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Aus der Erinnerungskiste

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„Versuche einmal das Vertrauen aufzubauen.“

Das waren die letzten Worte, die man mir zur Jahreswende 1989/90 mit auf den Weg ab.

Das war der Jahreswechsel nach dem Mauerfall und der Wende in Teilen Europas, einen Tag nach der Maueröffnung stand ich zusammen mit einem Professor aus Poznan auf der Westseite der Oberbaumbrücke und die Menschen kamen uns entgegen, einige zeigten unaufgefordert dem West Zoll ihren Personalausweis und liefen freudestrahlend in Richtung des Schlesischen Tores.

„ Das ist der Anfang vom Ende“ sagte mein Freund aus Poznan zu mir, vom Ende war allerdings noch keine Rede, denn noch funktionierte die DDR.

Noch vor Weihnachten 1989 wollte mein alter Freund aus der CDU mit mir in seinen Heimatbezirk in den Südosten Berlins fahren, bei der Einreise verspürten wir noch den Geist der längst vergangen Tage, am Abend zurück unweit des Brandenburger Tores galt das alles nicht mehr, man verabschiedete uns per Handschlag aus der Hauptstadt.

Es änderte sich von Tag zu Tag und eigentlich wurde es normaler, am 2. Weihnachtstag hatte ich am anderen Ende der Telefonleitung eine mir noch sehr bekannte Stimme aus längst vergangen SHB Zeiten.

Ich wusste eigentlich so viel von ihm, doch das betraf alles der Vergangenheit, er war in der Wissenschaft geblieben und am OSI aktiv und die knüpften gerade Kontakte zu denen die in der alten DDR die Sozialdemokratie wiederbeleben wollten.

Da fand sich in lauter Vereinigungsfreude ein kleiner Kreis von ehemaligen die Jene die wagen wollten zu unterstützen.

Nur hatte man uns nicht gerade dazu gebeten, doch die taten sich etwas schwer- und es fehlte fast an Allem, nur nicht am guten Willen.

Jedenfalls muss man sich fragen, wer kann dabei nein sagen, zunächst ging es reinen Formalismus und den versuchten wir aus dem bundesdeutschen Verständnis in die Realität der noch vorhandenen DDR zu übertragen.

Es ging in erster Linie um die Durchführung einer Vereinssitzung, wobei das allerdings noch kein Verein war.

Ich bekam eine Telefonnummer mit der Vorwahl Berlin /Ost und versuchte mein Glück, wobei der andere an der Leitung glücklicher war als ich, dann gab es die ersten Annäherungsversuche bei der ersten Kontaktaufnahme in Pankow liefen wir entlang der Panke und ich verstand einigermaßen das worum es ging.

Verstand also meine Aufgabe, bekam noch etliche Seiten Papier die ich von Zuhause an etliche Adressen faxen sollte, Faxgeräte sowie funktionierende Telefone waren zu dieser Zeit im Ostteil der Stadt kaum vorhanden.

Ich wusste, was ich machen sollte, erledigte das eine und entwarf ein Manuskript, mit dessen Hilfe man Einladungen hätten erstellt werden können.

Nur wusste ich zu dieser Zeit nicht, wie treudeutsch erzogen DDR Bürger die Taten vollbrachten, beim 2. Treffen unweit des Anhalter Bahnhofs im Westteil der Stadt, fragte mich mein treuer und älterer Genosse aus dem Ostteil, haste auch Bestätigungen von den Faxen, damit man erkennt das die gesendet wurden?

Das hatte mich im Westen wohl der Letzte vor 5 Jahren gefragt, das war die eine Sache, die zweite war mein Manuskript.

Das wiederum gefiel ihm, nur zu meiner Überraschung wollte er sich das genehmigen lassen.

Da liefen also Welten auseinander, meine Version war, diesen Entwurf den Vereinsgründern vorlegen und an der Basis entscheiden evtl. ändern und als Anschreiben an alle Interessierte versenden.

