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Weil das wichtig ist!

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Der Kirchenvater Augustinus nannte sie die „Mutter aller Tugenden“.

Immanuel Kant sah in ihr den „Indikator für die eigentliche Würde des Menschen als eines freiheitlichen Vernunftwesens“.

Friedrich Nietzsche verglich sie mit der „Sklavenmoral, als Haltung eines kriechenden Wurms, der nichts anderes im Sinn habe, als nicht getreten zu werden“.

Erich Fromm wiederum sah in ihr „die der Vernunft und Objektivität entsprechende emotionale Haltung als Voraussetzung der Überwindung des eigenen Narzissmus“.

Die Rede ist von der Demut, einer Geisteshaltung, ja auch eines Lebensprinzips, das sich heute für die meisten von uns eher schlecht anfühlt.

Auf den ersten Blick will niemand von uns mehr demütig sein.

So ist es mir ergangen, als ich in meinem persönlichen Umfeld die Menschen auf Demut ansprach: Der Begriff ist durchweg negativ besetzt.

Ein müdes, irritiertes Lächeln auf meine Frage war noch die vornehmste Antwort.

Mehrheitlich wird Demut mit Unterwerfung gleichgesetzt.

„Mit Demut macht man sich selber so klein“.

Wir sind aber gerne groß, wir Menschen, viel zu gerne gar größer als unsere Zeitgenossen.

In einer Zeit, in der alle ethischen und moralischen Schranken durchbrochen sind, scheint Demut fehl am Platze.

Sie ist nicht die Haltung, die unserer Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung zugrunde liegt, sie kann es nicht sein.

Alles will/soll ins unermessliche wachsen, da ist Demut (die doch in der Einsicht der Begrenztheit allen Seins gründet) hinderlich.

Nein, Demut ist geschäftsschädigend, das haben die Protagonisten des großen Geldes längst erkannt.

Deshalb werden sie auch nicht gerne auf Demut angesprochen!

Nun sind es gerade diese Zeitgenossen, der Demut so fern, denen Millionen Menschen ihre Verelendung zu „verdanken“ haben.

Doch die Geschundenen haben ein Gespür dafür entwickelt, dass in dieser Welt etwas falsch läuft, möglicherweise auch etwas fehlt.

Dieses etwas bleibt oft noch diffus, hat noch keinen Namen.

Noch verdeckt der Schleier der Moderne uralte Weisheiten des Menschengeschlechts.

Modern sind heute unsere Möglichkeiten der Informationsbeschaffung, das Internet scheint einen schier unendlichen Fundus an Wissen bereitzustellen.

Es ist ein leichtes, nach Demut zu googeln, fast zweihunderttausend Treffer lassen sich so in Windeseile erzielen.

Und dennoch erschließt sich uns nicht unmittelbar ihre Bedeutung, wir müssen tiefer graben, denn ganz oben im Ranking werden zu aller erst die missbräuchlichen Zwecke der Demut feilgeboten.

Das hat Tradition, den Missbrauch gab es auch schon vor der Moderne.

Für Augustinus ist der Demütige der Dienende vor Gott.

Der Gläubige ergibt sich als Diener Gottes weil er es für richtig hält.

Erst der Aufklärung gelang es, die Menschen von dieser göttlichen Instanz zu befreien und der Demut eine neue Deutungsweise zu erschließen.

Und die tut heute Not.

Weil das wichtig ist! Weil die Menschen spüren, dass dieser Welt etwas fehlt.

Weil sie erahnen, dass uns der Laden ohne die Neubesinnung auf Werte wie Solidarität, Gerechtigkeit, Respekt (auch und gerade vor der Schöpfung), ohne Toleranz und Achtung bald um die Ohren fliegen wird.

Weil der kulturelle Niedergang unübersehbar ist. Deshalb ist die Neue Demut so wichtig!

© Norbert Wiersbin (2013) www.norbertwiersbin.de

Zuletzt aktualisiert am Donnerstag, 21. Februar 2013 um 13:55 Uhr  

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