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40 Jahre sind eine lange Zeit

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Zwischen den Feiertagen zu Ende des Jahres 2012 kam mal an einem Abend auch Facebook kurz die Diskussion in den Vordergrund, „ wie war das eigentlich damals Ende der 60. Jahre als Student in einer großen Stadt?“

Nicht das Studium sondern wie lebte man dort, wo der Ku Damm die Glitzerwelt war und der Schatten bereits auf den Bahnhof Zoo fiel.

Man lebte und gehorchte der inneren Uhr und man fand zu Menschen, Berlin war kalt und mitunter unangenehm, man fand allerdings immer zu neuen Menschen.

Es bildeten sich Zirkel, Zirkel der Vernunft um sich gegenseitig zu unterstützen und das nicht nur bei der Verarbeitung des Lehrstoffes, sondern man fand stets wieder den Anschluss.

Sicherlich irgendwann hatte man kapiert, in das Studentenwohnheim kommst du nie, denn obere Semester riegelten sich ab und probierten eine andere Phase ihres Lebens aus.

Das begann am Samstagnachmittag während des Fußballspielens auf der Wiese vor dem Reichstag, die am wildesten sich keilten waren meistens bereits im Doktorranden Kolleg, da wusste man mitspielen ging nicht.

Mitspielen konnte man auch in einigen Szenen nicht, es gab zwar keine Türsteher aber man kannte sich und das war fachbereichsübergreifend, manches wurde zu Anfangs zum Tabu, denn man wagte sich nicht.

Da gab es die berühmte Kneipe „ bei Hertha“ in Moabit, Montagsabends sammelten sich dort die Rechtswissenschaftler ein, wer mit denen 5 Bier trank und dann in der Musikbox für 20 Pfennig die „ Internationale“ wählte erfuhr alle Neuigkeiten des Spiegels aber man gehörte noch nicht dazu.

Richtig dazu gehörte man erst, wenn man 3 oder 4 Umzüge mitgemacht hatte, dabei warnte man sich gegenseitig vor Umzügen von Geisteswissenschaftlerinnen.

Die packten alle schweren Fachbücher in 3 oder 4 Kartons und ließen andere schleppen, die waren allerdings umzugsfreudig und somit erweiterte man seinen Horizont.

Der Horizont reichte für einige Zeit nur zwischen Uni, Bude, Frittenbude, Hallenbad und der Bibliothek am Halleschen Tor , in dem Kreis traf man die aber wieder.

Dann begann ein Kreislauf und der setzte sich fort, man kam in eine erweiterte Gruppe, die sich traf und da wollte man anders sein als andere.

So ein Treffpunkt war der Leierkasten in der Zossener Straße, man wollte leben und das mit wenig Geld, den Abend angenehm verbringen, das war nicht nur der Jazz sondern all das Drumherum und wenn man den Hunger in der Nacht verspürte, auf der Gneisenaustraße gab es immer noch Lokale mit den Schmalz Stullen mitten in der Nacht.

Man wohnte auch irgendwo da, wo die Mieten noch preiswert waren und experimentierte, man baute aus drei Fahrädern eins und konnte in wenigen Tagen eine Ente so flott kriegen, dass sie durch den TÜV kam.

Das machte man für sich und für andere und dann verfügte man über ein Notizbuch.

Das Notizbuch war lebensnotwendig, es hatte eine Unterteilung für das Fachwissen, den Rettungsanker und notwenige Ansprechpartner.

Es gab in jeder Vorlesungsreihe die weiterreichende Literaturempfehlung, man las sich bei Kiepert ein und staunte über den Preis, sagte danke und stellte es zurück, man hatte aber eine Quernotiz, im Osten der Stadt gab es Unter den Linden einen Buchladen mit DDR Hochschulliteratur und dort verkaufte man ähnliches.

Da kam zwar der Gilb im Laufe der Jahre rein, entweder pinnte man das an die Wand und schrieb darunter max.20DM oder man fuhr per U Bahn in den Ostteil der Stadt.

„20 DM" war die verfügbare Höchstgrenze und das war eigentlich jedem klar.

Der Rettungsanker das war was anderes und behütet wie nur was, da gab es die Telefonnummern u.a. von Mathematikern im 10. Fachsemester, 1 Stunde bei denen ersetzte 3 Stunden Arbeit, manchmal musste man, weil man nichts verstanden hatte.

