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Start Archiv 2013 Archiv 2013 150 Jahre Sozialdemokratie und die letzten 50 Jahre davon begleitete ich diese Partei

150 Jahre Sozialdemokratie und die letzten 50 Jahre davon begleitete ich diese Partei

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150 Jahre Sozialdemokratie und wer mehr als einige Jahrzehnte dabei ist, der hat nicht nur den gewissen Bezugspunkt sondern auch eine Fülle von Erinnerungen, die niemand einem nehmen kann.

Der Bezugspunkt sollte für mich erst später der 23. März des Jahres 1933 werden, jedem Sozialdemokraten sind die letzten freien Worte in der Kroll- Oper des damaligen SPD Vorsitzenden Otto Wels bekannt, doch nur derjenige welcher sich intensiv damit beschäftigte weiß, das war die abgeschwächte Form der Rede.

 

Wie es dazu kam und warum an diesem Tage der damalige junge Abgeordnete Kurt Schumacher in der Fraktion aus seiner Haut fuhr, ist einigen gar nicht mehr bekannt, es ging um das eigene Überleben.

Allerdings sollte man auch sagen, das war der Bezugspunkt in meinem weiteren Leben für mich, das Interesse zur SPD hatte andere Quellen.

Eine ganz entscheidende Quelle war das Interesse an der Politik über den Tellerrand hinaus, im Jahre 1971 bekleidete Erhard Eppler ein Ministerium was gerade sein 10. Jähriges Bestehen feierte, unter Konrad Adenauer gründete man das Ministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und erst durch Eppler wurde das Ministerium zu dem was es heute sein sollte, es war der Zeitgeist der uns aufhorchen ließ.

Ich erinnere mich einigermaßen noch ziemlich konkret an diese Epoche.

Kreuzberg war vor dem Umbruch und in diesem Bezirk hatte ein alter Sozialdemokrat sich ein politisches Denkmal gesetzt, Kreuzberg lebte auf von dem was Texas Willy geplant hatte, wir kannten ihn nur als den Bezirksbürgermeister Texas Willy, denn der Bürgermeister namens Willy Kretschmann trug stets sein kariertes Oberhemd.

Das Freibad an der Hochbahn geht auf Texas Willys Impulse zurück auch der Neubau des Krankenhauses am Urbanhafen, das wiederum damals vom Bundespräsidenten Gustav Heinemann eingeweiht wurde.

Was wiederum etwas mehr an Multikulti in einen Bezirk brachte, der von drei Seiten eine Sektorengrenze hatte, es entwickelte sich hier eine Drehscheibe der Machbarkeiten und des Probierens.

Man traf sich, locker und wollte so anders sein, der Treffpunkt war der Leierkasten in SW 61 und das war die Teilruine in der Zossener Straße, die Heilig Kreuz Kirche befand sich gerade in einer Umbauphase, die Zossener war eine Durchgangsstraße zum Mehringdamm und das bedeutete Leben.

Leben auf eine andere Art, denn der Leierkasten war Hort des Kreuzberger Zickenjazz hatte einen ganz großen Pächter, es war Kurt Mühlenhaupt.

Man traf sich, nicht nur zu Bier und Persiko und zum Schlagzeugsolo der Kreuzberg Stompers zu Mitternacht, nein man unterhielt sich auch miteinander.

In dieser Zeit machten wir Bekanntschaft zu einer Gruppe Jusos, die etwas älter waren und es stellte sich heraus es waren Kibbuzniks, damit eröffnete sich eine Perspektive, man drang in völlig neue Welten vor und das ergänzte sich zudem was man aus dem neuen Entwicklungsministerium hörte, in Kladow jenseits von Spandau legte der Deutsche Entwicklungsdienst gerade den Grundstein für seine Zentrale.

Man wurde neugierig, vielleicht waren etliche junge Damen von uns etwas weiter, mit denen konnte man so herzerfrischend diskutieren, Studentin an der PH und eine zum Reden fand man immer meistens in der Weinstube von Luzie Leydecke, die jungen Damen wussten mehr, im Ku Damm Karree lief monatelang der Film Cabaret, man sah ihn nicht einmal sondern mehrere Male.

Man wurde neugierig, einmal interessierte man sich für die Szene und das war der Jazz, die Ostertage in der Akademie der Künste im Tiergarten und vor einem waren die Größen des Jazz, beide Mangelsdorfs und dazu die Ost/West Begegnungen.

