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Bundeswehr raus aus unseren Schulen und der LehrerInnenausbildung!

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Der Erfahrungsbericht der Bundeswehr-Jugendoffiziere zur Kooperationsvereinbarung zwischen dem Bayerischen Kultusministerium und dem Wehrbereichskommando IV

(abrufbar unter http://www.bundeswehr-monitoring.de/fileadmin/user_upload/media/JOffz-BY-2012.pdf) zeigt: die Bundeswehr versucht auf allen Ebenen, die Ausbildung von Lehrerinnen und Lehrern zu beeinflussen.

Die zugrunde liegenden Kooperationsvereinbarung zwischen dem Wehbereichskommando IV (Süddeutschland) und dem bayerischen Kultusministerium umfasst im Wesentlichen sechs Punkte, die alle darauf abzielen, in die Ausbildung und die Fortbildung der Lehrkräfte einzugreifen.

Die Bundeswehr verkauft es als Erfolg, dass "regionale Lehrerfortbildungen", Planspiele in der ReferendarInnenausbildung und Seminarfahrten für Lehrerinnen und Lehrer von den Jugendoffizieren organisiert wurden.

Erschreckend ist, dass die Jugendoffiziere offenbar eine noch weitere Institutionalisierung dieser "Zusammenarbeit" anstreben.

Dabei ist die Bundeswehr bereits an vielen Stellen beteiligt, an denen sie eigentlich nichts verloren hat, zum Beispiel in einem Gesprächskreis mit dem Staatsministerium für Unterricht und Kultus, dem Staatsinstitut für Schulqualität und Bildungsforschung, der Akademie für Lehrerbildung und Personalführung Dillingen, Vertretern der Ministerialbeauftragten, der Regierungen und des staatlichen Studienseminars für die Ausbildung von Lehrern an den beruflichen Schulen.

Die Frage ist: Was will die Bundeswehr konkret durch die Einmischung in die Ausbildung unserer Lehrerinnen und Lehrer erreichen? Warum versuchen die Jugendoffiziere, Einfluss auf den Lehrbetrieb zu nehmen? Zwar ist von einer Zusammenarbeit die Rede, aber der Bundeswehr wird es wohl kaum neue Erkenntnisse oder sonstwie Vorteile bringen, sich in Bildungseinrichtungen einzumischen. Stattdessen sollen, so die Kooperationsvereinbarung, die "Schulen und Lehrkräfte unterstützt werden, die mit SchülerInnen und Schülern sicherheitspolitische Fragestellungen bearbeiten."

Nur: Die Bundeswehr ist kein objektiver, selbstloser Partner, um Schülerinnen und Schüler über "Sicherheitspolitik“ zu informieren.

Die Bundeswehr ist das Militär der Bundesrepublik Deutschland und damit ein bewaffneter Verband, der sich mit "sicherheitspolitischen Fragestellungen" immer unter militärischen Gesichtspunkten unter Abwägung deutscher Interessen auseinandersetzt.

Die Bundeswehr ist kein selbstständiges Forschungsinstitut, das unabhängige wissenschaftliche Studien anstellt. Eine solche Organisation könnte den Lehrkräften tatsächlich helfen, die SchülerInnen zu unterrichten.

Der Bildungsbetrieb ist aus gutem Grund losgelöst von militärischen und polizeilichen Organisationen. Er darf niemals instrumentalisiert werden, um militärische Sichtweisen, gerade auf die internationale Sicherheitslage, zu vermitteln, sondern soll die SchülerInnen zu mündigen, selbstständigen, politisch differenziert geschulten Menschen bilden.

Für die Vermittlung politisch umstrittener Themen ist fast jede Organisation besser geeignet und befähigt als die Bundeswehr, die ideologisch nicht gerade unabhängig ist und regelmäßig von Skandalen erschüttert wird, die auf eine politisch und gesellschaftlich äußerst diffuse Einfärbung großer Teile der Truppe schließen lässt.

Es darf nicht sein, dass das Militär irgendeinen, sei es auch noch so geringen Einfluss darauf hat, wie welche Themen im Unterricht behandelt werden. Das ist schlicht nicht Aufgabe des Militärs. Eine Militarisierung der Gesellschaft ist eine Gefahr für unsere Freiheit und Demokratie.

Die Hilfe bei der Unterrichtsführung scheint also nichts weiter als ein Vorwand zu sein, die Bundeswehr gesellschaftlich noch mehr zu etablieren und Akzeptanz für das Militär schaffen.

Gerade unter Schülerinnen und Schülern versucht die Bundeswehr oft, sich als attraktiver Arbeitgeber zu präsentieren, die vor den SchülerInnen auftretenden Jugendoffiziere heißen seit neuestem sogar ganz offiziell „Karriereberater“. Die Hauptaufgabe von Soldatinnen ist und bleibt aber das Töten von Menschen.

Eine Kooperation des Kultusministeriums mit der Bundeswehr ist vor diesem Hintergrund also schlicht unverständlich.

Immerhin scheinen sich die Schulen der Gefahren bewusst zu sein, der Bericht spricht davon, dass Anschreiben der Jugendoffiziere nur selten eine Einladung seitens der Schulen zur Folge hätten.

Der Bericht spricht aber auch ausdrücklich davon, dass die erwähnten Fortbildungen und Seminare für Lehrkräfte die Bereitschaft der Lehrerinnen und Lehrer fördern sollen, Jugendoffiziere einzuladen. Hier versuchen die Jugendoffiziere nicht einmal, ihr wahres Anliegen zu verdecken, sondern sprechen es ganz offen aus: die Schaffung von Akzeptanz für die Bundeswehr an unseren Schulen.

Das Militär hat an unseren Schulen aber nichts verloren, weder direkt noch dadurch, dass es versucht Lehrerinnen und Lehrer zu manipulieren!

 

 

Zuletzt aktualisiert am Freitag, 01. März 2013 um 15:09 Uhr  

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