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Sozialdemokratische Tierethikpolitik - Gegenwart. Kritik. Zukunft

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Werfen wir einen Blick auf die Tierschutzpolitik der Bundestagsparteien: Niemand, der sich wirklich für Tierschutz interessiert, kann die CDU, CSU oder FDP wählen.

Dies sind Verhinderungsparteien, von denen ohne sehr viel Druck (Vergleich Österreich: Besetzung ÖVP-Parteizentrale durch Tierschützer) nichts zu erwarten ist. Die drei anderen Parteien (Linke, Grüne, SPD) vertreten mehr oder minder fortschrittliche Positionen.

Allerdings geht es meist um die Frage der "artgerechten" Haltung.

Die grundsätzliche Frage, ob Menschen Tiere nutzen dürfen oder ob Tiere grundsätzliche Rechte haben, wird kaum gestellt.

Dabei haben diese Parteien gute Gründe für tierethische Gesellschaftskritik: Linke, SPD und Grüne können sich auf ihre Theoretiker_innen und Praktiker_innen wie z.B. Rosa Luxemburg, Magnus Schwantje, Leonard Nelson und Willi Eichler beziehen, die Grünen gar auf ihre Proklamation der Grundrechte der Tiere (1989).

Natürlich steht es progressiven Parteien auch offen, sich mit "moderneren" Ansätzen zu beschäftigen, z.B. "Die Befreiung der Tiere" von Peter Singer oder "The Case for Animal Rights" von Tom Regan, deren Texte immerhin knapp 40 Jahre alt sind.

Für politisch Linke dürfte auch die 20 Jahre alte feministische Theorie von Carol J. Adams, dargelegt in "The Sexual Politics of Meat"* interessant sein.

Doch welchen Stellenwert sollte Tierethikpolitik für eine sozialdemokratische Partei haben?

Natürlich hat die Labour Animal Welfare Society (LAWS), eine der Labour Partei in Großbritannien nahestehende und seit 20 Jahren existierende politische Tierschutzgruppe vollkommen recht, wenn sie sagt:

"Keine Wahl wird jemals durch Tierschutzpolitik gewonnen - noch sollte sie es - aber durch die Ausweitung des Begriffes soziale Gerechtigkeit auf Tiere, würde sich die Labour Party von anderen unterscheiden und die Stimmen derjenigen bekommen, die diese Werte teilen. Es würde auch etwas verändern - ganz einfach - es ist das richtige." (LAWS Submission to Labour Party Your Britain Policy Consultation)

Die LAWS nennt damit zwei entscheidende Punkte.

Zum einen: Wenn wir z.B. über Fleisch, Milch oder Eier reden, dann sprechen wir nicht über Naturschutz, nicht über Agrarwirtschaft, nicht über Tierschutz.

Wir sprechen über Gerechtigkeitsfragen.

Wie wir mit Tieren umgehen, welche Rechte sie haben, welche Pflichten wir haben, all das sind Fragen der sozialen Gerechtigkeit!

Zum anderen: Wieviel sich sich ändern kann ist eine machtpolitische Frage.

Der 22 Jahre lang im SPD-Parteivorstand sitzende Willi Eichler hat zwar Recht, wenn er sagt: "Es ist ein Gebot des Charakters, die Richtigkeit einer Maßnahme nicht danach zu bemessen, wie viele sie für richtig halten."

Aber in der Politik geht es nicht nur darum, was man für richtig hält, sondern auch, was mehrheitsfähig ist und womit Stimmen gewonnen werden können.

Die SPD muss mehrere Dinge beachten:

  1. Tierschutz ist den Wählenden wichtig. Wir sollten um ihre Stimmen kämpfen.
  2. Will sich die SPD nicht verbiegen, kann sie bei Jäger_Innen keine Stimmen gewinnen.
  3. Andere Parteien sind für die SPD nicht das Maß aller Dinge. Die Grünen stecken das Feld für politischen sinnvollen Forderungen nicht ab.
  4. Wir müssen eigene Erfolge und Positionen besser kommunizieren. Warum gibt es keine Flyer? Warum gibt es keine (zentrale) Webseite zu diesem Thema? Wir haben Arbeit mit der Bekämpfung von Wildtierzirkussen, der Eintragung des Tierschutzes in das Grundgesetz oder der Forderung nach einem Verbandsklagerecht. Aber ohne eine stärkere Kommunikation bleiben die Lorbeeren doch nur bei den Grünen hängen.

Wenn wir eine progressive Tierethikpolitik haben wollen, also eine die sich mit Rechten und Pflichten gegenüber nichtmenschlichen Tieren beschäftigt und die Bedeutung der "Veredelungswirtschaft" auch für Welternährung und Umwelt betrachtet, dann muss die Basis diese auch einfordern.

Ohne progressive Forderungen der Basis dürften Entscheidungsträger_innen mit fortschrittlichen Standpunkten scheitern, starke Veränderungen in Gang zu bringen.

* Bisher habe ich keine guten deutschen Online-Rezensionen zu dem Buch gefunden.

Alternative Einstiege in das Thema Feminismus-Tierrechte bieten emma.de, frieschmitz.blogsport.de, stefan-sander.eu

Stefan Sander bloggt über Tierschutz & Tierrechte, den vegetarisch & veganen "Lebenstil", die Jusos, die sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD) und die politische Konkurrenz.

Zuletzt aktualisiert am Donnerstag, 18. April 2013 um 08:52 Uhr  

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