Es tat sich etwas mehr, die evangl. Kirche in Berlin setze Akzente, vielleicht wegen oder trotz Eppler, auf Schwanenwerder fanden die ersten Foren statt zum Thema Afrika und eigentlich fand an einem solchen Abend der Beginn der Loccumer Gespräche statt, einige Zeit später gründete man daraus die international angesehene Vierteljahreszeitschrift „ der Überblick“.

Den allerdings suchten wir damals noch, wir wollten zwar anders sein und uns von der Masse unterscheiden, nur sollte man dazu mehr wissen.

Bildung war die eine Sache und an Informationen heran kommen die zweite, was wiederum bedeutete man besuchte Veranstaltungen und lernte das Zuhören, es gab etliche die hatten etwas ganz anderes zu berichten und einen davon traf ich, der sprach über den ersten Schritt zur Versöhnung.

Das war der junge Harry Ristock, der Juso der seinen Landesparteivorstand herausforderte, Harry war nämlich anders, Harry war ein Versöhner der den Gegner von einst die Hand reichte und um Vergebung bat, Harry war ein Ostpreuße, Harry war ein 1968er und Harrys Stern ging auf in Nürnberg auf dem Bundesparteitag, Harry traf dort u.a. Jochen Steffen und Jahre danach wurde Harry Ristock einer von den Senatoren in Berlin die etwas bewegten.

Bei mir stellte sich heraus welchen Nachholbedarf ich an Lektüre hatte, kreuz und quer durch die Republik schrieben wir uns Briefe und verwiesen auf Bücher die man unbedingt lesen müsste, Uwe Wesel der Papst unter den Juristen an der FU beschrieb das einmal wie folgt:

Waren die des Montagsnachmittags alle schlau, die lasen nämlich bis mittags den Spiegel.

Das tat man auch, saß an den Ufern des Landwehrkanals las die Frankfurter Rundschau und den Spiegel, Kreuzbergs Realität war 3 Straßen weiter.

Man wurde aber mobiler und man nahm Herausforderungen an, eine war das Treffen, man sich wieder in der Meistersinger Halle zu Nürnberg zum Ost/West Jazztreffen oder man pilgerte im Juni zur Burg Altena an der Lenne.

Das war eigentlich ein Pflichtprogramm, wer sollte nicht mal all die Größen life sehen, Altena und das Festival auf der Burg wurde verbunden mit einer Tagung in Haus Villigst bei Schwerte an der Ruhr, im evangl. Studentenwerk gab es die Afrika- Foren.

Eines davon beschrieb unser Verhältnis von gestern zudem von heute und machte eine Hoffnung auf Morgen.

Man war dort und begegnete eigentlich Bekannte, eine davon erkannte mich wieder, eine Tagungspause nutzen wir zu einem Fahrradausflug ins benachbarte Elsebachtal und da stellte sie die folgende Frage: „ Wann haben wir eigentlich mal Zeit um uns zu bekennen, dass Afrikas Armut sich auf unseren Reichtum bezieht?“

Wenn nicht jetzt, wann dann im Leben- das waren nicht nur starke Worte, sondern eigentlich die richtigen zur richtigen Zeit, wenn man im Beruf ist gewöhnt man sich an das Geld und man entwickelt andere Ansprüche, die Zeit heilt zwar nicht Wunden doch die Interessen werden ganz andere.

Damals hätte ich es mir nicht träumen lassen, zum Bundestagswahlkampf 1972 in Nürnberg mit Günther Grass und der ESPEDE für Egon Lutz in den Wahlkampf zu ziehen, in dieser Zeit hatte ich nebenbei die erste Tätigkeit angenommen um mich finanziell zu gesunden, ich war angestellt bei den damaligen Grundig Radiowerken in Fürth.

Was wäre wenn gewesen, die Frage stellte ich mir nie sondern all das blieb im Maßstab, Grundig war nicht Kreuzberg und ich sollte schnuppern in der Großindustrie, wer sagte uns wohin das führen wird?

Man folgte, mitunter Mut voll aber mutlos war man nie, es galt etwas im Ausland seinen Mann stehen, über Wien folgte Posen und auch dort traf man Menschen aus einer linken Familie.

Man stellt sich im Beruf Anforderungen, findet sich in gewählter Funktion wieder und sollte sich stets an seine Quellen erinnern, irgendwann führte ich mal einen Betrieb und an Mariannes Worte aus Villigst mußte ich denken, man trug Verantwortung- die war für mich allerdings etwas anders, zunächst galt der Mensch und das waren meine Mitarbeiter.

 

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