Mein Herz schlägt links

Initiative linker SozialdemokratenInnen in der SPD

  • Schrift vergrößern
  • Standard-Schriftgröße
  • Schriftgröße verkleinern
Start Neuigkeiten Hugo Chavez

Hugo Chavez

E-Mail Drucken PDF

 

 

 

Der Präsident Venezuelas Hugo Chavez ist an Krebs gestorben.

Die offizielle Staatstrauer beträgt sieben Tage, doch was ist schon eine offizielle Staatstrauer?

Die würde sogar für Angela Merkel ausgerufen, sollte sie das Schicksal im Amt ereilen.

Die wahre Trauer sieht man den einfachen Leuten in Venezuela an, für die sich Chavez immer eingesetzt hatte.

Natürlich zeigen die Fernsehnachrichten die theatralische Übertreibung, doch die Trauer der Menschen ist echt.

Es ist völlig unvorstellbar, daß eine solche Trauer auch nur für einen unserer Politiker empfunden würde, oder würden Sie es als besonders tragisch empfinden, wenn eine Angela Merkel, ein Philipp Rösler, ein Horst Seehofer, eine Claudia Roth oder ein Sigmar Gabriel überraschend das Zeitliche segnen würde?

Würde die wirklich jemand vermissen?

Dabei sind das alles Volldemokraten, die zu irgendeinem Zeitpunkt vom Volk gewählt worden sind, auch wenn das die ehemaligen Wähler heute gerne abstreiten.

Selbst Deutsche, die diese Herrschaften nicht für Volksverräter halten, würden allen Genannten keine Träne nachweinen.

Der letzte Politiker, der unter großer Anteilnahme der Bevölkerung bestattet worden ist, war Franz Josef Strauß.

Er hatte seine Ecken und Kanten, und nicht alles, was er getan hatte, war wirklich sauber.

Doch die Bayern haben ihn als Landesvater empfunden, ihn geliebt oder gehaßt, aber nicht als Technokraten, als bloßen Verwalter der Macht empfunden, als gefühllosen Fisch, als form- und prinzipienlose Qualle wie Angela Merkel.

Die USA hoffte auf Versöhnung mit Chavez und die sah so aus, dass Venezuela den Abbau seiner Ressourcen den westlichen Industrienationen über den Umweg von Konzernen erlauben, Verträge anerkennen sollte, in denen für eine kleine Entschädigung Milliarden für die westliche Petroindustrie möglich werden.

Eine Gewinnbeteiligung oder Anteilseignerschaft wäre hierbei kaum angedacht.

Venezuela hätte Militär zu stellen, für die Sicherheit zu bürgen, erhielte dafür Aufwandsentschädigung nebst Schmiergeld für die Eliten und wäre wieder in die westliche Wertegemeinschaft integriert.

So oder so ähnlich läuft es andernorts ja auch.

Die designierte Versöhnung ist als Erpressung gedacht, als sittenwidrige Vertragspartnerschaft und Betrug an den Venezolanern.

Die würden nämlich plötzlich von Bildungseinrichtungen und Krankenhäusern abgeschnitten, die ihnen die Verstaatlichung der Erdöl-Industrie einbrachte.

Schmiergelder und Aufwandsentschädigung für Militär und Straßennutzung wären ja auch billiger zu haben.

Hugo Chavez mag das gewesen sein, was ein Millionen-Peer Steinbrück als "Clown" bezeichnet, weil er nicht die Neoliberale Politik für nur 1% der Reichen vertrat.

Es war Chávez Verdienst, dass er die Ressourcen Venezuelas als Chance für das Volk installierte und nicht als Chance für multinationale Konzerne, immer milliardenschwerer zu werden.

Nicht alles mag gelungen sein, manches holperte, vielleicht war mit den Petromilliarden auch mehr soziales Netz möglich.

Nicht zu vergessen die Opposition des Landes, die latent immer einen bürgerkriegsähnlichen Zustand erzeugte.

Chávez war ein streitbarer Mann. Aber mit dem Typus "korrupte Tropenmarionette" hat er gebrochen.

Hugo Chavez hat sich gegen die USA gestellt, die "einzig verbliebene Supermacht" beschimpft, obwohl die USA das einzige Land sind, das über Raffinerien verfügt, die venezolanisches Erdöl verarbeiten können.

Hugo Chavez ist vor der UNO unkonventionell aufgetreten, hat den Geist des Bösen seines Vorredners George W. Bush vom Rednerpult vertrieben.

Er hat das Gold Venezuelas nach Hause geholt, was sich kein westlicher Politiker zutraut, schon gar kein Deutscher.

Er hat sich keine Paläste gebaut, ja nicht einmal einen schicken Kanzler-Airbus angeschafft.

Dafür hat Chavez die Öleinnahmen seinem Land, seinem Volk zukommen lassen.

Eine zwischengeschaltete Abkassierfirma wie SUNIMEX, die Merkel für unentbehrlich hält, hätte Chavez nie zugelassen.

Er war kein willfähriger Statthalter des Westens. Er hat die schöne versöhnliche Harmonie, die vorher herrschte, durchbrochen.

Das wird man ihn über seinen Tod hinaus verübeln. Tut man jetzt schon.

Der Spiegel verabschiedet sich von einem Narziss und Focus nennt ihn einen Wiedergänger Bolívars - beide geben damit den Steigbügelhalter "westlicher Versöhnungspolitik".

Chávez' Tod ist ein Verlust, denn es geht mit ihm ein Mann, der als Gegenentwurf des Neoliberalismus personalisiert war; einer, der wenigstens den Versuch wagte, sich der herrschenden Lehre der Weltökonomie zu verweigern.

Hugo Chavez war unterhaltsam, was ihn von unseren "seriösen" Politikern unterscheidet.

Er war ein Patriot, was ihn von unseren Politikern noch viel stärker unterscheidet.

Und er hat etwas für sein Volk getan, nicht immer mit Erfolg, doch in den besten Absichten. Und das unterscheidet ihn von allen egoistischen, nur aufs eigene Wohl und Fortkommen bedachten Volldemokraten, die sich im weltweiten Politikzirkus tummeln.

Man kann nur hoffen, dass es für Südamerika als Andenken an ihn und als Zukunftsperspektive für die Venezolaner unversöhnlich bleibt.

Als schmerzhafter Stachel im Fleisch des Westens, als Gegenentwurf zur hiesigen ökonomischen (Un-)Kultur.

Dabei ist nicht die noch immer herrschende Armut im Karibikstaat gemeint, sondern die Einsicht, dass Politik nicht der Handlanger von Konzernen sein darf, sondern die Interessen der Allgemeinheit durchzusetzen hat - gegen alle Widerstände.

Chávez hat keine Widerstände gescheut und wird so zur historischen Persönlichkeit über die südamerikanische Hemisphäre hinaus.

Aus diesem Grund, obwohl ich kein Venezolaner bin, trauere ich um Hugo Chavez.

Zuletzt aktualisiert am Samstag, 09. März 2013 um 02:58 Uhr  

Wahlkampf

Erneuerbare Energien

Statistiken

Benutzer : 335
Beiträge : 5749
Weblinks : 145
Seitenaufrufe : 14234456

Verwandte Beiträge