohung.

Sie nehmen es nicht als technisches Netz oder als Kommunikationsinfrastruktur wahr, verstehen nichts von Netzneutralitaet, sondern als etwas, wo man eben Boeses bekommen kann und wo vermeintlich das Boese auch herkommt und die Gesellschaft durchdringt.

Das Netz spiegelt nicht Probleme wider, sondern verursacht sie in deren Augen: (in beliebiger Reihenfolge und austauschbar Islamismus, Pornos, Hacker, Bombenbauanleitungen, Terroristen, Rechtsradikale und dann auch noch amoklaufende Jugendliche etc. etc.). Deshalb muss das auch bei uns bekaempft werden, zumal, siehe Olympia, es die Chinesen ja schliesslich sogar vormachen koennen (CSU- Uhl ernsthaft: Bei der Ueberwachung des Internet von China lernen).

Ein weiterer Teil, angefuehrt von durchaus netten Kolleginnen wie Karen Marks und Christl Humme, hat wirklich und ernsthaft die Auffassung, mit dem Gesetz tatsaechlich etwas gegen Pornographie mit Kindern zu tun und fuer missbrauchte Kinder Positives zu bewirken.

Das steht seit 15 Jahren schliesslich schon in EMMA und Unicef sagt es auch.

Fakten zaehlen da nicht mehr.

Kein (SPD-) MdB kaeme z.B. auf die Idee, zum Gespraech auf einen Bauernhof zu fahren, ohne sich vorher etwas ueber die Milchquote oder dergl. anzulesen oder wenigstens aufschreiben zu lassen.

Unter "Internet" koennen sich aber eben viele immer noch weniger vorstellen als unter einer Kuh.

Ein weiterer Teil hat sich daher auf die Aussagen von "Fachleuten" wie Martin Doermann verlassen, der in der Fraktion von einem "guten Kompromiss" und "Verhandlungserfolg" gegen die Union sprach.

Dass sich Stasi 2.0 die Haende reibt weiss er nicht, will er nicht wissen, weil es ihm weder die Bundesnetzagentur noch sein Referent so aufgeschrieben haben und nur ueble Lobbyisten das Gegenteil behaupten.

Er glaubt denen daher auch nicht, glaubt vielmehr den von ihm verbreiteten Unfug selbst und ist beleidigt, dass ihm die gleichfalls boese "Szene" wiederspricht und "sein" Werk nicht auch noch lobt.

Er hat mich beim Parteitag sogar noch gebeten, zu helfen, die "Szene" mal richtig zu informieren.

Und ein anderer Teil hat sich, wie Peter Struck, davor gefuerchtet, ein negatives Medienecho zu bekommen (ueberlegt mal bei einer Ablehnung, was wohl die Zeitungen dazu sagen....).

Dieser Teil der Partei, zu dem auch Muentefering gehört, nimmt die "digitale" Welt noch allenfalls als eine wahr, in die man preiswert und ohne Portokosten "etwas hinschicken" kann.

Bevorzugt nette Worte über sich selbst oder die Partei.

Und Obama hat es ja schliesslich auch irgendwie und ganz schick gemacht, auch wenn man gar nicht weiss oder wissen will, was der eigentlich gemacht hat.

Aber man will dann doch irgendwie modern sein und twittern oder sonst was schickes, sofern es nicht gerade aus der Fraktion ist oder voreilig das Ergebnis der Bundespraesidentenwahl.

Und Sascha Lobo sieht ja trotz allem ganz lustig aus und so, wie man sich diese Internet - Freaks, von denen es ja welche sogar als Waehler (!) geben soll, so vorstellt.

Diese Mischung aus Borniertheit, Uninformiertheit, technischem Desinteresse, der guten Absicht, wenigstens "etwas" zu tun, Angst vor der BILD- Zeitung etc. fuehrte dazu, dass man weder die Expertenmeinungen noch die Meinungen von 134.000 Petentinnen und Petenten wenigstens in ihrer Mischung zur Kenntnis nahm oder nimmt.

Weil es aber doch irgendwie seit ein paar Tagen komisch laeuft, gründet man jetzt mit Brigitte Zypries wenigstens nachtraeglich noch einen Arbeitskreis.

Ein Kollege hat mir jetzt tatsaechlich geschrieben, er verstehe mich ueberhaupt nicht, wegen "dem bisschen Freiheit" im Internet die SPD verlassen zu koennen.

Dieses Zitat belegt, wie weit die handelnde gesetzgeberische Generation tatsaechlich vom Problem weg ist und keinerlei Sensibilitaet dafuer entwickelt hat, was der systematische technische Aufbau von Zensurinfrastruktur fuer einen freien Staat tatsaechlich bedeuten kann oder bedeutet.

Mit freundlichen Gruessen

Joerg Tauss

Natürlich hat Jörg dort seine eigene Meinung und ist alles andere als unparteiisch.

Interessant ist seine Stellungsnahme allemal.

Übrigens, Jörg kam sehr in Kritik da er angeblich Kinderpornos auf seinen Rechner hatte.

Eine sehr interessante Zusammenfassung zum Thema findet ihr auf Helmschrotts Blog, welcher mal die andere Seite der Medalie betrachtet.

Auch sehr lesenswert.

 

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