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Truthing people into peace

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Wikileaks. J. Assange analysiert eine Bedrohungslage, die von den Medien vehement verleugnet wird.

An der Freiheit des Netzes hängt die globale Zukunft von Demokratie und Frieden

Mainstream-Rezensionen von Julian Assanges Buch,“Cypherpunks“, wie im Spiegel-Online-Artikel vom 27.11.2012, der unter folgendem Link zu finden ist, fallen überwiegend negativ aus und werden in der Kategorie „Verschwörungstheorien“ subsummiert.

http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/assange-buch-cypherpunks-aluhuete-unter-sich-a-869331.html

Überhaupt hat sich die internationale Mainstream-Media von Assange und Wikileaks so nachhaltig distanziert, dass seine Verfolgung durch State-Departement, Pentagon, und alle Nachrichtendienst der westlichen Industrieländer, einschließlich Schwedens schon fast gerechtfertigt erscheint.

Diese Rechtfertigung einer merkwürdigen „Vogelfreiheit“ im Internetzeitalter, welche Assange „genießt“, was angesichts seines fortgesetzten Zwangsaufenthaltes in der Ecuadorianischen Botschaft in London kein Genuss sein dürfte, wird allerdings von unseren Medien nicht mit seiner gefährlichen Kriminalität gerechtfertigt.

Ganz im Unterschied zu vielen amerikanischen Medien, in denen Assange als Staatsfeind No1 und damit quasi als Todgeweihter gehandelt wird, sieht man in Deutschland die Unglaubwürdigkeit seiner Person bis hin zur Lächerlichkeit in die Medien lanciert.

Nicht, dass Assange sich zu Unrecht bedroht fühle, nein, er habe in den USA schon einiges zu erwarten, so er jemals (über Schweden) dorthin ausgeliefert oder vom CIA verschleppt würde.

Nein, das wird in Deutschland eigentlich nicht behauptet.

Aber Assange wird als Paranoider dargestellt, weshalb man ja nie genau wissen könne, welche seiner Befürchtungen real seien und welche einem kranken Hirn entspringen, so dass man das reale Substrat seiner Paranoia erst dann erkennen kann, wenn er tatsächlich seinen Feinden in die Hände gefallen ist.

Genau auf diesen Augenblick wartet der internationale Medienmainstream, sehnt ihn vielleicht sogar herbei.

Julian Assange als Versuchsperson und nicht als Journalist, den es zu schützen gilt.

Auf diese Situation passt tatsächlich der Begriff „vogelfrei“ in einem modernen Sinne.

Natürlich interessiere ich mich auch für den Geisteszustand von Julian Assange, muss allerdings sagen, dass ich bisher keinen Anhalt für eine psychische Störung in seinen Äußerungen gefunden habe.

Gespräche und Interviews mit ihm sind schließlich gut zugänglich zu finden, und ich beziehe mich gern auf ein Gesprächstransskript aus dem Jahre 2011, in dem hauptsächlich Assange und Eric Schmidt (CEO-Google) zu Wort kamen.

Ein intelligentes Gespräch ohne jeden Hinweis auf Verfolgungsideen, formale Denkstörungen oder Fremdbeeinflussungserleben bei Assange.

Nichts also, was einen Psychiater beunruhigen würde. Der Wikileaks-Gründer unterhält sich über fünf Stunden äußerst alert und eloquent.

Eine gründliche Rezeption dieses Gespräches erscheint lohnend.

Das Transskript des Gespräches, an welchem auch Jared Cohen teilnahm, findet sich hier:

http://wikileaks.org/Transcript-Meeting-Assange-Schmidt.html

Ich gebe zu, dass ich zwei Urlaubstage gebraucht habe, um dieses Gespräch zu lesen und einigermaßen zu verstehen.

Dennoch konnte ich in den Äußerungen Assanges nicht den geringsten Hinweis auf eine „Verschwörungstheorie“ entdecken, wohl aber eine ganze Reihe interessanter Hinweise, warum „Verschwörungstheorien“ überhaupt entstehen, ohne dass der Begriff in dieser Unterhaltung ein einziges Mal gefallen wäre.

Dazu später noch ein paar Worte.

Der in unseren Medien zunehmend als Verschwörungstheoretiker diskreditierte Assange folgt einer Logik, die durchaus nachvollziehbar und realitätsangemessen erscheint.

