Mein Herz schlägt links

Initiative linker SozialdemokratenInnen in der SPD

  • Schrift vergrößern
  • Standard-Schriftgröße
  • Schriftgröße verkleinern
Start Neuigkeiten Ein Nachruf auf das Bürgertum

Ein Nachruf auf das Bürgertum

E-Mail Drucken PDF

 

 

 

Kann man von einer gesellschaftlichen Erosion der bürgerlichen Mitte sprechen?

Man sollte, bevor der Kampf um die Mitte in der Gesellschaft an Fahrt gewinnt, sich auf die Suche machen nach dem Bürgertum.

Das Bürgertum verfügte zwar nicht über mehr Freiheiten und war auch nicht toleranter als andere Schichten, doch mit dem Bürgertum wurde die Substanz, der eigentlich lebendigen immateriellen Werte in Verbindung gebracht.

Da krachte es ebenso in den Familien aber trotzdem war die gesellschaftliche Substanz eine andere.

Man war mancherorts nicht gebildeter, man benutzte nur andere Darstellungsweisen, hatte andere Umgangsformen und hielt sich Regeln.

Na ja, mitunter- bei der Verteidigung der immateriellen Werte mehr als bei den materiellen.

Mit dem Abbau der sog. innerstädtischen Harmonie verlor das Bürgertum an Einfluss auch an Informationsquellen.

Die bürgerliche Lokalpresse wurde ein Opfer dieses Prozesses, kleine Lokalzeitungen die unabhängig operierten mit Redakteuren aus der Nachbarschaft, ihre vollendete Kunst war es, die große Politik zu übersetzen.

Das gibt es nicht mehr, ein paar verbliebene Blätter sind längst verschluckt worden von Großkonzernen, die mittels einer gemeinsamen Redaktion sich gegenseitig die Artikel zu spielen.

Meinungsvielfalt in der Region auf diese Schiene gehört der Vergangenheit an, ein primäres Erkennungsmerkmal des noch in Takten Bürgertums liegt dann vor, wenn zu der Regionalzeitung noch eine Überregionale täglich gelesen wird.

Die Regionalpresse hat ihre Eigenständigkeit aufgegeben, der Name blieb nur wurde daraus ein Zentralorgan.

Es wird nun gefährlich, im Interesse der Vielfalt, denn zu einer formierten Gesellschaft gehört nun einmal die Information, wenn in diese Lücke sog. Anzeigenblätter stoßen.

Anzeigenblätter mit noch so wohlklingenden Namen sind und bleiben Anzeigenblätter, die einen ganz anderen Leserkreis ansprechen.

Eigentlich müsste sich das Bürgertum mit Traditionsbewusstsein sich solcher Presse verweigern, gibt es allerdings dieses Bürgertum noch, was die Muße besitzt überregionale Zeitungen zu lesen und Wochenzeitungen mit Hintergrundinformationen zu abonnieren?

Wochenzeitungen die etwas mehr bieten als Faktenmagazine, die breiter aufgestellt sind als die bunten Blätter am Kiosk, die kann man mittlerweile zählen.

Heißt das wiederum, unser Bürgertum verweigert sich der Muße des Lesens und informiert sich auf eine andere Art und Weise?

Die Kunst des Lesens kann die Freude am Leben sein, nur was liest eigentlich wer?

Das gedruckte und gebundene Buch war ein immaterielles Indiz einer aufgeklärten Gesellschaft, man schätze Informationen und Bücher, die man las gaben einen gesellschaftlichen Trend wieder.

Man befand sich in einer Gesellschaft wo die Kultur im Mittelpunkt stand, Kultur bedeutet allerdings Leben und das Leben ist nicht nur angenehm, weshalb muss dann Kultur angenehm sein?

Die Hoffnung auf ein besseres Leben war das Ziel der Arbeiterklasse, die Sucht nach angenehmer Kultur zerstörte unser Bürgertum.

Der Sog der Sucht nach den Annehmlichkeiten im Leben zerstörte den inneren Zusammenhang des Bürgertums, etwas was Josef Neckermann mit seinem Versandhaus nicht schaffte, schaffte aber Neckermann und Reisen.