Nur stand ich mit der Meinung alleine da, er suchte fast verzweifelt den Mann der den Hut aufhatte und dieses genehmigen würde.

Mir fiel nur mein alter SBH Genosse in der FU ein und der fand sich dazu bereit, ins OSI zu gehen und dabei nicht zu bitten, das führte er aus.

Danach verspürte ich etwas Erleichterung, kam auf andere Gedanken und genoss die Linden am Abend zum Brandenburger Tor zu laufen, nur sollte ich mal wieder in den aktiven Kreis der ehemaligen SHBer kommen.

Der Abend kam und fast alle hatten ähnliches erlebt, doch niemand hatte aufgegeben, mittlerweile gab es auch besseren Telefonverkehr von West nach Ost, mitunter auch bereits umgedreht, jedenfalls gelangte meine Telefonnummer nach jenseits von Pankow.

Ich bekam also dankende Anrufe, meistens von meinem alten Genossen aus dem Ostteil der Stadt, sie hatten den Ortsverein gegründet und einige aus dem hatten den Wunsch mich kennenzulernen.

Da entstand im Gespräch zu den alten Westkollegen so einiges, „was erzählt man denen?“

Ich bekam die Antwort“ versuche das Vertrauen aufzubauen“, also warme Worte die man anwenden sollte.

Erst einmal dahin finden, plakatieren taten die noch nicht und waren fast alle redlich beschäftigt, die erwarteten irgendeinen aus dem Westen.

Nur das ich derjenige war, verstand ich erst als man mich erkannte, den warnenden Hinweis bekam ich sofort: „ aufpassen die Stasi ist noch aktiv“ und ich stand da und sollte das Vertrauen aufbauen.

Denen etwas erzählen aus einem Staat der Westen lag und dessen Grausamkeiten ich kannte, ich begann irgendetwas sinnloses zu erzählen, das verstand man kaum, nur dabei wurde ich etwas ruhiger und dann erzählte ich etwas von meiner Kindheit, einer Kindheit im Nachkriegsdeutschland ohne Care Pakete, denn bei uns hatten die Britten das Sagen.

Da spitzten die alle ihre Ohren und es war still, man hörte mir zu als ich von dem Winter im Nachkriegsdeutschland berichtete wo uns die Kohlen ausgingen.

Das lag weniger an dem kalten Winter und noch weniger an den Planungen meines Vaters, sondern an den Gegebenheiten im Nachkriegsdeutschland.

Mein alter Herr wäre im Oktober unglücklich gewesen, wenn im Keller nicht ein Vorrat an Brennstoffen vorhanden gewesen wäre.

Man musste nämlich planen, der Waschkessel benötigte alle 14 Tage mehr als 2 Eimer an Brikett und zudem der Badeofen, den wir mittlerweile wieder besaßen.

Der Vorkriegsbadeofen ist wohlweißlich mit Wanne in den Zeiten des Endsieges spurlos verloren gegangen, nun gut auch diese ersten Jahre überlebten wir, ob uns jeder riechen konnte, wurde mir nicht mitgeteilt.

Zudem befeuerten wir unsere Wohnung nur mit 1 ½ Dauerbrenner, dann reichte der Vorrat bis in den März , nur in einem Jahr war das alles anders.

Der zweitälteste Bruder meiner Mutter kam auf Buß- und Bettag und blieb bis nach dem Totensonntag, da wurde das Wohnzimmer außer Plan jeden Tag geheizt, der Schreck war eben weg und die Patentante meines Vaters tat uns den Gefallen vor Weihnachten zu kommen und blieb bis nach Neujahr.

Das verstanden meine neuen Genossen und riefen, „ erzähle nicht weiter, das erlebten wir auch“ , es waren also mehr oder minder menschliche Erlebnisse und evtl. auch Kleinigkeiten aus dem Alltag die uns fehlten im Zusammenwachsen.

Zuletzt aktualisiert am Dienstag, 13. November 2012 um 05:19 Uhr  

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