Die empirische Prüfung der Aussagen in ihrem Kontext hat unzählige Male stattgefunden und erhärtete in jedem Falle deren Plausibilität.

„Macht benötigt Diskretion, damit sie weiter lügen kann. Sie benötig die Lüge, damit sie weiter manipulieren kann und sie benötigt die Manipulation, damit sie den öffentlichen Diskurs weiter steuern kann.“

Viele etablierte Journalisten wissen das und finden es nicht besonders originell, einen solchen Dreisatz zu formulieren.

Allerdings laufen sie immer dann Sturm gegen angebliche Verschwörungstheorien, wenn die absichtsvolle Verdeckung durch die Mächtigen im Licht ihrer Absichten an die Öffentlichkeit gebracht wird.

Das könne dann nur eine „Verschwörungstheorie“ sein.

Ich halte dieses Verhalten, einem Mechanismus grundsätzlich zuzustimmen und die jeweils konkreten Auswirkungen dennoch entschieden zu verleugnen, für einen Verdrängungsprozess, wenn nicht für den Erfolg gerade dieser gewollten Manipulation durch die Mächtigen, die auch im Rahmen einer wirtschaftlichen Abhängigkeit der Medien von den Mächtigen zu interpretieren ist.

Bevor ich auf Assange zurückkomme möchte ich ein kleines Beispiel dafür bringen.

Die Existenz des Goldman-Sachs-Netzwerkes wird eigentlich kaum noch bestritten.

Man weiß, dass es Goldman-Sachs in verschiedenen Think-Tanks und NGOs gelungen ist, die wirtschaftlichen und politischen Führungskräfte in Amerika und Europa zu bündeln und auf eine finanzmarktfreundliche Grundhaltung einzuschwören.

Die jährlich stattfindende Bilderberg-Konferenz ist eine der Plattformen in der die Wirtschaftselite sich selbst, mächtige Medienleute und Politiker auf globale Strategien festlegt und dies so geheim wie möglich tut.

Alle Teilnehmer der Konferenz werden auf absolute Verschwiegenheit verpflichtet.

Angela Merkel, die sich übrigens jahrelang von Goldman-Sachs politisch beraten ließ, war auf dieser Konferenz, Peer Steinbrück war vor seiner Kanzlerkandidatur dort und Cem Özdemir, stellvertretender Bundesvorsitzender der Grünen, war ebenfalls dabei.

Jetzt könnte man sagen, dass aus einer einfachen Konferenzteilnahme ja keine Abhängigkeiten resultieren.

Warum aber verpflichten sich die Teilnehmer dann zur Verschwiegenheit und halten dieses Schweigen?

Im Falle Steinbrücks kann man von einer ausgesprochenen wirtschaftlichen Verflechtung mit dem Bankensektor ausgehen, wenn man sich seine Nebenverdienste ansieht.

Im Falle Özdemirs liegt die Anhängigkeit sogar noch etwas tiefer, weil dieser Politiker nach seinem Sturz über die Flugmeilen-Affäre vom Goldman-Sachs-Netzwerk aufgefangen und wieder aufgebaut wurde.

Seine mehrjährige Tätigkeit für die „Atlantik-Brücke“, die ebenfalls Teil des Netzwerkes ist, legt dies zumindest nahe.

Ist es jetzt eine Verschwörungstheorie, zu postulieren, dass man bei der Bundestagswahl 2013, gleichgültig ob man Merkel, Steinbrück oder Özdemir wählt, das Goldman-Sachs-Netzwerk auf jeden Fall mit wählt?

Mag der eine oder andere einwenden, dass dies trotz der nachweisbaren Verbindungen eine relative Überschätzung des Einflusses dieses Netzwerkes sei, eine überzogene Unterstellung von Relevanz.

Dann frage ich mich allerdings, warum demokratische Politiker, wie die Erwähnten, bei Bilderberg ein- und ausgehen, obwohl diese Konferenz im Allgemeinen als dubios, weil intransparent gilt.

Warum sollen demokratisch gewählte Spitzenpolitiker dieses Risiko der Diskreditierung eingehen, wenn nicht, um sich dort ihr „Placet“ von der internationalen Wirtschaftselite abzuholen und hinterher über dieses „Placet“ hartnäckig zu schweigen, als wären sie Mitglied eines Geheimbundes geworden?