Man gab freiwillig Ideale auf, man gab Ziele auf- die klassische Sommerfrische, den klassischen Kur- und Badeort und mitunter das klassische Vereinsleben.

Intaktes Bürgertum kleidete sich an Sonn- und Feiertagen besser als an Werktagen, besaß Regeln, der Familienspaziergang, die Hausmusik und der Theaterbesuch.

Es gab auch die Kontakte, es gab ungeschriebene Gesetze, man saß gemeinsam und hatte sich etwas zu sagen, man schätzte sich.

Das Bürgertum was wir kennen ist futsch, verschwunden wie der Münzfernsprecher, es gibt kaum noch den Familienvater der des Mittags zu Tisch vom Büro nach Hause kommt, der danach die Zeitung list und nach einer Stunde wieder ins Büro geht.

Das Bürgertum kauft mittlerweile auch anders ein, man achtet dort mehr auf den Preis als auf die gegenseitige Verpflichtung.

Hat sich das Bürgertum eigentlich untereinander verpflichtet gefühlt oder wollte nur der eine den anderen übertrumpfen?

Es waren nicht die äußeren Statussymbole, das Auto mit dem Stern sondern der Sog zum Angenehmen.

In diesem Sog opferte man eine bis dahin beständige Kultur, man quittierte das mit Rastlosigkeit.

Es wurde ein Kennzeichen der Verlogenheit eines sterbenden Bürgertums in dieser Gesellschaft, nicht mehr teilen zu wollen, das Bürgertum von Heute ist die Nischengesellschaft geworden.

Man erkennt es an ihrer Spendenbereitschaft, an ihrem gesellschaftlichen Einsatz, sie tanzen da wo sie gesehen werden möchten aber nicht dort wo man sie braucht.

Das ist in der Regel in kleinen Sportvereinen sichtbar, man geht nicht mehr des Sonntags zum Fußballspiel der unteren Ligen, man findet auch kaum das sog. beschäftigte Bürgertum in den Kirchengemeinden wieder.

Sie machen sich rar, so wie in unseren Städten die Lokale der bürgerlichen Küche verschwanden, sie bestellen wohl bei Käfer?

Eigentlich neigen sie, all diese Bürgerlichen von Gestern dem Leben im Durchlauferhitzer zu, sie rufen zwar nach dem Staat, wenn es um Infrastruktur geht und um ihre private Entlastung sind aber nicht gewillt der Gesellschaft etwas mehr zu geben.

Der eigentliche bürgerliche Eiertanz beginnt mit einer Schnäppchenjagd auf einem anderen Label, man drückt mehr denn je nach unten um sich andererseits nach oben zu platzieren.

Die Gewissenlosigkeit hat sich hier breit gemacht, man redet gerne mit anderen um heißen Brei herum und gibt sich gerne als Jene die man sei, kann das aber weder mit Wissen noch Interesse belegen.

Das derzeitige Restbürgertum ist gewissenlos geworden und handelt mitunter verantwortungslos, es sind teilweise gedankenlose Patrioten der Jetztzeit, die in die Selbstständigkeit gedrängt wurden und die Prinzipien ihrer Eltern über den Haufen warfen.

Ein gewisser Teil dieser gedankenlosen Patrioten ihres eigenen Daseins meinen etwas zu schaffen und bedienen sich der Mittel des Frühkapitalismus.

Dabei erzeugen sie weder Neid sondern Missgunst, denn wer bietet unterbezahlte Aushilfskräftestellen an und wer bietet in der Summe die Zahl der unbezahlten Praktika Stellen an und wer beschäftigt illegal eine osteuropäische Putzfrau?

Zuletzt aktualisiert am Freitag, 23. November 2012 um 05:14 Uhr  

Wahlkampf

Erneuerbare Energien

Statistiken

Benutzer : 335
Beiträge : 5670
Weblinks : 145
Seitenaufrufe : 12937161

Verwandte Beiträge