Der Rettungsanker galt auch zum Anzapfen von Geldquellen, regelmäßige Arbeit nebenbei hatte kaum jemand und die in der Lottozentrale ging unter der Hand weg, was blieben waren Renovierungen.

Da konnte man allerdings in andere Kreise einsteigen, möglich war das man sich anschließend als Kompasse bei irgendwelchen Filmaufnahmen wiederfanden.

Fuhr man dann zu den Filmaufnahmen gemeinsam im Bus in den Wilden Westen, sah man bekannte Gesichter, man kannte die jungen Damen aus dem Hörsaal wieder.

Verabredete man sich dann mal, zunächst war immer Leydecke die Weinstube in Schöneberg dran, es war irgendwie komisch die Herren der Schöpfung wohnten in Kreuzberg 61 oder Moabit und alle begehrten jungen Damen zog es nach Schöneberg.

Schöneberg war etwas anders, Studentinnen liebten ihre Umgebung, hatten Sinn für andere Sachen und musizierten, da gab es in Studentenbuden Klaviere und etliche konnten drauf spielen.

Hatte man einen solchen Kontakt, dann gab es das Kino unweit vom Kleistpark und all die Abende im Park vor dem RIAS nördlich vom Schöneberger Rathaus.

Das war der Schlüssel um in Studentenkreise zu kommen, die sich für Jahre eingenistet hatten in preiswerte Welten der Wohnheime.

Das war eine Welt für sich, ein solches war direkt am Schloss Charlottenburg und das andere in der Eimenstraße.

Da war eigentlich das Leben freier, es gab keinen erkennbaren Stress, man frühstückte min. 2 Stunden am Morgen, es waren immer welche dort und wussten Rat, man unternahm auch mehr und forderte sich heraus, diskutierte bis in die Nacht, irgendwer telefonierte gerade immer und das Bad war stets besetzt.

Man verbrachte Ostern stets in der Akademie im Hansaviertel, lieh sich alles aus und verlieh ebenso alles, da entwickelten sich Freundschaften.

Manche hielten, manches Verhalten konnte man staunend beobachten und es bildeten sich Paare, man unterschied im Haus und draußen.

Es gab ungeschriebene Regeln, Reaktionen auf verschmutzte Küchen und leere Kühlschränke und es gab Feten, es gab Diplome die wurden begossen und Betten in denen manche nicht nur schliefen.

Wir nannten ihn dann Danjgo, er schaffte es an einem Nachmittag mit Bett und Frau durch die Rigibswand zu kommen.

Dann zogen etliche aus, zunächst fuhr man in den Urlaub- da ging stets das Geld aus, einen solchen kenne ich noch, nach 6 Tagen am Neusiedlersee arbeiteten wir beim Winzer für 3,25 DM in der Stunde.

Irgendwann im Herbst bemerkte man, es schleusen sich einige ein, das war damals schon schwierig und nicht jede Stelle war die richtige, wurde man angesprochen um mitzukommen ins Joes Schnapshaus am Ku Damm ging es meistens um das Auto, das hieß Vorstellungstermin.

Mein Auto wurde zum Leihwagen und ich zum Schlipsbinder, zu einigen hatte ich Jahre danach Kontakt, an einen erinnere ich mich immer gerne, meinen Freund Helmut und der ging zum Hessischen Rundfunk.

Ein paar Jahre darauf machte ich mal mit meiner Frau im Westend von Frankfurt Station, „ nicht schlecht- so zu wohnen“ meinte die, erst am Abend im Palmengarten tauten wir wieder auf.

Ein anderer füllte mal eine Ausstellung in Spiegelau mit seiner Hinterglasmalerei und ich durfte zur Eröffnung, der andere füllt nun Zeilen in einer führenden Hauptstadtzeitung.

Die Frau, die damals mit dem Bett durch die Wand kam, wurde später einmal die Freundin meiner Frau und der wiederum sagte ich nichts.

Der Mathematiker, der mir 6 Semester entfernt war, den benötigte ich mal vor ein paar Jahren, mein Junior musste durch die höhere Mathematik.

Der Mathematiker wohnte noch so wie vor 40 Jahren, all das alte Gerümpel in der gleichen Adresse zu finden, nur sein Wohnzimmerfenster hatte man verbaut vor 40 Jahren blickte er nämlich von dort in den Gefängnishof.

Zuletzt aktualisiert am Donnerstag, 03. Januar 2013 um 05:47 Uhr  

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