Die nächste Frage ist, wer etwas über die genauen Absichten dieses Netzwerkes weiß?

Ich würde an dieser Stelle anhalten und eine Arte-Reportage empfehlen, die das Netzwerk näher analysiert:

Link: http://vimeo.com/51449102

Zurück zu Assange und seinem „komplizierten“ Gespräch mit dem Google CEO.

Zitiert werden in den Mainstream-Medien meist nur Anfang und Ende dieser gemeinsamen Reflexion.

Besonders das Ende, an dem Assange Schmidt vorschlägt ein Leak in Google einzubauen, wird gern und häufig zitiert.

Ich glaube, deshalb, weil es ins Auge sticht, am Ende des Transskriptes steht, das wohl kaum vollständig gelesen wurde und super zum Medienimage von Assange passt.

Tatsächlich war es ein Scherz von Assange, der mit dem Inhalt des Gespräches wenig zu tun hat.

Der Inhalt wurde zu großen Teilen niemals von den Mainstream-Medien rezipiert.

Dementsprechend wurde kolportiert, was an Gerüchten über Assange durch die Medien schwirrt und mit irgendeinem behaupteten Inhalt verknüpft.

So funktioniert heutzutage Medienarbeit, wenn sie nicht durch offizielle Pressemitteilungen von Regierungen, Verbänden und NGOs gebahnt ist, die unverändert übernommen werden können.

Ich möchte mit diesem Artikel zu einer einigermaßen fairen Rezension des Gespräches beitragen und habe daher die für mich subjektiv wichtigsten Zitate in voller Länge und im Original übernommen.

Vielleicht ein wenig anstrengend, aber für mein Empfinden sehr lohnend.

Zur Frage der aktuellen Medienqualität und dem seltsamen Umgang von Medien mit „Enthüllungen“ äußert sich Assange kritisch.

Er führt die Selbstzensur in den Medien auf Angst zurück und konstatiert in manchen Fällen auch eine reale Gefährdung. Überwiegend ist es aber Psychologie.

„It was clear to me that all over the world publishing is a problem. And... Whether that is through self censorship or overtcensorship.”

“It's mostly self censorship. In fact I would say it's probably the most significant one, historically, has been economic censorship. Where it is simply not profitable to publish something. There is no market for it. That is I describe as a censorship pyramid. It's quite interesting. So, on the top of the pyramid there are the murders of journalists and publishers. And the next level there is political attacks on journalists and publishers. So you think, what is a legal attack? A legal attack is simply a delayed use of coercive force.”

“Which doesn't necessarily result in murder but may result in incarceration or asset seizure. So the next level down, and remember the volume... the area of the pyramid.... volume of the pyramid! The volume of the pyramid increases significantly as you go down from the peak. And in this example that means that the number of acts of censorship also increases as you go down. So there are very few people who are murdered, there are a few people who suffer legal... there is a few number of public legal attacks on individuals and corporations, and then at the next level there is a tremendous amount of self censorship, and this self censorship occurs in part because people don't want to move up into the upper parts of the pyramid. They don't want to come to legal attacks or uses of coercive force. But they also don't want to be killed.”

Wem diese Aussagen des Wikileak-Gründers zu drastisch sind, der schaue einmal bei Amnesty nach, wie hoch die Zahl der getöteten Journalisten in den letzten zehn Jahren war.

Assange und Schmidt beschäftigen sich im Weiteren mit dem Risiko mit Wikileaks zusammen zu arbeiten.

Alle, die in diesem Netzwerk aktiv sind, laufen Gefahr angegriffen zu werden.

„And so dealing with end point attacks both on someone trying to send us information and more importantly if someone tries to send us information is themselves compromised, that's one compromise of one person. If our engine that receives information is compromised, that is a potential compromise of every person that is trying to send us material.”

Eine große Chance sieht Assange aber im „Echoeffekt“ des Internets.

“That's the most optimistic thing that is happening. The radicalization of internet educated youth. People who are receiving their values from the internet... and then as they find them to be compatible echoing them back. The echo back is now so strong that it drowns the original statements. Completely. The people I've dealt with from the 1960s radicals who helped liberate Greece and.. Salazar. They are saying that this moment in time is the most similar to what happened in this period of liberation movements in the 1960s, that they have seen.”

Andererseits biete das Internet auch unglaubliche Chancen für Manipulation und Desinformation.

Häufig kann Desinformation hinter Komplexität versteckt werden. Beispiele biete der Finanzsektor.

Eric Schmidt: “But one consequence of this view is that actors will find the generation of very large amounts of misinformation strategic for them.”

Julian Assange: “Yeah. So this is another type of censorship that I have thought about but don't speak so much about. Which is censorship through complexity.

(…) And that is basically the offshore financial sector. Censorship through complexity. Censorship of what? Censorship of political outrage. With enough political outrage there is law reform and enough law reform you can't do it anymore. So why is it that all these careful tax structuring arrangements are so complex? I mean, they may be perfectly legal, but why are they so god damn complex? Well, because the ones that weren't complex were understood and the ones that were understood were regulated, so you're only left with the things that are incredibly complex.”

Die Lösung dieses Problems sieht er in einem ehrlichen, investigativen Journalismus, der im Umgang mit den Quellen sogar wissenschaftlichen Ansprüchen genügen muss.

Nebenbei stellt Assange fest, dass Menschen, die ehrlich informiert werden, vermutlich keine Kriege mehr mitmachen würden.

“Yes, and I think things like, you know I have been pushing this idea of scientific journalism that things must be precisely cited the original source or as much of it as possibly available should be put in the public domain so that people can look at it, just like in science so that you can test to see whether the conclusion comes from the experimental data. Otherwise you probably just made it up. You could have just made it up. And in fact that is what happens all the time people just make it up. And they make it up to such a degree that we are led to war. I mean most... Most wars in the 20th century have started as a result of lies. Amplified and spread by the mainstream press. And you go, well that is a horrible circumstance, that is terrible that all these wars start with lies. And I say no, this is a tremendous opportunity, because it means that populations basically don't like wars and they have to be lied into it. And that means we can be truthed into peace.

(…)

Complexity is harder. I think that is a big problem. So when things become open things tend to become more complex, because people start hiding what they are doing, their bad behaviour, through complexity. And so that will be bureaucratic double speak is an example. When things get bureaucratized and so on, and everything becomes mealy mouthed, and so that's a cost of openness. Is that kind of bureaucratization, and in the offshore sector you see incredible complexity in the layers of things happening to one another so they become impenetrable. And of course cryptography is an intellectual system that has specialized in making things as complex as possible. Those things are hard to attack. On the other hand complex systems are also hard to use. So bureaucracies and internal communications systems which have this, which are full of weasel words and arse covering, are inefficient internal communications systems. And similarly, those tremendously complex offshore structuring arrangements are actually inefficient. But maybe you're ahead when the tax regime is high, but if the tax regime is zero you're not going to be ahead at all. Sorry, if the tax regime is 3%, you're not going to be ahead at all, you're going to be choked by the complexity.”

Es gibt wohl kaum eine Organisation, die so viele Verbrechen und Lügen des Pentagons durch originale Quellen aufdecken und belegen konnte, wie Wikileaks.

Damit ist Assange zum Kriegsgegner des Pentagon avanciert. Ängste und Befürchtungen die daraus resultieren entsprechen durchaus einer realen Risikoeinschätzung durch die Wikileaks-Leute.

Im Folgenden äußert er sich über die Strategien seiner Organisation und von Internet-Aktivisten im Allgemeinen. Wichtigster Schutz sei die Anonymität.

(…)” I am always hesitant in saying that everyone should go out and be a martyr. Because i don't believe that. I believe the most effective activists are those that fight and run away. Not those who fight and martyr themselves, but those who fight and run away to fight another day. So that's about judgement, when to engage in the fight and when to withdraw so as to preserve your resources for the next fight.”

Jered Cohen: “Would you make the argument that fighting and running away is not that not different, like physically fighting and running away is not that different from fighting anonymously so long as you are sufficiently competent that your anonymity...”

Julian Assange: “If you have perfect anonymity you can fight forever, yeah. You don't have to run away.”

Für Assange gibt es außerdem einen erheblichen Unterschied in der Legitimität des Datenschutzes bei kleinen und schwachen Organisationen und bei großen starken Organisationen.

“... why is it that powerful organizations - there is all sorts of reasons why non-powerful organizations engage in secrecy, which to my view is legitimate, they need it, because they are powerless. But why do powerful organizations engage in secrecy? Well, usually because the plans that they have if made public would be opposed by the public. And plans that are opposed before implementation often don't get implemented. So you want to wait as long as possible. And then implementation eventually makes them public by the very fact that they are being implemented but it is too late by then to alter the course effectively. So an organization on the other hand that is engaged in planning behaviour that if revealed is not opposed by the public doesn't have that burden. It doesn't have that planning burden where it is forced to take things off paper. So this will be an efficient organization, this will not be an efficient organization, and in the mix as they do economic and political battle, it will equilibriate out, these guys will shrink and these guys will grow.”

Große Organisationen tendiern nach Assange also eher dazu, ihre Pläne geheim zu halten und möglichst “off paper” zu nehmen, was sie andererseits sehr anfällig für Fehlplanungen macht.

Meiner Meinung nach meint Assange hier sowohl Regierungsstellen mit sensiblen Aufgaben, als auch Konzerne.

Diese Organisationen kommen durch die mangelhafte Sicherheit im Netz am ehesten unter Druck, weil ihnen für ihre Planungen die öffentliche Rechtfertigung (Justification) fehlt.

Sie seien ständig bestrebt Opposition zu verhindern.

Eric Schmidt: “ Is that your fundamental justification, do you think... for this, for the work that you're in?”

Julian Assange: “Fundamental justification is that, there is really two. First of all, the human civilization, its good part, is based upon our full intellectual record, and our intellectual record should be as large as possible if humanity is to be as advanced as possible. The second is that in practice releasing information is positive to those engaged in acts that the public support and negative to those engaged in acts that the public does not support.”

Als Beispiel für eine große Organisation nennt er wenig später das Pentagon und verweist auf eine Pressekonferenz aus dem Oktober 2010 in dem sich das Pentagon als Opfer von Wikileaks darstellt:

„…we had a case where the Pentagon stood up in public, back in October 2010 and gave a 40 minute press conference with their spokesperson Geoff Morrell, saying that WikiLeaks must - and me personally - must destroy everything we previously published that had been derived from the Pentagon. That we must destroy everything we were going to publish. And cease dealing with US military whistleblowers. The precise terminology used was to return everything that we had ever published, return everything that we were going to publish, and cease soliciting information of US military personnel, or US government personnel. Or, the Pentagon would "compel" us to do so. And when asked by a journalist at the press conference what mechanisms do you have to compel them, the response was, well, look this is the Pentagon, we are not concerned about the law.”

Ausschnitte aus der Pressekonferenz finden sich hier:

http://www.youtube.com/watch?v=Y8xMD2xP63Y

Julian Assange: „So what was actually going on. This was a carefully... I mean, it seems ridiculous. Why would the Pentagon act like a victim? Why would they look so ridiculous and powerless? Why would they utter... give a demand that they were not capable of fulfilling, it would make them look weak? It was a carefully constructed legal message, designed to embroil us in the US Espionage Act. It was the notification, like you see in the newspapers.”

Die Tatsache, dass Wikileaks tatsächlich einen beispielhaften Kampf für die Wahrheit führt, auch wenn dies pathetisch klingen mag, wird durch den Vergleich zwischen hierarchisch geführten Organisationen und Netzwerken wie Wikileaks noch einmal veranschaulicht.

Für das Pentagon ist auch Wikileaks Teil einer asymmetrischen Bedrohung.

„Where they internally were highly organized, they have their contact sheets, they have an internal mail system, and they have their command and control structure where they can task people and recruit resources and pour them into things, and they have people available to spend on us. Maybe there is ten thousand. So, that's, in that particular case, the people who are pushing against us. On the other hand, on our side, we have millions of people around the world who support us and support our values, who are on the other hand traditionally completely atomized. There is no command and control structure, they are not able to effectively coordinate with each other, and so on. So that's the starting condition, but of course, an organization starts to form with these people as they find each other locally. And as they discover each other they become optimized, that network of nodes starts linking up and becoming more and more efficient at comprehending its environment, planning for action and then acting. So in some ways... we have plans to potentiate that. They are probably out by then. So we are going to take these graphs of several million supporters, and, do you know what simulated annealing is? “

Im Folgenden beschreibt Assange, dass Wikileaks als Netzwerk wie eine Legierung immer starker zusammen wächst. Gerade der Druck von außen führe zu seiner Verfestigung.

Am Beispiel von „Cable-Gate“ erläutert Assange noch einmal, wie die Gegenbewegung, die Selbstzensur der etablierten Medien, funktioniert.

Oh they had... The Guardian redacted two thirds of a cable about Bulgarian crime, removed all the names of the people who had infiltrated - the mafioso - who had infiltrated the Bulgarian government. Removed a description of the Kazakstan elite, which said that the Kazakstan elite in general were corrupt, not even a particular name, just in general! Removed a description that a an energy company out of Italy operating in Kazakhstan was corrupt, so they have redacted for naming of individual names of people who might be unfairly put at risk, just like we do--that is what we require of them. They have redacted the names of mafioso, individual mafioso because they are worried that they might get sued for libel in London by this mafioso. They have redacted the names... they have redacted the description of a class of Kazakhstan elite, a class has been corrupt, and they have redacted descriptions of individual companies being corrupt because they don't want to expose themselves to any risk at all. And that's true of the Irish Independent, even though very good journalists, totally onside legally, they do this. Incredible self-censorship across the board and they don't admit doing it or reveal the fact that they are doing it. So we don't want to go down that path. I'm sure all these groups started out as just no we will just do these little redactions and then economics comes into play and then why take the risk and so on. And so you end up with a system of self-censorship and it is embarrassing to do it and so why tell the public that you are doing it, but you are not telling the public you are doing it so it gets easier and easier to do every time. If we look at email. Who censors email? No one censors email! Look at a telephone call to your grandmother, is there a censor sitting there on the line determining whether you are about to say something bad to your grandmother and cutting it out? Of course not. The postal system. Are other people opening envelopes to see whether you are sending something bad? No. Youtube, apriori, is anyone sitting there reviewing every video before it is posted?”

Obwohl ich in dem Artikel Aspekte dieses Gesprächs nur in einem Schlaglicht zeigen konnte, erscheinen mir zwei Schlussfolgerungen in Bezug auf Julian Assange sehr plausible.

Assange hat ein Netzwerk entwickelt, dass wesentlich resistenter gegen „offizielle“ Angriffe ist, als allgemein angenommen wird und keinesfalls mit seiner Person steht und fällt.

Wikileaks ist dezentral organisiert und arbeitet auch während des Zwangsaufenthaltes von Assange in der Ecuadorianischen Botschaft in London äußerst aktiv weiter.

Assange ist keinesfalls ein Paranoiker mit einem Hang zu sensationellen Auftritten.

Er verfügt über einen ausgeprägten intellektuellen Überbau mit systemischen Wurzeln und einem großen Erfahrungsschatz in Bezug auf das WEB.

Er weiß genau, welches die Mechanismen sind, mit denen machtvolle Regierungen und Organisationen operieren und wo ihre Schwachpunkte liegen.

Der Kampf um die Kontrolle über das WEB ist gerade deshalb so virulent und führt zu weitgehenden Drohungen des Pentagons, welches auch öffentlich seine Bereitschaft erklärt hat, Raketen gegen Computerzentren zu richten, weil das Web wie ein inhärenter Wahrheitsdetektor wirke, der dazu führt, dass der Dreisatz der Macht: Verdecken, Lügen und Manipulieren, nicht mehr aufgeht.

Diese Bedrohung führt zu einem Rückzug der Mächtigen aus dem Internet, soweit es exklusive Zirkel angeht und zugleich zu dem Versuch massive Einschränkungen und Überwachungen des Internets zu erwirken.

Die dunkle Zukunftsaussicht einer komplett überwachten Onlinegesellschaft ist auf globaler Ebene weder paranoid noch ist es eine Dystopie.

Es ist vielmehr der realistisch zu erwartende Outcome einer erheblichen Anstrengung, die durch die derzeit dominierenden globalen Eliten unternommen wird, genau das zu erwirken.

Assange ist ein revolutionärer Journalist, der uns eine systemische Wahrheit mitteilt, die wir sehr ernst nehmen sollten.

Sein Buch „Cypherpunks“ ist alles andere als eine Spinnerei.

Zuletzt aktualisiert am Samstag, 11. Mai 2013 um 13:14 Uhr  

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